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Diagnostik und Therapie der Varikose: S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Duplex-Sonographie ist das bildgebende Verfahren der 1. Wahl zur Diagnostik der Varikose.
  • Zur Stadieneinteilung der Erkrankung sollte die klinische CEAP-Klassifikation angewendet werden.
  • Die Kompressionstherapie ist in allen Stadien der Varikose und chronisch venösen Insuffizienz indiziert.
  • Invasive Therapien (operativ, endovenös-thermisch, chemisch) sollen sich am Ursprung des Refluxes orientieren.
  • Nach invasiven Eingriffen am oberflächlichen Venensystem wird eine initiale Kompressionstherapie empfohlen.
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Hintergrund

Die primäre Varikose ist eine degenerative Erkrankung der Venenwand im oberflächlichen Venensystem. Sie ist progredient und kann unbehandelt zu Komplikationen wie chronischen Ödemen, trophischen Hautveränderungen, Ulcus cruris venosum oder oberflächlichen Venenthrombosen führen.

Klassifikation und Diagnostik

Zur Charakterisierung der Varikose sollte die klinische Einteilung nach der CEAP-Klassifikation verwendet werden.

KlasseKlinische Zeichen
C0Keine sichtbaren oder tastbaren Zeichen einer venösen Insuffizienz
C1Besenreiser und / oder retikuläre Varizen
C2Varikose
C3Ödem
C4aPigmentierung, Ekzem
C4bAtrophie blanche, Dermatoliposklerose
C5Abgeheiltes Ulcus cruris venosum
C6Florides Ulcus cruris venosum

Die Anamnese und klinische Untersuchung (am stehenden Patienten) sollen die Grundlage für die weiterführende Diagnostik bilden.

  • Duplex-Sonographie: Soll als Methode der 1. Wahl und als Grundlage für die differenzierte Indikationsstellung vor einer Sanierung eingesetzt werden.
  • PPG/LRR und VVP: Können als Screening oder zur Verlaufskontrolle eingesetzt werden. Eine OP-Indikation soll nicht allein daraus abgeleitet werden.
  • Phlebographie, CT und MRT: Sollen nicht in der primären Diagnostik eingesetzt werden.

Konservative Therapie

Die konservative Therapie kann in jedem Stadium in Betracht gezogen werden.

  • Kompressionstherapie: Kann in allen Stadien eingesetzt werden. Alle Patienten mit venösen Beschwerden (C1s-C6) sollen zur Linderung eine Kompression erhalten. Zur Steigerung der Adhärenz soll der niedrigste medizinisch vertretbare Ruheanpressdruck gewählt werden.
  • Medikamentöse Therapie: Wenn eine Sanierung nicht möglich/gewünscht ist oder Symptome persistieren, kann eine medikamentöse Therapie eingesetzt werden. Diese sollte langfristig angelegt sein.
WirkstoffIndikationBemerkung
Roter Weinlaubextrakt (AS 195)Ödemreduktion, SymptomverbesserungVolle Wirkung erst nach 2-4 Wochen
RosskastanienextraktÖdemreduktionVolle Wirkung erst nach 2-4 Wochen
OxerutinÖdemreduktion, SymptomverbesserungVolle Wirkung erst nach 2-4 Wochen

Invasive Therapie

Das therapeutische Konzept soll sich am Ursprung des Refluxes (proximaler Insuffizienzpunkt) orientieren. Das Gebot der minimalen Invasivität soll berücksichtigt werden.

Kontraindikationen für elektive Operationen

Art der KontraindikationBedingung
AbsolutAkute tiefe Bein-/Beckenvenenthrombose
AbsolutpAVK ab Stadium III nach Fontaine (außer Spezialindikationen)
AbsolutBekannte Schwangerschaft
AbsolutMoribunder Patient (ASA 5)
RelativpAVK Stadium IIb nach Fontaine
RelativGravierende Hämostasestörung
RelativSchweres Lymphödem
RelativSehr schwere Allgemeinerkrankung (ab ASA 4)

Operative und endovenöse Verfahren

Je nach Indikation sollen venenentfernende Techniken (z. B. Crossektomie, Stripping, Phlebektomie) oder venenerhaltende Konzepte (z. B. CHIVA, extraluminale Valvuloplastie) eingesetzt werden.

  • Crossektomie: Zur Vermeidung von Rezidiven aus der Leistenregion soll eine technisch einwandfreie Crossektomie durchgeführt werden.
  • Stripping: Die Durchführung von proximal nach distal kann vorteilhaft sein, da hierbei weniger sensible Nervenläsionen beobachtet wurden.
  • Tumeszenz-Lokalanästhesie (TLA): Bei der Verwendung findet ein Off-Label-Use statt, worüber der Patient zwingend aufgeklärt werden soll.
  • Endovenöse/Chemische Verfahren: Neben der offenen Chirurgie stehen endovenös thermische Ablationsverfahren (Laser, Radiofrequenz, Heißdampf) sowie chemische Verfahren (Flüssig- und Schaumsklerosierung, Cyanoacrylatkleber) zur Verfügung.

Postinterventionelle Nachbehandlung

Nach operativen oder endovenös-thermischen Eingriffen sollte eine initiale postoperative Kompressionstherapie durchgeführt werden. Art und Dauer können individuell festgelegt werden. Eine Langzeitkompression zur reinen Verbesserung des klinischen Ansprechens nach invasiven Therapien wird nicht empfohlen, es sei denn, es persistieren Restsymptome der chronischen venösen Insuffizienz.

💡Praxis-Tipp

Klären Sie Patienten bei der Anwendung der Tumeszenz-Lokalanästhesie (TLA) zwingend über den Off-Label-Use auf. Weisen Sie bei der Verordnung pflanzlicher Venenmedikamente darauf hin, dass die volle Wirkung erst nach 2-4 Wochen eintritt.

Häufig gestellte Fragen

Die Duplex-Sonographie ist die Methode der 1. Wahl. Phlebographie, CT oder MRT sollen primär nicht eingesetzt werden.
Bei akuter tiefer Bein-/Beckenvenenthrombose, pAVK ab Stadium III, Schwangerschaft und bei moribunden Patienten (ASA 5).
Eine initiale postoperative Kompressionstherapie wird empfohlen, die genaue Dauer kann jedoch individuell festgelegt werden. Eine pauschale Langzeitkompression wird nicht empfohlen.
Roter Weinlaubextrakt, Rosskastanienextrakt und Oxerutin können zur Ödemreduktion und Symptomlinderung eingesetzt werden, wenn eine Sanierung nicht möglich ist.

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