Varizenblutung bei Zirrhose: Cochrane Review
Hintergrund
Patienten mit Leberzirrhose, die bereits eine Varizenblutung erlitten haben, weisen ein hohes Risiko für erneute Blutungsereignisse auf. Zur Prävention dieser Rezidivblutungen kommen sowohl endoskopische Interventionen als auch portosystemische Shunts zum Einsatz.
Bislang besteht kein allgemeiner Konsens darüber, welcher therapeutische Ansatz zu bevorzugen ist. Diese Zusammenfassung basiert auf dem Abstract eines Cochrane Reviews, der die Vor- und Nachteile beider Strategien untersucht.
Verglichen wurden chirurgische Shunts (totaler Shunt [TS], distaler splenorenaler Shunt [DSRS]) und der transjuguläre intrahepatische portosystemische Shunt (TIPS) mit endoskopischen Verfahren wie Sklerotherapie oder Gummibandligatur. Die endoskopischen Verfahren wurden teilweise mit einer medikamentösen Therapie (nicht-selektive Betablocker oder Nitrate) kombiniert.
Empfehlungen
Gesamtmortalität und Rezidivblutungen
Laut dem Cochrane Review ist die Evidenz bezüglich der Gesamtmortalität sehr unsicher. Es lässt sich nicht abschließend klären, ob portosystemische Shunts im Vergleich zur Endoskopie einen Einfluss auf das Gesamtüberleben haben (sehr niedrige Evidenzqualität).
Bezüglich der Blutungskontrolle zeigt die Analyse folgende Tendenzen auf, deren Evidenz jedoch ebenfalls als sehr unsicher eingestuft wird:
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Portosystemische Shunts könnten das Risiko für Rezidivblutungen reduzieren
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Die Mortalität aufgrund von Rezidivblutungen könnte durch Shunts gesenkt werden
Risiko für hepatische Enzephalopathie
Der Review weist darauf hin, dass portosystemische Shunts im Vergleich zu endoskopischen Verfahren mit einem erhöhten Risiko für neurologische Komplikationen einhergehen könnten.
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Das Risiko für eine akute hepatische Enzephalopathie ist möglicherweise erhöht
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Auch das Auftreten einer chronischen hepatischen Enzephalopathie könnte durch Shunts begünstigt werden
Shunt-Dysfunktion und Verschluss
Die Autoren betonen, dass Shunt-Verschlüsse oder Dysfunktionen häufige Komplikationen darstellen. Die Gesamtrate über alle Studien hinweg lag bei 37 Prozent.
| Shunt-Typ | Dysfunktionsrate |
|---|---|
| Totaler Shunt (TS) | 3 % |
| Distaler splenorenaler Shunt (DSRS) | 7 % |
| TIPS (alle) | 47,1 % |
| TIPS (mit PTFE-beschichteten Stents) | 17 % |
💡Praxis-Tipp
Der Review warnt vor der hohen Rate an Shunt-Dysfunktionen, insbesondere bei der Anlage eines TIPS. Es wird hervorgehoben, dass die Verwendung von PTFE-beschichteten Stents beim TIPS die Dysfunktionsrate deutlich von über 47 Prozent auf 17 Prozent senken kann. Bei der Wahl des Verfahrens sollte das potenziell erhöhte Risiko für eine hepatische Enzephalopathie nach einer Shunt-Anlage stets in die klinische Entscheidungsfindung einbezogen werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review ist die Evidenz hierfür sehr unsicher. Es konnte kein eindeutiger Überlebensvorteil für portosystemische Shunts gegenüber endoskopischen Verfahren nachgewiesen werden.
Die Daten deuten darauf hin, dass portosystemische Shunts das Risiko für Rezidivblutungen stärker senken könnten als endoskopische Interventionen. Die Evidenzqualität für diese Aussage wird jedoch als sehr niedrig eingestuft.
Der Review gibt eine allgemeine Dysfunktionsrate von 47,1 Prozent für den TIPS an. Werden jedoch PTFE-beschichtete Stents verwendet, liegt die Rate laut den analysierten Studien deutlich niedriger bei 17 Prozent.
Ja, die Analyse zeigt, dass portosystemische Shunts im Vergleich zur Endoskopie das Risiko für sowohl akute als auch chronische hepatische Enzephalopathien erhöhen können. Auch hier ist die zugrundeliegende Evidenz jedoch sehr unsicher.
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Quelle: Cochrane Review: Portosystemic shunts versus endoscopic intervention with or without medical treatment for prevention of rebleeding in people with cirrhosis (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.