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Nieren- und Harnleitersteine: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Low-Dose-Nativ-CT ist der Goldstandard zur Diagnostik bei Erwachsenen und sollte innerhalb von 24 Stunden erfolgen.
  • NSAR sind das Mittel der ersten Wahl zur Schmerztherapie bei Nierenkoliken; Spasmolytika sollen nicht verwendet werden.
  • Alpha-Blocker können bei distalen Harnleitersteinen <10 mm zur Förderung des Steinabgangs erwogen werden.
  • Die Stoßwellenlithotripsie (SWL) ist bei Erwachsenen die primäre Therapie für Nieren- und Harnleitersteine <10 mm.
  • Zur Rezidivprophylaxe wird eine Trinkmenge von 2,5-3 Litern sowie eine normale Calciumzufuhr (keine Restriktion) empfohlen.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie liefert evidenzbasierte Empfehlungen zur Diagnostik, Schmerztherapie, operativen Behandlung und Rezidivprophylaxe von Nieren- und Harnleitersteinen. Ziel ist es, die Detektion und Steinfreiheit zu verbessern sowie Schmerzen und Rezidive zu reduzieren.

Diagnostik

Die schnelle und präzise Bildgebung ist essenziell, um Nierenschäden zu vermeiden:

  • Erwachsene: Dringendes (innerhalb von 24 Stunden) Low-Dose-Nativ-CT bei Verdacht auf Nierenkolik.
  • Schwangere: Ultraschall anstelle eines CTs.
  • Kinder und Jugendliche: Ultraschall als primäre Bildgebung (<24h). Bei anhaltender diagnostischer Unsicherheit kann ein Low-Dose-Nativ-CT erwogen werden.

Schmerztherapie

Die analgetische Therapie bei Verdacht auf Nierenkolik sollte stufenweise erfolgen:

  • 1. Wahl: NSAR (Nicht-steroidale Antirheumatika) über einen beliebigen Applikationsweg für alle Altersgruppen.
  • 2. Wahl: Intravenöses Paracetamol, falls NSAR kontraindiziert sind oder keine ausreichende Linderung bringen.
  • 3. Wahl: Opioide, wenn sowohl NSAR als auch i.v. Paracetamol kontraindiziert oder ineffektiv sind.
  • Kontraindiziert: Spasmolytika sollen nicht angeboten werden.

Konservative Therapie (Medical Expulsive Therapy)

  • Alpha-Blocker können bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen mit distalen Harnleitersteinen <10 mm erwogen werden (Off-Label-Use).
  • Bei Erwachsenen können Alpha-Blocker auch als Begleittherapie zur Stoßwellenlithotripsie (SWL) bei Harnleitersteinen <10 mm eingesetzt werden.

Operative Therapie

Nierensteine

Bei asymptomatischen Nierensteinen <5 mm (oder >5 mm nach Aufklärung über Risiken und Nutzen) kann ein Watchful Waiting erwogen werden. Für behandlungsbedürftige Steine gilt:

SteingrößeTherapie ErwachseneTherapie Kinder & Jugendliche
<10 mmSWL anbieten. URS erwägen bei Kontraindikationen/Versagen.URS oder SWL erwägen. PCNL bei Versagen.
10-20 mmURS oder SWL erwägen. PCNL bei Versagen.URS, SWL oder PCNL erwägen.
>20 mm (inkl. Ausgusssteine)PCNL anbieten. URS, falls PCNL nicht möglich.URS, SWL oder PCNL erwägen.

Harnleitersteine

Bei Harnleitersteinen mit Nierenkolik sollte die operative Therapie innerhalb von 48 Stunden erfolgen, wenn die Schmerzen nicht tolerabel sind oder ein spontaner Steinabgang unwahrscheinlich ist.

SteingrößeTherapie ErwachseneTherapie Kinder & Jugendliche
<10 mmSWL anbieten. URS erwägen, falls Steinfreiheit in 4 Wochen unwahrscheinlich, SWL kontraindiziert/nicht zielführend.URS oder SWL erwägen.
10-20 mmURS anbieten. SWL erwägen, falls lokale Kapazitäten Steinfreiheit in <4 Wochen erlauben.URS oder SWL erwägen.

(Abkürzungen: SWL = Stoßwellenlithotripsie, URS = Ureteroskopie, PCNL = Perkutane Nephrolitholapaxie)

Stenting

  • Vor SWL: Bei Erwachsenen kein Stenting vor einer SWL durchführen. Bei Kindern mit Ausgusssteinen vor SWL erwägen.
  • Nach URS: Bei Erwachsenen mit Harnleitersteinen <20 mm kein routinemäßiges Stenting nach Ureteroskopie.

Metabolische Diagnostik und Prävention

Zur Prävention von Rezidiven ist eine metabolische Abklärung und Lebensstilanpassung wichtig:

  • Diagnostik: Steinanalyse und Messung des Serumcalciums bei Erwachsenen erwägen. Kinder an pädiatrische Nephrologie/Urologie überweisen.
  • Trinkmenge: Erwachsene 2,5-3 Liter/Tag; Kinder 1-2 Liter/Tag. Frischen Zitronensaft hinzufügen, kohlensäurehaltige Getränke meiden.
  • Ernährung: Salzzufuhr auf max. 6 g/Tag beschränken. Keine Calciumrestriktion (normale Zufuhr von 700-1.200 mg/Tag beibehalten).
  • Medikamente: Kaliumcitrat bei rezidivierenden Calciumoxalatsteinen (>50%) erwägen. Thiazide bei Erwachsenen mit rezidivierenden Calciumoxalatsteinen und Hyperkalziurie (nach vorheriger Salzrestriktion) erwägen.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei Nierenkoliken auf Spasmolytika und setzen Sie primär auf NSAR. Führen Sie bei Erwachsenen keine routinemäßige Stenteinlage vor einer Stoßwellenlithotripsie (SWL) oder nach einer Ureteroskopie (Steine <20 mm) durch.

Häufig gestellte Fragen

NSAR (über einen beliebigen Applikationsweg) sind die erste Wahl. Spasmolytika sollen nicht eingesetzt werden.
Bei Erwachsenen sollte innerhalb von 24 Stunden nach Vorstellung ein Low-Dose-Nativ-CT durchgeführt werden.
Nein, es wird eine normale tägliche Calciumzufuhr von 700 bis 1.200 mg für Erwachsene empfohlen. Eine Restriktion ist nicht indiziert.
Innerhalb von 48 Stunden, wenn die Schmerzen trotz Therapie anhalten und nicht toleriert werden oder ein spontaner Steinabgang unwahrscheinlich ist.

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