Protokoll: Leitlinien für chronischen primären Schmerz (IASP)
📋Auf einen Blick
- •Das Dokument ist ein Studienprotokoll für einen systematischen Review von Leitlinien (2015-2025) zum chronischen primären Schmerz.
- •Chronischer primärer Schmerz (ICD-11) ist definiert als Schmerz, der >3 Monate besteht und nicht durch andere Erkrankungen besser erklärt wird.
- •Bestehende Leitlinien sollen anhand des patientenzentrierten 'Listen to me, learn from me'-Frameworks bewertet werden.
- •Empfehlungen werden nach Stärke und Richtung klassifiziert (z. B. 'Should do', 'Do not do').
Hintergrund
Bei dem vorliegenden Dokument der International Association for the Study of Pain (IASP) aus dem Jahr 2024 handelt es sich nicht um eine klinische Behandlungsleitlinie, sondern um ein Studienprotokoll. Es beschreibt die Methodik für einen geplanten systematischen Review, der bestehende klinische Leitlinien (Clinical Practice Guidelines, CPGs) zum chronischen primären Schmerz identifizieren und bewerten soll.
Bisherige Leitlinien fokussieren sich oft auf spezifische Erkrankungen oder Körperregionen. Da Patienten in der Praxis jedoch häufig an multiplen Schmerzsyndromen leiden, soll dieser Review Leitlinien untersuchen, die den chronischen primären Schmerz als eigenständige, diagnoseübergreifende Entität behandeln.
Definition: Chronischer primärer Schmerz (ICD-11)
Der chronische primäre Schmerz wird in der ICD-11 als eigenständige Erkrankung anerkannt. Die Diagnosekriterien umfassen:
| Kriterium | Beschreibung |
|---|---|
| Dauer | Schmerzpersistenz von mehr als 3 Monaten |
| Symptomatik | Assoziiert mit signifikantem emotionalen Stress und/oder funktionellen Einschränkungen im Alltag |
| Ausschlusskriterium | Der Schmerz kann nicht besser durch eine andere spezifische Erkrankung (z. B. Tumor, Entzündung) erklärt werden |
Ziele und Methodik des Reviews
Der geplante systematische Review verfolgt zwei Hauptziele:
- Identifikation und Bewertung: Erfassung aller relevanten Leitlinien (Publikationszeitraum 2015–2025) für chronischen primären Schmerz über alle Altersgruppen hinweg. Die methodische Qualität wird mit den Instrumenten AGREE-II und AGREE-REX bewertet.
- Patientenzentrierung: Abgleich der Leitlinieninhalte mit dem etablierten Listen to me, learn from me-Framework. Dieses Framework umfasst 9 Prioritätsdomänen und 44 spezifische Versorgungsprioritäten, die aus der Perspektive von Schmerzpatienten entwickelt wurden.
Klassifikation von Leitlinienempfehlungen
Im Rahmen der Datensynthese werden die extrahierten Empfehlungen der identifizierten Leitlinien nach einem etablierten Schema (adaptiert nach Lin et al.) in vier Kategorien eingeteilt:
| Klassifikation | Bedeutung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Should do | Starke Empfehlung dafür | Sollte in allen Fällen angewendet werden, sofern keine spezifischen Gründe dagegen sprechen. Nutzen überwiegt Risiken eindeutig. |
| Could do | Bedingte Empfehlung dafür | Anwendung abhängig von individuellen Patientenmerkmalen. Basiert oft auf konsistenter Evidenz aus Studien geringerer Qualität. |
| Do not do | Starke Empfehlung dagegen | Sollte nicht angewendet werden. Starke Evidenz für fehlenden Nutzen oder überwiegende Risiken. |
| Uncertain | Keine Empfehlung | Keine Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme aufgrund unvollständiger oder inkonsistenter Studienlage. |
💡Praxis-Tipp
Beachten Sie bei der Diagnosestellung, dass der chronische primäre Schmerz (nach ICD-11) eine eigenständige Diagnose darstellt. Sie greift, wenn der Schmerz länger als 3 Monate besteht und nicht durch eine andere spezifische Pathologie besser erklärt werden kann.