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Supravalvuläre Aortenstenose: Leitlinie (DGPK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die supravalvuläre Aortenstenose ist oft Manifestation einer generalisierten Elastin-Arteriopathie, typischerweise beim Williams-Beuren-Syndrom.
  • Bei Sedierungen und Narkosen besteht ein stark erhöhtes Risiko für kardiale Dekompensation und plötzlichen Herztod.
  • Eine OP-Indikation besteht bei klinischer Symptomatik oder asymptomatisch ab einem mittleren Gradienten von > 50 mmHg.
  • Aufgrund möglicher Restenosen (Re-Operationsrate 7-20 %) ist eine lebenslange kardiologische Nachsorge zwingend erforderlich.
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Hintergrund

Die supravalvuläre Aortenstenose ist eine Einengung der Aorta ascendens oberhalb der Aortenklappe. Sie ist mit einer Inzidenz von ca. 1:20.000 Lebendgeborenen die seltenste Form der linksventrikulären Ausflusstraktobstruktionen.

Meist ist sie die Hauptmanifestation einer generalisierten Systemerkrankung aufgrund eines Elastinmangels (Elastin-Arteriopathie). In 45-75 % der Fälle tritt sie im Rahmen des Williams-Beuren-Syndroms (WBS) auf (Mikrodeletion auf Chromosom 7). Seltener kommt sie als familiäre autosomal-dominante oder sporadische Form vor.

Klinische Befunde und Risiken

Typisch ist ein lautes systolisches Herzgeräusch (Punctum maximum 2. ICR rechts parasternal) mit Fortleitung in die Karotiden. Im Gegensatz zur valvulären Aortenstenose fehlt der frühsystolische Klick.

Achtung: Bei sedierungs- oder narkosepflichtigen Eingriffen besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Herztod! Besondere Risikofaktoren hierfür sind:

  • Alter < 3 Jahre
  • Biventrikuläre Ausflusstraktobstruktionen
  • Begleitende Koronarstenosen
  • Mittlerer Gradient > 40 mmHg mit deutlicher Myokardhypertrophie
  • QTc-Verlängerung (> 500 msec)

Diagnostik

Die Echokardiographie ist das diagnostische Primärverfahren zur Beurteilung von Lage, Form, Gradienten und Begleitläsionen. Weitere Diagnostik umfasst:

  • EKG: Zwingend vor Narkosen (Ausschluss QTc-Verlängerung, Hypertrophiezeichen).
  • MRT/CT-Angiographie: Zur Darstellung der gesamten Aorta und Gefäßabgänge.
  • Herzkatheter: Nur bei strenger Indikation aufgrund des hohen Prozedurrisikos.

Therapie und OP-Indikationen

Die Therapie der Wahl ist die chirurgische Resektion mit plastischer Erweiterung. Medikamentöse oder interventionelle Therapien sind für die Stenose selbst in der Regel nicht indiziert.

PatientenstatusOP-Indikation
SymptomatischBei Angina pectoris, Dyspnoe, Synkopen, progredienter Hypertrophie oder EKG-Veränderungen
AsymptomatischMax. Echo-Gradient > 70 mmHg oder mittlerer Echo-Gradient > 50 mmHg oder invasiver Gradient > 50 mmHg

Chirurgische Techniken

TechnikBeschreibung
McGoon (Single-Patch)Erweiterung des non-koronaren Sinus (einfach, aber asymmetrisch)
Doty (Y-Patch)Erweiterung des non- und rechtskoronaren Sinus
Brom (3-Patch)Erweiterung aller drei Sinus (effektiv, symmetrisch, technisch aufwendig)
Myers (Non-Patch)Inzision aller Sinus ohne Flicken (autologous slide aortoplasty)

Langzeitverlauf und Schwangerschaft

Eine lebenslange kardiologische Nachsorge ist erforderlich, da Re-Operationen in 7-20 % der Fälle notwendig werden.

  • Sport: Bei geringer bis moderater Stenose ohne Symptome/Hypertrophie ist Sport erlaubt. Ab einem max. Gradienten von 50 mmHg wird Leistungssport nicht empfohlen.
  • Schwangerschaft: Wird bei einem mittleren Gradienten < 40 mmHg meist gut toleriert.
Gradient / KlinikSchwangerschaftsrisikoEmpfehlung
Mittlerer Gradient < 40 mmHgGering bis moderatGut toleriert, interdisziplinäre Betreuung
Mittlerer Gradient > 40 mmHgHochEngmaschige Betreuung, Geburt per Sectio
Symptomatisch oder LV-DysfunktionSehr hochVon Schwangerschaft wird abgeraten

💡Praxis-Tipp

Stellen Sie bei Patienten mit supravalvulärer Aortenstenose eine extrem strenge Indikation für Sedierungen und Narkosen, da ein signifikant erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Herztod besteht. Ein aktuelles 12-Kanal-EKG ist vorab zwingend erforderlich.

Häufig gestellte Fragen

Sie ist meist Ausdruck einer generalisierten Elastin-Arteriopathie und tritt in 45-75 % der Fälle im Rahmen des Williams-Beuren-Syndroms auf.
Ein lautes systolisches Herzgeräusch mit Punctum maximum im 2. ICR rechts parasternal und Fortleitung in die Karotiden, typischerweise ohne frühsystolischen Klick.
Eine OP-Indikation besteht bei einem maximalen echokardiographischen Gradienten > 70 mmHg, einem mittleren Gradienten > 50 mmHg oder einem invasiv gemessenen Gradienten > 50 mmHg.
Bei geringer bis moderater Stenose ohne Symptome ist Sport erlaubt. Ab einem maximalen Dopplergradienten von 50 mmHg wird von Leistungs- und Wettkampfsport abgeraten.

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