Ösophagusvarizen-Blutungsprophylaxe: Cochrane Review
Hintergrund
Diese Zusammenfassung basiert auf dem Abstract eines Cochrane Reviews aus dem Jahr 2019. Das Review untersucht die primäre Prävention von oberen gastrointestinalen Blutungen bei Erwachsenen mit Leberzirrhose und Ösophagusvarizen.
Ösophagusvarizen sind erweiterte Venen in der Speiseröhre, die häufig als Folge einer portalen Hypertension bei Leberzirrhose entstehen. Sie bergen ein hohes Risiko für lebensbedrohliche obere gastrointestinale Blutungen.
Zur Verhinderung einer ersten Blutung (Primärprophylaxe) wird häufig die endoskopische Gummibandligatur eingesetzt. Das Review vergleicht den Nutzen und die Risiken dieser Intervention mit einem Verzicht auf eine prophylaktische Behandlung.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der Meta-Analyse von sechs randomisierten klinischen Studien folgende Kernaussagen zur Gummibandligatur im Vergleich zu keiner Intervention:
Klinischer Nutzen
Laut Review reduziert die Gummibandligatur signifikant das Risiko für schwerwiegende Komplikationen bei Personen mit Leberzirrhose und Ösophagusvarizen. Die Evidenz wird als moderat eingestuft.
Es werden folgende positive Effekte der Gummibandligatur im Vergleich zu keiner Intervention beschrieben:
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Reduktion der Gesamtmortalität
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Verringerung von oberen gastrointestinalen Blutungen
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Senkung der spezifischen Varizenblutungen
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Reduktion von schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (Serious Adverse Events)
Vergleich der klinischen Endpunkte
Die Meta-Analyse liefert folgende quantitative Ergebnisse für den Vergleich von Gummibandligatur gegenüber keiner Intervention:
| Klinischer Endpunkt | Relatives Risiko (RR) | Number Needed to Treat (NNTTB) |
|---|---|---|
| Gesamtmortalität | 0,55 | 6 Personen |
| Obere gastrointestinale Blutung | 0,44 | 5 Personen |
| Varizenblutung | 0,43 | 5 Personen |
| Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse | 0,55 | 4 Personen |
Ethische Einordnung
Die Autoren des Reviews schlussfolgern, dass der Nutzen der Gummibandligatur so eindeutig belegt ist, dass weitere randomisierte Studien, die diese Intervention mit dem Verzicht auf eine Behandlung vergleichen, als unethisch einzustufen sind.
Kontraindikationen
Das Review dokumentiert verschiedene nicht-schwerwiegende unerwünschte Ereignisse, die mit der Gummibandligatur assoziiert sind. Dazu gehören:
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Ösophagusulzera
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Dysphagie und Odynophagie
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Retrosternale Schmerzen und Halsschmerzen
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Sodbrennen und Fieber
Es wird darauf hingewiesen, dass die Inzidenz von Nebenwirkungen bei Personen mit kleinen Varizen deutlich höher ausfällt als bei solchen mit großen Varizen. So traten in einer Studie Ulzera bei 30,5 % der Behandelten mit kleinen Varizen auf, verglichen mit 8,7 % bei großen Varizen.
💡Praxis-Tipp
Laut Review ist bei der Indikationsstellung zur Gummibandligatur die Varizengröße zu berücksichtigen. Es wird beschrieben, dass bei kleinen Varizen eine deutlich höhere Rate an Nebenwirkungen wie Ulzera (30,5 % vs. 8,7 %) und Sodbrennen (39,2 % vs. 17,4 %) im Vergleich zu großen Varizen beobachtet wird.
Häufig gestellte Fragen
Ja, laut Cochrane Review reduziert die prophylaktische Gummibandligatur von Ösophagusvarizen die Gesamtmortalität signifikant. Die Number Needed to Treat (NNTTB) zur Verhinderung eines Todesfalls liegt bei 6 Personen.
Das Review beschreibt nicht-schwerwiegende Nebenwirkungen wie Dysphagie, Schmerzen und Fieber. Das Risiko für Ulzera und Sodbrennen ist dabei bei kleinen Varizen deutlich höher als bei großen Varizen.
Der Review kommt zu dem Schluss, dass ein Verzicht auf eine Intervention aufgrund der klaren Vorteile der Gummibandligatur nicht zu rechtfertigen ist. Weitere Studien, die eine Ligatur mit dem Verzicht auf eine Intervention vergleichen, werden als unethisch eingestuft.
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Quelle: Cochrane Review: Band ligation versus no intervention for primary prevention of upper gastrointestinal bleeding in adults with cirrhosis and oesophageal varices (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.