IPK (Intermittierende pneumatische Kompression): AWMF
📋Auf einen Blick
- •Die IPK ist indiziert bei VTE-Prophylaxe, therapieresistentem Ulcus cruris venosum, schwerer CVI, Lymphoedemen und pAVK.
- •Absolute Kontraindikationen umfassen dekompensierte Herzinsuffizienz, akute tiefe Beinvenenthrombose und akutes Erysipel.
- •Es sollen vorrangig Mehrstufengeraete mit individuell angepassten Therapieprotokollen eingesetzt werden.
- •Bei pAVK (Stadium II-IV) kann die IPK bei fehlender Revaskularisierungsoption und nicht durchfuehrbarem Gehtraining angewendet werden.
- •Beim Lymphoedem der Beine werden hoehere Druecke (bis 120 mmHg) und laengere Inflationszeiten empfohlen.
Hintergrund
Die intermittierende pneumatische Kompression (IPK), auch apparative intermittierende Kompression (AIK) genannt, nutzt pneumatische Wechseldruecke zur Thromboembolieprophylaxe, Entstauung bei Oedemerkrankungen sowie zur Durchblutungsfoerderung. Die Leitlinie fasst die Evidenz fuer den ambulanten und stationaeren Einsatz zusammen.
Indikationen
Die IPK ist eine effektive und sichere Therapiemassnahme. Folgende Indikationen werden empfohlen:
- Thromboembolieprophylaxe (VTE): Soll erfolgen, wenn keine medikamentoese Prophylaxe moeglich ist.
- Ulcus cruris venosum: Sollte eingesetzt werden bei fehlender Heilungstendenz trotz konsequenter Kompressionstherapie.
- Schwere chronische venoese Insuffizienz (CVI): Sollte im Stadium C4b bis C6 (CEAP) erfolgen.
- Extremitaetenlymphoedem: Sollte additiv erfolgen bei fehlender Kompensation unter komplexer physikalischer Entstauungstherapie (KPE).
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): Soll geprueft werden bei stabiler Claudicatio intermittens oder kritischer Ischaemie, falls Gehtraining und Revaskularisation nicht moeglich sind.
Kontraindikationen
Vor der Behandlung muessen Kontraindikationen abgeklaert und im Verlauf kontrolliert werden.
| Absolute Kontraindikationen | Relative Kontraindikationen |
|---|---|
| Dekompensierte Herzinsuffizienz | Ausgedehntes, offenes Weichteiltrauma |
| Thrombose, Thrombophlebitis oder Verdacht | Ausgepraegte Neuropathie der Extremitaeten |
| Akutes Erysipel oder Phlegmone | Blasenbildende Dermatosen (z. B. Pemphigoid) |
| Kompartmentsyndrom | |
| Schwere, nicht eingestellte Hypertonie | |
| Okkludierende Prozesse im Lymphabstrombereich |
Geraete und Anwendung
Es sollen vorrangig Mehrstufengeraete eingesetzt werden. Die Therapie kann stationaer, ambulant oder bei langfristiger Indikation als Heimtherapie erfolgen. Eine aerztliche Ueberwachung und Patienteneinweisung sind obligatorisch.
Spezifische Therapieprotokolle
Die Einstellungen muessen an Indikation und Gewebebeschaffenheit angepasst werden:
| Indikation | Zieldruck | Zyklus und Bemerkung |
|---|---|---|
| CVI (ohne Ulcus) | 30-40 mmHg | Inflation 15 s, Deflation 10 s, distal nach proximal |
| Ulcus cruris venosum | 40-50 mmHg | Sequentieller Aufbau, mind. 1 h/Tag, mind. 3x/Woche |
| Beinlymphoedem | bis 120 mmHg | Laengere In-/Deflationszeiten (je ca. 50 s), sequentiell |
| Armlymphoedem | bis 40 mmHg | Laengere In-/Deflationszeiten (je ca. 50 s), sequentiell |
| pAVK | 85-120 mmHg | Kurze Inflationszeit, 3 Zyklen/min, taegliche Anwendung |
Risiken und Komplikationen
Bei korrekter Anwendung treten unerwuenschte Ereignisse extrem selten auf. Moegliche Komplikationen umfassen Hautlaesionen, Nervenschaedigungen (z. B. N. peronaeus), Drucknekrosen oder Genitallymphoedeme. Kommt es beim Lymphoedem zu einer Stauung im Becken- oder Genitalbereich, soll auf eine weitere Durchfuehrung verzichtet werden.
💡Praxis-Tipp
Verwenden Sie unter der Kunststoffmanschette stets einen textilen Hautschutz und polstern Sie bei kachektischen Patienten Praedilektionsstellen ab, um Drucknekrosen und Schaeden des N. peronaeus zu vermeiden.