Nierensteine: ESWL vs. PCNL und RIRS laut Cochrane
Hintergrund
Die Urolithiasis ist eine weltweit häufige Erkrankung, deren Prävalenz stetig ansteigt. Nierensteine können zu Schmerzen, Hämaturie, Harnwegsinfektionen und einer eingeschränkten Nierenfunktion führen.
Zur Behandlung von Nierensteinen stehen verschiedene minimalinvasive Verfahren zur Verfügung. Die extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL) wird seit den 1980er Jahren eingesetzt und zertrümmert Steine von außen durch Stoßwellen.
Als chirurgische Alternativen gelten die perkutane Nephrolithotomie (PCNL) und die retrograde intrarenale Chirurgie (RIRS). Diese Zusammenfassung basiert auf einem Cochrane-Review aus dem Jahr 2023, der die Wirksamkeit und Sicherheit dieser drei Methoden vergleicht.
Empfehlungen
Der Review vergleicht die verschiedenen Behandlungsmodalitäten hinsichtlich ihres klinischen Nutzens. Die Wahl des Verfahrens hängt von der Invasivität und den individuellen Risikofaktoren ab.
Vergleich der Verfahren
| Verfahren | Invasivität | Behandlungserfolg (3 Monate) | Komplikationsrisiko | Krankenhausaufenthalt |
|---|---|---|---|---|
| ESWL | Nicht-invasiv | Geringer als PCNL/RIRS | Geringer als PCNL | Kürzer |
| PCNL | Invasiv (perkutan) | Höher als ESWL | Höher als ESWL | Länger |
| RIRS | Invasiv (retrograd) | Höher als ESWL | Unklar im Vergleich zu ESWL | Länger |
ESWL im Vergleich zu PCNL
Laut Review weist die ESWL nach drei Monaten eine geringere Erfolgsrate auf als die PCNL (Evidenzgrad Niedrig). Es wird jedoch berichtet, dass die ESWL wahrscheinlich zu weniger Komplikationen führt (Evidenzgrad Moderat).
Die Lebensqualität nach der Behandlung unterscheidet sich zwischen beiden Verfahren kaum. Die ESWL erfordert jedoch häufiger Nachbehandlungen oder zusätzliche Eingriffe.
ESWL im Vergleich zu RIRS
Die Auswertung zeigt, dass die ESWL auch im Vergleich zur RIRS eine geringere dreimonatige Erfolgsrate aufweist (Evidenzgrad Niedrig). Bezüglich der Komplikationsraten und der Lebensqualität ist die Evidenzlage zwischen diesen beiden Verfahren sehr unsicher.
Auch hier geht die ESWL mit einer höheren Rate an notwendigen Nachbehandlungen einher. Der Krankenhausaufenthalt ist bei der ESWL jedoch wahrscheinlich kürzer.
Klinische Entscheidungsfindung
Der Review leitet aus den Daten folgende Aspekte für die Praxis ab:
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Die ESWL stellt eine praktikable Option für Personen mit hohem Operations- oder Narkoserisiko dar.
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PCNL oder RIRS werden für Personen beschrieben, die eine Anästhesie und invasive Eingriffe tolerieren.
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Bei der PCNL ist der Behandlungserfolg weitgehend unabhängig von der Steingröße oder -zusammensetzung.
Kontraindikationen
Der Review nennt spezifische Kontraindikationen, die den Einsatz der ESWL limitieren. Folgende Faktoren sprechen gegen eine Stoßwellentherapie:
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Unkontrollierte Koagulopathien
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Unkontrollierte Harnwegsinfektionen
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Harnwegsobstruktionen distal des Steins
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Unkontrollierte Hypertonie und Schwangerschaft
Zudem wird der Einsatz der ESWL durch schwere Skelettfehlbildungen, starke Adipositas sowie Aorten- oder Nierenarterienaneurysmen eingeschränkt.
Als mögliche Komplikationen der ESWL werden die sogenannte Steinstraße, Hämatome an Niere, Leber oder Milz sowie kardiale Dysrhythmien aufgeführt.
💡Praxis-Tipp
Laut Cochrane-Review erfordert die ESWL im Vergleich zu chirurgischen Verfahren (PCNL, RIRS) häufiger mehrere Sitzungen oder zusätzliche Eingriffe, um vollständige Steinfreiheit zu erreichen. Es wird beschrieben, dass die ESWL dennoch die bevorzugte Wahl für Personen mit hohem Narkose- oder Operationsrisiko darstellt. Bei anästhesiefähigen Personen bieten PCNL und RIRS hingegen höhere primäre Erfolgsraten.
Häufig gestellte Fragen
Laut Review bietet die PCNL eine höhere Erfolgsrate bei der Steinentfernung, insbesondere bei größeren Steinen. Sie geht jedoch mit einem höheren Komplikationsrisiko und einem längeren Krankenhausaufenthalt einher.
Die Publikation nennt unter anderem unkontrollierte Gerinnungsstörungen, unbehandelte Harnwegsinfekte, Schwangerschaft und distale Obstruktionen als Kontraindikationen. Auch schwere Adipositas oder Aneurysmen schränken die Anwendbarkeit ein.
Der Cochrane-Review zeigt, dass die ESWL im Vergleich zu PCNL und RIRS signifikant häufiger Nachbehandlungen oder zusätzliche Prozeduren erfordert. Dies wird auf die indirekte Art der Steinzertrümmerung zurückgeführt.
Die Auswertung der Daten ergab, dass es wahrscheinlich kaum oder keine Unterschiede in der Lebensqualität nach einer ESWL im Vergleich zu einer PCNL gibt. Beide Verfahren schneiden in diesem Punkt ähnlich ab.
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Quelle: Cochrane Review: Extracorporeal shock wave lithotripsy (ESWL) versus percutaneous nephrolithotomy (PCNL) or retrograde intrarenal surgery (RIRS) for kidney stones (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.