Frühe vs. späte Tracheotomie bei COVID-19: Cochrane Review
Hintergrund
Der Cochrane Review (2023) untersucht die Vor- und Nachteile einer frühen im Vergleich zu einer späten Tracheotomie bei schwer an COVID-19 erkrankten Personen. Die betroffenen Personen werden auf der Intensivstation behandelt und maschinell beatmet.
Eine Tracheotomie wird häufig bei Personen durchgeführt, die voraussichtlich langfristig beatmet werden müssen. Ziel ist es, die Atemarbeit zu verringern und die Entwöhnung vom Beatmungsgerät (Weaning) zu erleichtern.
Bislang gab es keine allgemeingültigen Empfehlungen für den optimalen Zeitpunkt des Eingriffs. Als "früh" wird in diesem Kontext meist eine Tracheotomie innerhalb der ersten 10 Tage nach Beginn der Beatmung definiert, als "spät" ein Eingriff ab dem 11. Tag.
Empfehlungen
Definitionen und Endpunkte
Der Review definiert den Zeitpunkt der Intervention wie folgt:
-
Frühe Tracheotomie: bis zu 10 Tage nach Beginn der mechanischen Beatmung
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Späte Tracheotomie: mehr als 10 Tage nach Beginn der mechanischen Beatmung
Vergleich der klinischen Endpunkte
Basierend auf der eingeschlossenen randomisiert-kontrollierten Studie (RCT) zeigt der Review folgende Effekte der frühen im Vergleich zur späten Tracheotomie:
| Klinischer Endpunkt | Effekt der frühen Tracheotomie (≤ 10 Tage) | Vertrauenswürdigkeit der Evidenz |
|---|---|---|
| Gesamtmortalität | Kein oder nur geringer Unterschied | Niedrig |
| Dauer bis zur Beatmungsentwöhnung | Kein oder nur geringer Unterschied | Niedrig |
| Unerwünschte Ereignisse (alle Grade) | Kein oder nur geringer Unterschied | Niedrig |
| Beatmungsassoziierte Pneumonie | Kein oder nur geringer Unterschied | Niedrig |
| Verweildauer auf Intensivstation | Kein oder nur geringer Unterschied | Niedrig |
Implikationen für die Praxis
Die Autoren betonen, dass die vorliegende Evidenz mit großer Vorsicht zu betrachten ist. Aufgrund der niedrigen Vertrauenswürdigkeit der Daten lässt sich nicht sicher ableiten, ob bestimmte Subgruppen von einem früheren Eingriff profitieren könnten.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Vorhersage einer langfristigen Beatmungspflichtigkeit klinisch schwierig ist. Daher lässt sich laut Review nicht vermeiden, dass einige Personen den Eingriff unnötigerweise erhalten.
Um die Indikationsstellung in Zukunft sicherer zu machen, wird die Entwicklung und Nutzung validierter Scoring-Systeme zur Vorhersage einer verlängerten mechanischen Beatmung empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Der Review hebt hervor, dass die Indikation zur frühen Tracheotomie (≤ 10 Tage) streng gestellt werden sollte, da sich aktuell kein klarer Überlebensvorteil oder eine verkürzte Beatmungsdauer nachweisen lässt. Es wird betont, dass die schwierige klinische Vorhersage einer Langzeitbeatmung dazu führen kann, dass der Eingriff bei einer frühen Indikationsstellung teilweise unnötig durchgeführt wird.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review wird eine Tracheotomie als "früh" definiert, wenn sie innerhalb der ersten 10 Tage nach Beginn der maschinellen Beatmung durchgeführt wird. Eingriffe nach diesem Zeitraum gelten als "spät".
Der Review zeigt, dass eine frühe Tracheotomie im Vergleich zur späten Durchführung wahrscheinlich keinen oder nur einen sehr geringen Unterschied bezüglich der Gesamtmortalität macht. Die zugrundeliegende Evidenz wird jedoch als niedrig eingestuft.
Gemäß den ausgewerteten Daten führt ein früher Eingriff zu keinem relevanten Unterschied bei der Dauer bis zur erfolgreichen Entwöhnung von der maschinellen Beatmung.
Die Auswertung zeigt keinen signifikanten Unterschied in der Häufigkeit von unerwünschten Ereignissen oder beatmungsassoziierten Pneumonien zwischen der frühen und der späten Tracheotomie.
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Quelle: Cochrane Review: Early versus late tracheostomy in critically ill COVID-19 patients (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.