Chelat-Therapie bei Atherosklerose: Cochrane Review
Hintergrund
Die Chelat-Therapie wird weltweit als alternativmedizinische Methode zur Behandlung von atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen beworben. Sie wird als nicht-chirurgische Möglichkeit zur Wiederherstellung des Blutflusses in atherosklerotischen Gefäßen diskutiert.
Aufgrund der bisher begrenzten Datenlage aus qualitativ hochwertigen Studien bleibt der klinische Nutzen der Therapie umstritten. Der vorliegende Cochrane Review aus dem Jahr 2020 aktualisiert eine frühere Auswertung von 2002.
Ziel der Meta-Analyse war es, die Effekte einer Chelat-Therapie mit Ethylendiamintetraessigsäure (EDTA) im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung zu untersuchen. Eingeschlossen wurden fünf randomisiert-kontrollierte Studien mit insgesamt 1993 Teilnehmern.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der aktuellen Studienlage folgende zentrale Ergebnisse:
Klinische Endpunkte im Vergleich zu Placebo
Die Meta-Analyse untersuchte verschiedene kardiovaskuläre Endpunkte bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) und peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK). Es zeigte sich bei keinem der untersuchten Parameter ein signifikanter Vorteil der EDTA-Chelat-Therapie.
| Klinischer Endpunkt | Untersuchte Patientengruppe | Effekt (EDTA vs. Placebo) | Evidenzqualität (GRADE) |
|---|---|---|---|
| Gesamtmortalität | KHK | Kein Unterschied (RR 0,97) | Niedrig |
| KHK-bedingte Todesfälle | KHK | Kein Unterschied (RR 1,02) | Sehr niedrig |
| Myokardinfarkt | KHK | Kein Unterschied (RR 0,81) | Moderat |
| Angina pectoris | KHK | Kein Unterschied (RR 0,95) | Sehr niedrig |
| Schlaganfall | KHK und pAVK | Kein Unterschied (RR 0,88) | Niedrig |
| Knöchel-Arm-Index (ABPI) | pAVK | Kein Unterschied nach 3 Monaten | Niedrig |
| Gehstrecke | pAVK | Kein Unterschied nach 3 Monaten | Niedrig |
Sicherheit und Nebenwirkungen
Hinsichtlich der Sicherheit ergaben die eingeschlossenen Studien keine Hinweise auf schwere oder leichte unerwünschte Ereignisse im Zusammenhang mit der EDTA-Behandlung.
Die Autoren schlussfolgern, dass die aktuelle Evidenz unzureichend ist, um die Wirksamkeit der Chelat-Therapie bei atherosklerotischen Erkrankungen abschließend zu beurteilen.
Ausblick
Es werden weitere qualitativ hochwertige, randomisiert-kontrollierte Studien gefordert. Diese sollten insbesondere die Effekte der Chelat-Therapie auf die Langlebigkeit und Lebensqualität der Patienten untersuchen.
💡Praxis-Tipp
In der klinischen Praxis ist zu beachten, dass die EDTA-Chelat-Therapie bei atherosklerotischen Erkrankungen laut aktueller Evidenz keinen nachweisbaren klinischen Nutzen bietet. Da die Wirksamkeit zur Prävention von kardiovaskulären Ereignissen oder zur Verbesserung der Gehstrecke bei pAVK nicht belegt ist, stellt diese alternativmedizinische Methode derzeit keine evidenzbasierte Therapieoption dar.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es keine Evidenz dafür, dass die EDTA-Chelat-Therapie die Gesamtmortalität oder das Risiko für Myokardinfarkte bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit senkt. Die Evidenzqualität für diese Endpunkte wird als niedrig bis moderat eingestuft.
Die Meta-Analyse zeigt keinen signifikanten Unterschied zwischen der Chelat-Therapie und Placebo hinsichtlich der maximalen oder schmerzfreien Gehstrecke. Auch der Knöchel-Arm-Index (ABPI) verbesserte sich nach drei Monaten nicht signifikant.
In den eingeschlossenen Studien des Reviews gab es keine Hinweise auf schwere oder leichte unerwünschte Ereignisse durch die EDTA-Behandlung. Dennoch wird die Therapie aufgrund der fehlenden Wirksamkeitsnachweise aktuell nicht als Standardverfahren angesehen.
Die Autoren des Reviews bewerten die aktuelle Studienlage als unzureichend, um die Wirksamkeit abschließend zu beurteilen. Es werden weitere qualitativ hochwertige Studien gefordert, um mögliche Effekte auf Lebensqualität und Langlebigkeit zu untersuchen.
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Quelle: Cochrane Review: Chelation therapy for atherosclerotic cardiovascular disease (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.