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Valvuläre Pulmonalstenose: Leitlinie (AWMF/DGPK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Ballonvalvuloplastie ist die Therapie der Wahl bei der isolierten valvulären Pulmonalstenose ohne Klappendysplasie.
  • Bei asymptomatischen Patienten besteht ab einem systolischen Dopplergradienten von >60 mmHg eine Behandlungsindikation.
  • Die kritische Pulmonalstenose des Neugeborenen erfordert unabhängig vom Druckgradienten immer eine Ballondilatation sowie eine Prostaglandinbehandlung.
  • Eine Endokarditisprophylaxe ist bei der isolierten Pulmonalstenose nicht erforderlich.
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Hintergrund

Die isolierte Pulmonalklappenstenose macht etwa 6 % aller angeborenen Herzfehler aus. Sie kann isoliert oder in Assoziation mit genetischen Syndromen (insbesondere Noonan-Syndrom, Williams-Beuren- oder Alagille-Syndrom) auftreten. Hämodynamisch führt die Ausflussobstruktion zu einer Druckbelastung und kompensatorischen Hypertrophie des rechten Ventrikels (RV). Bei schwerer Ausprägung kann dies zu myokardialem Versagen führen.

Klassifikation

Man unterscheidet morphologisch und klinisch drei Hauptformen der Pulmonalstenose:

FormMorphologieBesonderheiten
ValvulärVerschmelzung der Kommissuren, normal weiter KlappenringHäufigste Form, poststenotische Dilatation der A. pulmonalis
DysplastischVerdicktes myxomatöses Gewebe, hypoplastischer RingSpricht oft schlecht auf interventionelle Therapie an
KritischHochgradige Stenose beim NeugeborenenDuktusabhängige Lungendurchblutung, lebensbedrohliche Hypoxämie

Diagnostik und Schweregrade

Die Echokardiographie ist die primäre Nachweisdiagnostik. Sie dient der Beurteilung von Klappenmorphologie, rechtsventrikulärer Funktion und der Bestimmung des Druckgradienten.

Echokardiographische Einteilung des Schweregrades:

SchweregradMax. systolischer DopplergradientBehandlungskonsequenz
Geringgradig< 40 mmHgKeine Behandlungsindikation
Mittelgradig40 - 60 mmHgBehandlung kann erfolgen
Hochgradig> 60 mmHgBehandlung sollte erfolgen

Therapie

Die kausale Therapie besteht in der Beseitigung der Stenose. Die Wahl der Methode hängt von der Morphologie und dem Alter ab:

  • Medikamentös: Bei der kritischen Stenose des Neugeborenen muss sofort eine i.v. Prostaglandinbehandlung zur Offenhaltung des Ductus arteriosus eingeleitet werden.
  • Interventionell: Die Katheterintervention (Ballonvalvuloplastie) ist die Methode der Wahl bei isolierter valvulärer Stenose. Die empfohlene Ballongröße beträgt ca. 130 % (120–150 %) des Klappenringdurchmessers.
  • Chirurgisch: Indiziert bei Versagen der Intervention oder bei dysplastischen Klappen. Primäre Maßnahme ist die offene Kommissurotomie unter Einsatz der extrakorporalen Zirkulation.

Nachsorge und Lebensführung

Nach einer Behandlung sind regelmäßige kardiologische Kontrollen (EKG, Echokardiographie) erforderlich, da Restenosen (5-10 %) oder Klappeninsuffizienzen (10-40 %) auftreten können.

  • Endokarditisprophylaxe: Ist nicht erforderlich.
  • Sport: Asymptomatische Patienten mit einem Gradienten < 40 mmHg sind uneingeschränkt belastbar (Wettkampfsport möglich). Bei > 40 mmHg wird von Wettkampfsport abgeraten.
  • Schwangerschaft: Bei einem Gradienten < 40 mmHg besteht kein erhöhtes mütterliches Risiko; eine vaginale Entbindung wird angestrebt. Bei > 40 mmHg sollte eine Intervention vor der Realisierung eines Kinderwunsches erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Bei Neugeborenen mit kritischer Pulmonalstenose wird die Schwere der Stenose bei noch bestehender pulmonaler Hypertonie im Echokardiogramm oft unterschätzt. Zögern Sie nicht mit der Einleitung einer Prostaglandintherapie.

Häufig gestellte Fragen

Bei asymptomatischen Patienten sollte ab einem systolischen Dopplergradienten von > 60 mmHg behandelt werden. Bei 40-60 mmHg kann eine Behandlung erfolgen. Kritische Stenosen beim Neugeborenen müssen immer behandelt werden.
Nein, laut Leitlinie ist eine Endokarditisprophylaxe bei der isolierten Pulmonalstenose nicht erforderlich.
Die gewählte Ballongröße sollte sich am Klappenringdurchmesser orientieren und idealerweise ca. 130 % (120 bis 150 %) betragen.
Asymptomatische Patienten mit einem Gradienten unter 40 mmHg dürfen uneingeschränkt Sport treiben (inkl. Wettkampfsport). Bei einem Gradienten über 40 mmHg wird von kompetitivem Sport abgeraten.

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