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Intermittierender Katheterismus: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Blasenfüllung soll bei Erwachsenen 500 ml pro Katheterisierung nicht überschreiten.
  • Zur Langzeitanwendung bei neurogener Dysfunktion sollen beschichtete Einmalkatheter gewählt werden.
  • Asymptomatische Bakteriurien sollen bei IK-Patienten nicht antibiotisch behandelt werden.
  • Die hygienische Händedesinfektion und die Desinfektion des Meatus urethrae sind beim aseptischen IK obligatorisch.
  • Bei einer autonomen Dysreflexie muss primär die Blase sofort entleert werden.
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Hintergrund

Der Intermittierende Katheterismus (IK) ist die Methode der Wahl zur Blasenentleerung bei neurogener Dysfunktion des unteren Harntraktes (NLUTD). Die Indikation wird durch einen Arzt basierend auf der neuro-urologischen Diagnostik gestellt.

Indikationen für den IK:

  • Detrusorunteraktivität bzw. Detrusorakontraktilität
  • Etabliertes Niederdruckreservoir bei Detrusorhyperaktivität (z. B. nach Augmentation oder Botulinumtoxin)
  • Chronische Harnretention
  • Unphysiologische Entleerung (z. B. Pressmiktion)
  • Entleerung über ein kontinentes Urostoma

Man unterscheidet den sterilen, aseptischen und hygienischen Katheterismus. Für den Langzeitgebrauch im klinischen, pflegerischen und häuslichen Umfeld wird der aseptische Katheterismus empfohlen.

Material und Katheterwahl

Die Auswahl des Materials erfolgt individuell in Abstimmung mit dem Neuro-Urologen und erfahrenen Pflegefachpersonen. Der Standarddurchmesser für Erwachsene beträgt Charr. 12-14. Zur Langzeitanwendung bei Patienten mit NLUTD sollen beschichtete Einmalkatheter gewählt werden.

KatheterspitzeFormIndikation / Besonderheit
NelatonGerade, abgerundetProblemloser IK
ErgothanFlexibel, konisch verjüngtSpastischer Beckenboden, Passagestörung
KugelkopfFlexible KugelkopfspitzeSpastischer Beckenboden, Passagestörung
TiemannLeicht gebogenUrethrale Passagestörung, Prostata-Obstruktion

Durchführung und Desinfektion

Die hygienische Händedesinfektion und die Desinfektion des Meatus urethrae sollen im Rahmen des aseptischen IK erfolgen. Als Methode sollte die Sprüh-Wischdesinfektion angewendet werden.

DesinfektionsmittelEinwirkzeitBemerkung
Octenisept®1-2 minMittel der 1. Wahl, zeitlich unbegrenzt nutzbar
PVP-Iod-Lösung1 minBei Octenisept-Unverträglichkeit. Nicht bei Schilddrüsenerkrankungen oder Schwangerschaft
Skinsept® Mucosa1 minNur als Wischdesinfektion, bei Unverträglichkeit der ersten beiden
Prontoderm C® / Decontaman®1 minDesinfizierende Reinigungsmittel als Alternative

Frequenz und Volumen:

  • Die Blasenfüllung soll bei Erwachsenen 500 ml pro Katheterisierung nicht überschreiten.
  • Die tägliche Ausscheidungsmenge liegt idealerweise zwischen 1500 ml und 2000 ml.
  • Bei Urinmengen <100 ml oder >500 ml sollte das Entleerungsregime überprüft werden.
  • Eine Limitierung des Materials aus ökonomischen Gründen soll nicht erfolgen.

Komplikationsmanagement

Autonome Dysreflexie

Eine Überdehnung der Harnblase oder Manipulation am Harntrakt kann eine Autonome Dysreflexie (Blutdruckanstieg, klopfende Kopfschmerzen, Schwitzen) auslösen. Bei Auftreten soll primär die Ursache beseitigt werden (Blase sofort entleeren), gefolgt von Blutdruckkontrollen.

Harnwegsinfektionen (HWI)

Jeder HWI bei NLUTD gilt als kompliziert. Es ist essenziell, zwischen einer asymptomatischen Bakteriurie und einem symptomatischen HWI zu unterscheiden.

  • Symptomatischer HWI: Soll nach Anlage einer Urinkultur resistenzgerecht und ausreichend lange (mind. 7 Tage) antibiotisch behandelt werden.
  • Asymptomatische Bakteriurie: Soll nicht antibiotisch behandelt werden (Ausnahme: vor geplanter invasiver Diagnostik/Therapie).
  • Prävention: Hydrophile und gel-beschichtete Einmalkatheter sollten bevorzugt werden, da sie die HWI-Rate senken können. Eine ausreichende Diurese (ca. 1,5 l/Tag) und die Vermeidung von Blasenüberdehnungen (>500 ml) sind essenziell.

💡Praxis-Tipp

Verwenden Sie bei rezidivierenden Harnwegsinfekten bevorzugt hydrophile oder gel-beschichtete Einmalkatheter und behandeln Sie eine asymptomatische Bakteriurie bei IK-Patienten niemals antibiotisch.

Häufig gestellte Fragen

Der Standarddurchmesser für Erwachsene beträgt Charr. 12-14. Bei Veränderungen der Harnröhre können andere Größen erforderlich sein.
Die Blasenfüllung soll bei Erwachsenen 500 ml pro Katheterisierung nicht überschreiten. Bei regelmäßig höheren Mengen muss die Frequenz angepasst werden.
Bei einer urethralen Passagestörung oder Prostata-Obstruktion wird eine Tiemann-Spitze oder eine Kugelkopf-Spitze empfohlen.
Nur bei einem symptomatischen Harnwegsinfekt. Eine asymptomatische Bakteriurie soll nicht antibiotisch behandelt werden.
Octenidin (z. B. Octenisept®) ist das Mittel der ersten Wahl und kann bei guter Hautverträglichkeit zeitlich unbegrenzt eingesetzt werden.

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