Blutdruckziele bei chronischer Nierenerkrankung: Cochrane
Hintergrund
Chronische Nierenerkrankungen (CKD) betreffen weltweit etwa 10 % der Bevölkerung und stellen einen unabhängigen Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse sowie Mortalität dar. Arterielle Hypertonie ist nach Diabetes die zweithäufigste Ursache für eine CKD.
Die Prävalenz von Bluthochdruck bei Menschen mit CKD reicht von 22 % im Stadium 1 bis zu 80 % im Stadium 4. Eine Senkung des Blutdrucks verlangsamt das Fortschreiten der Nierenschädigung, jedoch sind die optimalen Zielwerte in der Praxis oft unklar und variieren in verschiedenen Leitlinien.
Dieser Artikel basiert auf einem aktuellen Cochrane Review (2024). Die Meta-Analyse untersucht, ob niedrigere Blutdruckzielwerte im Vergleich zu Standardzielwerten zusätzliche gesundheitliche Vorteile für erwachsene Personen mit Hypertonie und chronischer Nierenerkrankung bieten.
Empfehlungen
Der Review formuliert basierend auf der Meta-Analyse von sechs randomisiert-kontrollierten Studien folgende zentrale Erkenntnisse:
Klinische Endpunkte
Der Review vergleicht intensive Blutdruckziele (≤ 130/80 mmHg) mit Standardzielwerten (≤ 140-160/90-100 mmHg). Laut den Autoren ergeben sich durch die intensivere Senkung wahrscheinlich keine oder nur geringe Unterschiede bei folgenden Parametern:
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Gesamtmortalität (moderate Evidenz)
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Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (moderate Evidenz)
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Kardiovaskuläre Gesamtereignisse (moderate Evidenz)
Nierenfunktion und kardiovaskuläre Sterblichkeit
Auch bei weiteren kritischen Endpunkten zeigt die Meta-Analyse keinen klaren Vorteil der strengeren Einstellung. Es wird berichtet, dass niedrigere Zielwerte möglicherweise kaum Auswirkungen auf folgende Bereiche haben:
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Kardiovaskuläre Mortalität (niedrige Evidenz)
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Fortschreiten zu einer Nierenerkrankung im Endstadium (niedrige Evidenz)
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Verdopplung des Serumkreatinins oder eine Reduktion der glomerulären Filtrationsrate (GFR) um mindestens 50 %
Therapieintensität und Zielerreichung
Um die intensiven Blutdruckziele zu erreichen, ist laut Review ein höherer medikamentöser Aufwand erforderlich.
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In der Gruppe mit niedrigeren Zielwerten wurden durchschnittlich 2,75 Antihypertensiva benötigt, verglichen mit 1,98 in der Standardgruppe.
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Zudem erreichten in der intensiv behandelten Gruppe prozentual weniger Personen den vorgegebenen Zielwert am Ende der Studien.
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Bei den Studienabbrüchen aufgrund von Nebenwirkungen zeigte sich kein relevanter Unterschied zwischen den Gruppen.
Vergleich der Zielwerte und Effekte
Die folgende Tabelle fasst die relativen Effekte der intensiven Blutdrucksenkung im Vergleich zur Standardtherapie zusammen:
| Endpunkt | Relatives Risiko (RR) | Evidenzgrad |
|---|---|---|
| Gesamtmortalität | 0,90 | Moderat |
| Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse | 1,01 | Moderat |
| Kardiovaskuläre Ereignisse | 1,00 | Moderat |
| Kardiovaskuläre Mortalität | 0,90 | Niedrig |
| Fortschreiten zum Nierenversagen | 0,94 | Niedrig |
💡Praxis-Tipp
Laut dem Review bietet eine Blutdrucksenkung unter die Standardzielwerte (≤ 140-160/90-100 mmHg) bei etablierter chronischer Nierenerkrankung keinen klaren gesundheitlichen Nettonutzen. Es wird darauf hingewiesen, dass für intensivere Zielwerte (≤ 130/80 mmHg) signifikant mehr Antihypertensiva benötigt werden, was den medikamentösen Aufwand im klinischen Alltag deutlich erhöht.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review zeigt, dass eine Senkung unter die Standardzielwerte (140-160/90-100 mmHg) auf Werte von ≤ 130/80 mmHg keinen signifikanten Zusatznutzen bringt. Es wird berichtet, dass Mortalität und kardiovaskuläre Ereignisse dadurch nicht weiter reduziert werden.
Laut der Meta-Analyse gibt es keinen klaren Beleg dafür, dass intensive Blutdruckziele das Fortschreiten zu einer Nierenerkrankung im Endstadium besser aufhalten als Standardzielwerte. Die Evidenz hierfür wird als niedrig eingestuft.
Die Daten zeigen, dass für das Erreichen von Werten unter 130/80 mmHg durchschnittlich 2,75 blutdrucksenkende Medikamente erforderlich sind. Bei Standardzielwerten liegt der Durchschnitt bei knapp zwei Medikamenten.
Die Auswertung der Studien ergab keinen signifikanten Unterschied bei den schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen oder den Studienabbrüchen aufgrund von Nebenwirkungen. Die Autoren weisen jedoch auf eine generell unzureichende Dokumentation von Nebenwirkungen in den Primärstudien hin.
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Quelle: Cochrane Review: Blood pressure targets for hypertension in people with chronic renal disease (Cochrane, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.