Antimikrobielle Mundspülungen bei COVID-19: Cochrane Review
Hintergrund
COVID-19 wird primär durch Tröpfchen und Aerosole übertragen. Medizinisches Personal ist bei der Behandlung infizierter Personen einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt, insbesondere bei Aerosol-generierenden Prozeduren.
Antimikrobielle Mundspülungen und Nasensprays könnten theoretisch helfen, die Viruslast im Nasen-Rachen-Raum zu reduzieren. Dies könnte das Risiko einer Übertragung auf das behandelnde Personal senken oder den Schweregrad einer Infektion abmildern.
Gleichzeitig bergen diese Interventionen bei regelmäßiger Anwendung potenzielle Risiken. Dazu gehören Schleimhautreizungen, allergische Reaktionen oder eine Störung des natürlichen Mikrobioms, welches eine wichtige Schutzfunktion gegen andere Erreger erfüllt.
Empfehlungen
Der vorliegende Cochrane Review (2020) analysiert die Evidenzlage zum präventiven Einsatz von Mundspülungen und Nasensprays durch medizinisches Personal.
Fehlende Evidenzlage
Laut dem Review gibt es aktuell keine abgeschlossenen Studien, die den Nutzen oder Schaden dieser Maßnahme belegen (Evidenzgrad Ia). Es kann daher keine Aussage zur klinischen Wirksamkeit getroffen werden.
Die Autoren identifizierten lediglich drei laufende Studien. Diese untersuchen unter anderem folgende Wirkstoffe:
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Povidon-Iod als Mundspülung und Nasenspray
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Stickstoffmonoxid-Lösungen
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GLS-1200 Nasenspray
Potenzielle Risiken
Der Review betont, dass bei der präventiven Anwendung durch gesundes Personal mögliche Schäden gegen den unklaren Nutzen abgewogen werden müssen. Folgende unerwünschte Wirkungen werden als potenziell relevant eingestuft:
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Verlust oder Störung des Geruchssinns (Anosmie)
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Reizungen oder allergische Reaktionen der Schleimhäute
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Zerstörung der schützenden oralen und nasalen Standortflora (Mikrobiom)
Zukünftiger Forschungsbedarf
Es wird darauf hingewiesen, dass zukünftige Studien zwingend unerwünschte Ereignisse systematisch erfassen müssen. Nur so lässt sich laut den Autoren beurteilen, ob ein möglicher, vermutlich geringer Schutzeffekt die potenziellen Risiken übersteigt.
💡Praxis-Tipp
Da die Evidenz für eine Schutzwirkung von antimikrobiellen Mundspülungen und Nasensprays bei medizinischem Personal fehlt, wird der Fokus weiterhin auf etablierte persönliche Schutzausrüstung (PSA) gelegt. Der Review warnt davor, dass ein unklarer Nutzen durch potenzielle Schäden wie Anosmie oder Mikrobiomstörungen aufgewogen werden könnte.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es derzeit keine wissenschaftliche Evidenz, die eine Schutzwirkung belegt. Es wurden keine abgeschlossenen Studien zu dieser Fragestellung gefunden.
Laufende Studien untersuchen unter anderem den Einsatz von Povidon-Iod und Stickstoffmonoxid als Mundspülung oder Nasenspray. Ergebnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit stehen jedoch noch aus.
Der Review nennt als mögliche Risiken Schleimhautreizungen, allergische Reaktionen und den Verlust des Geruchssinns. Zudem wird eine potenziell schädliche Veränderung des natürlichen Mikrobioms im Nasen-Rachen-Raum diskutiert.
Die aktuelle Datenlage lässt keine Bewertung zu, ob Gurgeln vor solchen Prozeduren einen klinischen Zusatznutzen bietet. Die Autoren betonen, dass mögliche unerwünschte Wirkungen bei gesundem Personal kritisch abgewogen werden müssen.
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Quelle: Cochrane Review: Use of antimicrobial mouthwashes (gargling) and nasal sprays by healthcare workers to protect them when treating patients with suspected or confirmed COVID-19 infection (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.