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Aortenisthmusstenose (CoA): Leitlinie (DGPK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die kritische Aortenisthmusstenose des Neugeborenen ist duktusabhängig und ein lebensbedrohlicher Notfall, der initial mit Prostaglandin behandelt wird.
  • Richtungsweisend für die Diagnose ist die Blutdruckmessung an allen vier Extremitäten zum Nachweis eines Gradienten.
  • Eine Therapieindikation besteht bei einem systolischen Blutdruckgradienten ≥ 20 mmHg oder bei morphologisch bedeutsamer Stenose mit Hypertonus.
  • Häufige Begleitfehlbildungen sind die bikuspide Aortenklappe (45-85 %) und das Turner-Syndrom (ca. 30 %).
  • Eine lebenslange kardiologische Nachsorge (EMAH) ist essenziell, da ein hohes Risiko für arterielle Hypertonie und Aortenaneurysmen besteht.
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Hintergrund

Die Aortenisthmusstenose (Coarctation, ISTA, CoA) ist eine angeborene Einengung der Aorta am Übergang des distalen Aortenbogens in die Aorta descendens. Sie macht etwa 3-5 % aller angeborenen Herzfehler aus. Jungen sind doppelt so häufig betroffen wie Mädchen.

Pathophysiologie und Klinik

Klinisch wird zwischen der kritischen Form im Neugeborenenalter und der nicht-kritischen Form unterschieden:

FormPathophysiologieSymptomatik
Kritische CoA (Neugeborene)Durchblutung der unteren Körperhälfte ist abhängig vom offenen Ductus arteriosus (PDA).Nach Ductusverschluss: Schock, Herzinsuffizienz, fehlende Femoralispulse, Differenzialzyanose, Nieren-/Leberversagen.
Nicht-kritische CoAChronische Druckbelastung des linken Ventrikels, Ausbildung von Kollateralkreisläufen.Spätsystolisches Geräusch, Hypertonus der oberen Körperhälfte, Kopfschmerzen, Nasenbluten, Claudicatio.

Assoziierte Fehlbildungen und Syndrome

Eine CoA tritt sehr häufig in Kombination mit anderen kardiovaskulären Anomalien oder genetischen Syndromen auf:

  • Bikuspide Aortenklappe (45-85 %)
  • Aortenbogenhypoplasie (37 %)
  • Ventrikelseptumdefekt (VSD, >30 %)
  • Turner-Syndrom (ca. 30 % der Patientinnen mit Turner-Syndrom weisen eine CoA auf)
  • Zerebrale Aneurysmen (10 %)

Diagnostik

Die richtungsweisende Basisuntersuchung ist die Blutdruckmessung an allen vier Extremitäten zur Erfassung des Gradienten zwischen oberer und unterer Körperhälfte.

  • Pulsoxymetrie: Erfassung einer Differenzialzyanose (präduktal vs. postduktal) bei Neugeborenen.
  • Echokardiographie: Primäres Nachweisverfahren zur Beurteilung von Lokalisation, Gradient, linksventrikulärer Funktion und Begleitfehlern.
  • 24-h-Blutdruckmessung & Ergometrie: Zur Bewertung des Blutdruckverhaltens (Messung zwingend am rechten Arm, da die linke A. subclavia stenotisch sein kann).
  • MRT/CT: Bei unzureichender echokardiographischer Darstellbarkeit, bei älteren Kindern/Erwachsenen und zur detaillierten Therapieplanung.

Therapieindikationen

Eine operative oder interventionelle Beseitigung der Stenose ist indiziert bei:

  • Kritischer CoA (immer)
  • Systolischem Blutdruckgradienten ≥ 20 mmHg (Arm-Bein-Gradient oder mittlerer Doppler-Gradient)
  • Systolischem Blutdruckgradienten < 20 mmHg, wenn gleichzeitig ein arterieller Hypertonus und eine morphologisch bedeutsame Stenose (Ratio Stenose/Zwerchfellaorta < 0,8) vorliegen.

Therapiestrategien

Altersgruppe / SituationPrimäre TherapieBemerkung
Neugeborene (kritisch)Prostaglandin E1 (medikamentös)Sichert die Perfusion der unteren Körperhälfte bis zur Intervention.
Neugeborene & KleinkinderOperation (Resektion + End-zu-End-Anastomose)Ballondilatation ist wegen hoher Restenoserate keine Standardtherapie.
Ältere Kinder & JugendlicheKatheterintervention (Stent) oder OperationStents können dem Körperwachstum entsprechend nachdilatiert werden.
ErwachseneOperation (Bypass/Interponat) oder InterventionAbhängig von Anatomie und Voroperationen.

Nachsorge und Verlauf

Patienten mit CoA benötigen eine lebenslange Betreuung (EMAH), da ein erhöhtes Risiko für arterielle Hypertonie, Aortenaneurysmen, Dissektionen und vorzeitige Arteriosklerose besteht.

IntervallUntersuchung
JährlichKlinische Untersuchung, RR-Messung an 4 Extremitäten, 24h-RR, Echokardiographie
Alle 3-5 JahreBelastungsuntersuchung
Alle 5-10 JahreMRT/CT (besonders wenn Echo nicht ausreichend aussagekräftig ist)

Sportliche Belastbarkeit

Eine uneingeschränkte Belastbarkeit (Ausdauersport empfohlen, statische Belastung hoher Intensität meiden) besteht bei:

  • Gradient < 20 mmHg
  • Kein Belastungshypertonus (RR < 95. Perzentile)
  • Keine Erweiterung der Aorta ascendens (< 3 SD)
  • Kein Aneurysma im Isthmus-Bereich

Schwangerschaft

Vor einer Schwangerschaft sollte ein ausführliches Risikoprofil erstellt werden. Bei einer Erweiterung der Aorta ascendens (> 3 SD) oder einer hochgradigen Isthmusstenose sollte eine elektive Sectio erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Messen Sie bei Verdacht auf eine Aortenisthmusstenose oder bei unklarem Hypertonus im Kindes-/Jugendalter immer den Blutdruck an allen vier Extremitäten. Schließen Sie bei Mädchen mit einer CoA stets ein Turner-Syndrom aus.

Häufig gestellte Fragen

Eine Therapie ist immer bei der kritischen Neugeborenen-CoA indiziert, sowie bei einem systolischen Blutdruckgradienten ≥ 20 mmHg oder bei einem Gradienten < 20 mmHg mit gleichzeitigem Hypertonus und morphologisch relevanter Stenose.
Sehr häufig finden sich eine bikuspide Aortenklappe (45-85 %), eine Aortenbogenhypoplasie (37 %) sowie Ventrikelseptumdefekte. Auch das Turner-Syndrom ist stark assoziiert.
Ja, bei einem Restgradienten < 20 mmHg, fehlendem Belastungshypertonus und normal weiter Aorta ist Ausdauersport uneingeschränkt möglich. Hohe statische Belastungen sollten jedoch vermieden werden.
Die initiale Therapie besteht in der Gabe von Prostaglandin E1, um den Ductus arteriosus offenzuhalten und die Durchblutung der unteren Körperhälfte bis zur Operation zu sichern.
Auch nach erfolgreicher Korrektur besteht ein hohes Risiko für die Entwicklung einer arteriellen Hypertonie, von Aortenaneurysmen, Dissektionen und Restenosen.

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