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Enterale Ernährung bei schwerer Demenz: Cochrane Review

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Im fortgeschrittenen Stadium einer Demenzerkrankung kommt es häufig zu Schluckstörungen und einer reduzierten Nahrungs- sowie Flüssigkeitsaufnahme. In dieser Phase stellt sich oft die ethisch und medizinisch komplexe Frage nach dem Nutzen einer künstlichen Ernährung.

Ein systematischer Cochrane Review aus dem Jahr 2021 untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit der enteralen Sondenernährung bei Menschen mit schwerer Demenz. Dabei wurden sowohl perkutane endoskopische Gastrostomien (PEG) als auch nasogastrale Sonden betrachtet.

Die Studienautoren weisen darauf hin, dass zunehmend mehr Leitlinien das Fehlen eines nachgewiesenen Nutzens sowie die potenziellen Risiken einer solchen Intervention betonen. Es konnten keine randomisiert-kontrollierten Studien (RCTs) identifiziert werden, sondern lediglich 14 kontrollierte, nicht-randomisierte Studien mit teils hohem Verzerrungsrisiko.

Empfehlungen

Dieser Artikel fasst die Ergebnisse des systematischen Cochrane Reviews zusammen. Die Autoren formulieren basierend auf der verfügbaren Evidenz folgende Kernaussagen:

Überleben und Mortalität

Laut dem Review gibt es keine Evidenz, dass eine enterale Sondenernährung das Überleben von Menschen mit schwerer Demenz verlängert.

  • Bei der Anlage einer PEG-Sonde konnte in vier Studien mit über 36.000 Teilnehmern kein Effekt auf die Überlebenszeit festgestellt werden (niedrige Evidenzqualität).

  • Bei nasogastralen Sonden zeigten die Daten entweder ein erhöhtes Mortalitätsrisiko oder keinen Unterschied zur oralen Nahrungsaufnahme.

  • Studien mit gemischten Sondenarten lieferten widersprüchliche Ergebnisse zur Überlebenszeit.

Lebensqualität und Komplikationen

Die Auswertung der Studien zeigt keine Hinweise auf eine Verbesserung der Lebensqualität, eine Schmerzreduktion oder eine Linderung verhaltensbezogener und psychologischer Demenzsymptome durch die Sondenernährung.

  • Es besteht ein klinisch signifikantes Risiko für die Entstehung von Druckgeschwüren (Dekubitus) durch enterale Sondenernährung.

  • Eine große Studie zur PEG-Sonde belegt dieses erhöhte Dekubitusrisiko mit moderater Evidenzqualität.

  • Die Gesamtheit der Evidenz deutet zudem auf ein erhöhtes Pneumonierisiko bei künstlicher Ernährung hin.

Auswirkungen auf Angehörige

Der Review fand keine Belege dafür, dass eine Sondenernährung die Situation der pflegenden Angehörigen verbessert. In einer Studie wurde sogar über eine höhere Belastung der Betreuer in der Gruppe mit Sondenernährung berichtet.

Übersicht der klinischen Endpunkte

Die folgende Tabelle fasst die beobachteten Effekte der verschiedenen Sondenarten im Vergleich zum Verzicht auf eine enterale Ernährung zusammen:

SondenartEffekt auf ÜberlebenszeitDekubitusrisikoEvidenzqualität
PEG-SondeKein Effekt nachgewiesenSignifikant erhöhtNiedrig bis Moderat
Nasogastrale SondeKeine Daten zur ÜberlebenszeitKeine DatenSehr niedrig
Gemischte SondenartenWidersprüchliche ErgebnisseTendenziell erhöhtSehr niedrig
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💡Praxis-Tipp

Bei Personen mit schwerer Demenz und unzureichender Nahrungsaufnahme wird eine äußerst kritische Indikationsstellung zur PEG-Anlage nahegelegt. Die aktuelle Evidenz zeigt, dass eine enterale Sondenernährung das Überleben nicht verlängert, jedoch mit einem signifikant erhöhten Risiko für Druckgeschwüre und potenziell vermehrten Pneumonien einhergeht.

Häufig gestellte Fragen

Laut dem Cochrane Review gibt es keine Evidenz dafür, dass eine PEG-Sonde oder andere Formen der enteralen Ernährung die Überlebenszeit bei schwerer Demenz verlängern. Große Beobachtungsstudien zeigten keinen entsprechenden Effekt.

Die Auswertung der Daten zeigt ein klinisch signifikant erhöhtes Risiko für die Entstehung von Druckgeschwüren (Dekubitus). Zudem deutet die Evidenz auf ein erhöhtes Risiko für Pneumonien hin.

Es liegen keine Studien vor, die eine Verbesserung der Lebensqualität durch eine Sondenernährung belegen. Ebenso wenig konnte eine Reduktion von Schmerzen oder psychologischen Demenzsymptomen nachgewiesen werden.

Der Review fand keine Hinweise auf eine Entlastung der Angehörigen hinsichtlich Depressionen, Ängsten oder allgemeiner Zufriedenheit. Eine Studie berichtete sogar von einer höheren subjektiven Belastung der Betreuer bei Personen mit Sondenernährung.

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Quelle: Cochrane Review: Enteral tube feeding for people with severe dementia (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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