Somatostatinrezeptor-PET/CT: S1-Leitlinie (AWMF/DGN)
📋Auf einen Blick
- •Die SSTR-PET/CT nutzt primär die Radioliganden 68Ga-DOTATOC und 68Ga-DOTATATE zur Darstellung SSTR2-exprimierender Tumore.
- •Therapeutische, nicht-radioaktive Somatostatinanaloga sollten vor der Untersuchung pausiert werden (Depotpräparate 4 Wochen, kurzwirksame 24 Stunden).
- •Die empfohlene applizierte Aktivität liegt bei 100-200 MBq, die optimale Uptakezeit bei 60 Minuten (Spanne 45-75 Minuten).
- •Die Befundung erfolgt visuell und quantitativ (SUVmax, SUVmean) im Vergleich zu Referenzgeweben wie Leber oder Milz.
- •Entzündungen und benigne Neoplasien können zu falsch-positiven Befunden führen, während kleine Läsionen oder Rezeptorblockaden falsch-negative Ergebnisse bedingen.
Hintergrund
Die Somatostatinrezeptor-PET/CT (SSTR-PET/CT) ist ein multimodales bildgebendes Verfahren zur Lokalisation und quantitativen Darstellung von Somatostatinrezeptoren (SSTR) bei onkologischen Patienten. Sie kombiniert die molekulare Bildgebung (PET) mit der morphologischen Darstellung (CT) und erfordert eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Radioliganden und Rezeptoraffinität
Die am häufigsten verwendeten Radioliganden in Deutschland sind 68Ga-DOTATOC und 68Ga-DOTATATE. Beide sind SSTR-Agonisten und binden in vivo dominant an den Subtyp 2 (SSTR2).
| Radioligand | SSTR2-Affinität | SSTR5-Affinität | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| 68Ga-DOTATOC | Hoch | Moderat | Ähnliches Bindungsverhalten in vivo wie DOTATATE |
| 68Ga-DOTATATE | Sehr hoch (~10x höher) | Keine relevante Affinität | Jüngere Modifikation von DOTATOC |
Voraussetzung für die Diagnostik ist eine signifikante Expression des SSTR2-Subtyps im Tumorgewebe (z. B. bei gastroenteropankreatischen neuroendokrinen Tumoren, Meningeomen, Schilddrüsenkarzinomen).
Indikationen
Die SSTR-PET/CT wird in verschiedenen Phasen des onkologischen Managements eingesetzt:
- Primärdiagnostik und Staging: Lokalisation von Tumoren, Suche nach einem unbekannten Primärtumor (CUP-Syndrom) mit vermuteter SSTR-Expression, Auswahl einer geeigneten Biopsiestelle.
- Therapieplanung: Nachweis der SSTR-Expression vor einer Peptid-Rezeptor-Radionuklid-Therapie (PRRT) oder vor Behandlung mit nicht-radioaktiven Somatostatinanaloga, Operationsplanung.
- Verlaufskontrolle: Beurteilung von residuellem Tumorgewebe, Rezidivdiagnostik, Differenzierung zwischen Tumor und Narbengewebe.
Patientenvorbereitung und Durchführung
Patienten müssen für die Untersuchung nicht nüchtern sein, da der Blutzuckerspiegel die Rezeptorbindung nicht beeinflusst. Eine ausreichende Hydrierung wird empfohlen.
| Maßnahme | Empfehlung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Medikationspause | Depot-Präparate: 4 Wochen | Nicht-radioaktive Somatostatinanaloga pausieren, falls medizinisch vertretbar |
| Medikationspause | Kurzwirksame: 24 Stunden | Bei Nicht-Pausieren: Genaue Dokumentation zwingend erforderlich |
| Aktivität | 100–200 MBq | Intravenöse Gabe (min. 80 MBq bei normalgewichtigen Erwachsenen) |
| Uptakezeit | 60 Minuten | Spanne 45–75 Minuten nach Injektion |
Befundung und Auswertung
Die Auswertung erfolgt visuell und semiquantitativ. Der maximale Standardized Uptake Value (SUVmax) und der mittlere SUV (SUVmean) sind etablierte Parameter zur Quantifizierung der Traceraufnahme.
Zur visuellen Bewertung und Quotientenbildung (SUVR) wird die Traceraufnahme der Läsion mit Referenzgeweben verglichen:
- Leberparenchym
- Milz
- Skelettmuskulatur (rezeptorarm)
- Blutpool
Fehlerquellen und Fallstricke
Die genaue Kenntnis der physiologischen Traceraufnahme ist essenziell, um Fehlinterpretationen zu vermeiden.
| Ursache | Effekt | Beispiele |
|---|---|---|
| Entzündungen | Falsch-positiv | Pneumonie, Thyreoiditis, Gastritis, Lymphadenitis, Narbengewebe |
| Benigne Neoplasien | Falsch-positiv | Meningeom, Schilddrüsenadenom, Knotenstruma |
| Physiologische Aufnahme | Falsch-positiv / Falsch-negativ | Milz/Nebenmilz, Processus uncinatus des Pankreas (kann Tumore maskieren) |
| Kleine Läsionen | Falsch-negativ | Unterschätzung des SUV durch Partialvolumeneffekt (z. B. kleine Lymphknoten) |
| Medikation | Falsch-negativ | Laufende Therapie mit Somatostatinanaloga blockiert Rezeptoren |
💡Praxis-Tipp
Pausieren Sie nicht-radioaktive Somatostatinanaloga vor der PET/CT (Depotpräparate 4 Wochen, kurzwirksame 24h). Ist dies klinisch nicht möglich, dokumentieren Sie den Zeitpunkt der letzten Gabe exakt, da die Rezeptorblockade zu falsch-negativen Befunden führen kann.