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Somatostatinrezeptor-PET/CT: S1-Leitlinie (AWMF/DGN)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die SSTR-PET/CT nutzt primär die Radioliganden 68Ga-DOTATOC und 68Ga-DOTATATE zur Darstellung SSTR2-exprimierender Tumore.
  • Therapeutische, nicht-radioaktive Somatostatinanaloga sollten vor der Untersuchung pausiert werden (Depotpräparate 4 Wochen, kurzwirksame 24 Stunden).
  • Die empfohlene applizierte Aktivität liegt bei 100-200 MBq, die optimale Uptakezeit bei 60 Minuten (Spanne 45-75 Minuten).
  • Die Befundung erfolgt visuell und quantitativ (SUVmax, SUVmean) im Vergleich zu Referenzgeweben wie Leber oder Milz.
  • Entzündungen und benigne Neoplasien können zu falsch-positiven Befunden führen, während kleine Läsionen oder Rezeptorblockaden falsch-negative Ergebnisse bedingen.
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Hintergrund

Die Somatostatinrezeptor-PET/CT (SSTR-PET/CT) ist ein multimodales bildgebendes Verfahren zur Lokalisation und quantitativen Darstellung von Somatostatinrezeptoren (SSTR) bei onkologischen Patienten. Sie kombiniert die molekulare Bildgebung (PET) mit der morphologischen Darstellung (CT) und erfordert eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Radioliganden und Rezeptoraffinität

Die am häufigsten verwendeten Radioliganden in Deutschland sind 68Ga-DOTATOC und 68Ga-DOTATATE. Beide sind SSTR-Agonisten und binden in vivo dominant an den Subtyp 2 (SSTR2).

RadioligandSSTR2-AffinitätSSTR5-AffinitätBemerkung
68Ga-DOTATOCHochModeratÄhnliches Bindungsverhalten in vivo wie DOTATATE
68Ga-DOTATATESehr hoch (~10x höher)Keine relevante AffinitätJüngere Modifikation von DOTATOC

Voraussetzung für die Diagnostik ist eine signifikante Expression des SSTR2-Subtyps im Tumorgewebe (z. B. bei gastroenteropankreatischen neuroendokrinen Tumoren, Meningeomen, Schilddrüsenkarzinomen).

Indikationen

Die SSTR-PET/CT wird in verschiedenen Phasen des onkologischen Managements eingesetzt:

  • Primärdiagnostik und Staging: Lokalisation von Tumoren, Suche nach einem unbekannten Primärtumor (CUP-Syndrom) mit vermuteter SSTR-Expression, Auswahl einer geeigneten Biopsiestelle.
  • Therapieplanung: Nachweis der SSTR-Expression vor einer Peptid-Rezeptor-Radionuklid-Therapie (PRRT) oder vor Behandlung mit nicht-radioaktiven Somatostatinanaloga, Operationsplanung.
  • Verlaufskontrolle: Beurteilung von residuellem Tumorgewebe, Rezidivdiagnostik, Differenzierung zwischen Tumor und Narbengewebe.

Patientenvorbereitung und Durchführung

Patienten müssen für die Untersuchung nicht nüchtern sein, da der Blutzuckerspiegel die Rezeptorbindung nicht beeinflusst. Eine ausreichende Hydrierung wird empfohlen.

MaßnahmeEmpfehlungBemerkung
MedikationspauseDepot-Präparate: 4 WochenNicht-radioaktive Somatostatinanaloga pausieren, falls medizinisch vertretbar
MedikationspauseKurzwirksame: 24 StundenBei Nicht-Pausieren: Genaue Dokumentation zwingend erforderlich
Aktivität100–200 MBqIntravenöse Gabe (min. 80 MBq bei normalgewichtigen Erwachsenen)
Uptakezeit60 MinutenSpanne 45–75 Minuten nach Injektion

Befundung und Auswertung

Die Auswertung erfolgt visuell und semiquantitativ. Der maximale Standardized Uptake Value (SUVmax) und der mittlere SUV (SUVmean) sind etablierte Parameter zur Quantifizierung der Traceraufnahme.

Zur visuellen Bewertung und Quotientenbildung (SUVR) wird die Traceraufnahme der Läsion mit Referenzgeweben verglichen:

  • Leberparenchym
  • Milz
  • Skelettmuskulatur (rezeptorarm)
  • Blutpool

Fehlerquellen und Fallstricke

Die genaue Kenntnis der physiologischen Traceraufnahme ist essenziell, um Fehlinterpretationen zu vermeiden.

UrsacheEffektBeispiele
EntzündungenFalsch-positivPneumonie, Thyreoiditis, Gastritis, Lymphadenitis, Narbengewebe
Benigne NeoplasienFalsch-positivMeningeom, Schilddrüsenadenom, Knotenstruma
Physiologische AufnahmeFalsch-positiv / Falsch-negativMilz/Nebenmilz, Processus uncinatus des Pankreas (kann Tumore maskieren)
Kleine LäsionenFalsch-negativUnterschätzung des SUV durch Partialvolumeneffekt (z. B. kleine Lymphknoten)
MedikationFalsch-negativLaufende Therapie mit Somatostatinanaloga blockiert Rezeptoren

💡Praxis-Tipp

Pausieren Sie nicht-radioaktive Somatostatinanaloga vor der PET/CT (Depotpräparate 4 Wochen, kurzwirksame 24h). Ist dies klinisch nicht möglich, dokumentieren Sie den Zeitpunkt der letzten Gabe exakt, da die Rezeptorblockade zu falsch-negativen Befunden führen kann.

Häufig gestellte Fragen

Nein, die Patienten müssen nicht nüchtern sein. Der Blutzuckerspiegel beeinflusst die Rezeptorbindung nicht.
Die Datenakquisition sollte idealerweise 60 Minuten (Spanne: 45–75 Minuten) nach der Injektion beginnen.
Es werden in der Regel 100 bis 200 MBq intravenös appliziert. Bei normalgewichtigen Erwachsenen sollten 80 MBq nicht unterschritten werden.
Voraussetzung ist eine SSTR2-Expression. Typische Entitäten sind neuroendokrine Tumore (NET), Meningeome und bestimmte Schilddrüsenkarzinome.

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