Blutdruckziele bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Cochrane
Hintergrund
Bluthochdruck ist ein wesentlicher Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Bei Personen mit bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist das Risiko für Folgeereignisse besonders hoch.
Historisch wurden für diese Hochrisikogruppe oft strengere Blutdruckziele empfohlen. Die Hypothese war, dass eine intensivere Senkung das Risiko für Mortalität und Morbidität weiter reduzieren könnte.
Der vorliegende Cochrane Review (2022) untersucht, ob niedrigere Blutdruckziele im Vergleich zu Standardzielen einen klinischen Nutzen bieten. Dabei wurden Daten von knapp 10.000 Teilnehmenden aus sieben randomisiert-kontrollierten Studien analysiert.
Empfehlungen
Der Review vergleicht zwei unterschiedliche Zielwerte für die antihypertensive Therapie bei Personen mit kardiovaskulären Vorerkrankungen:
| Zielwert-Strategie | Systolischer Zielwert | Diastolischer Zielwert |
|---|---|---|
| Standard-Ziel | ≤ 140-160 mmHg | ≤ 90-100 mmHg |
| Niedrigeres Ziel | ≤ 135 mmHg | ≤ 85 mmHg |
Mortalität und kardiovaskuläre Ereignisse
Die Auswertung der Studien zeigt laut den Autoren keinen signifikanten Vorteil für die strengere Blutdruckeinstellung:
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Es gibt wahrscheinlich keinen Unterschied in der Gesamtmortalität (RR 1.05, moderate Evidenz).
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Auch bei der kardiovaskulären Mortalität zeigt sich kein relevanter Unterschied (RR 1.03, moderate Evidenz).
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Hinsichtlich der gesamten kardiovaskulären Ereignisse (Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz) wird ebenfalls kein klarer Zusatznutzen beobachtet.
Unerwünschte Ereignisse und Therapieabbruch
Bei den schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen gibt es laut Review kaum Unterschiede zwischen den Gruppen. Allerdings weisen die Daten auf mögliche Nachteile der intensiveren Therapie hin:
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In der Gruppe mit niedrigeren Zielwerten wurden signifikant mehr Medikamente benötigt.
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Es kam deutlich häufiger zu Studienabbrüchen aufgrund von Nebenwirkungen (RR 8.16).
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Die Evidenz für diese Abbrüche wird jedoch als sehr unsicher eingestuft.
Klinische Schlussfolgerung
Die Autoren schlussfolgern, dass die aktuelle Evidenz niedrigere Blutdruckziele (≤ 135/85 mmHg) bei Personen mit etablierter Herz-Kreislauf-Erkrankung nicht stützt. Es ergibt sich aus der intensiveren Senkung kein Netto-Gesundheitsnutzen.
💡Praxis-Tipp
Bei Personen mit kardiovaskulären Vorerkrankungen führt eine aggressive Blutdrucksenkung unter 135/85 mmHg laut aktueller Evidenz nicht zu einer besseren Prognose. Stattdessen wird ein erhöhtes Risiko für therapiebedingte Nebenwirkungen und Behandlungsabbrüche beobachtet. Es wird daher empfohlen, sich an den Standardzielen zu orientieren, um Polypharmazie und unerwünschte Wirkungen zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es keine Evidenz, die einen Zielwert von unter 135/85 mmHg bei etablierten Herz-Kreislauf-Erkrankungen rechtfertigt. Es wird empfohlen, sich an den Standardzielen von 140-160/90-100 mmHg zu orientieren.
Die Meta-Analyse zeigt keinen Unterschied in der Gesamtmortalität oder der kardiovaskulären Sterblichkeit zwischen strengen und moderaten Zielwerten. Ein niedrigerer Zielwert bietet demnach keinen Überlebensvorteil.
Eine intensivere Blutdrucksenkung erfordert meist den Einsatz von mehr Medikamenten. Zudem deuten die Daten darauf hin, dass es deutlich häufiger zu Therapieabbrüchen aufgrund von unerwünschten Nebenwirkungen kommt.
Die vordefinierten Subgruppenanalysen des Reviews zeigten keine Unterschiede in den Ergebnissen für ältere Personen oder Menschen mit Diabetes. Auch in diesen Gruppen ergab sich kein Zusatznutzen durch niedrigere Zielwerte.
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Quelle: Cochrane Review: Blood pressure targets for the treatment of people with hypertension and cardiovascular disease (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.