Beta-Amyloid-PET bei Demenz: S1-Leitlinie (AWMF/DGN)
📋Auf einen Blick
- •Ein negativer Beta-Amyloid-PET-Befund schließt eine Alzheimer-Krankheit mit hoher Wahrscheinlichkeit aus.
- •Die Untersuchung ist indiziert bei unklaren kognitiven Defiziten, atypischer Demenz oder frühem Erkrankungsbeginn (< 65 Jahre).
- •Ein positiver Befund beweist keine Alzheimer-Demenz, da Plaques auch bei Gesunden oder anderen Demenzformen vorkommen.
- •Die visuelle Auswertung zielt auf ein binäres Ergebnis ab (Aβ-positiv oder Aβ-negativ) durch Beurteilung des Kontrastverlusts zwischen grauer und weißer Substanz.
- •Als Radiopharmaka stehen [11C]PIB sowie die 18F-markierten Tracer Florbetapir, Florbetaben und Flutemetamol zur Verfügung.
Hintergrund
Beta-Amyloid (Aβ)-Plaques sind neben neurofibrillären Tangles das histopathologische Charakteristikum der Alzheimer-Krankheit (AK). Die zerebrale Amyloidopathie wird in Braak-Stadien unterteilt. Ein zerebraler Aβ-Plaque-Befall gilt als Conditio sine qua non für die Diagnose der Alzheimer-Krankheit ("kein Alzheimer ohne Plaques"). Ein unauffälliges Aβ-PET schließt eine AK somit mit hoher Wahrscheinlichkeit aus.
Ein pathologisches Aβ-PET kann jedoch auch bei anderen Erkrankungen auftreten:
- Demenz mit Lewy-Körpern (ca. 2/3 der Fälle Aβ-positiv)
- Parkinson-Demenz (bis zu 1/3 der Fälle Aβ-positiv)
- Kognitiv Gesunde (altersabhängig 25–35 % Aβ-positiv)
Indikationen und Kontraindikationen
Die Untersuchung dient der Erhöhung der diagnostischen Sicherheit bei unklaren Fällen.
Sinnvolle klinische Anwendungen:
- Objektivierbare persistierende oder progrediente Gedächtnisprobleme mit auffälliger kognitiver Testung
- Nicht-typische klinische Demenz-Präsentation
- Atypisch junges Alter (< 65 Jahre) bei Demenzbeginn
Nicht empfohlen wird die Aβ-PET unter anderem:
- Bei typischer Alzheimer-Demenz bei Patienten > 65 Jahre
- Ohne vorangegangene klinische Testung
- Zur Bestimmung des Demenzschweregrads
- Bei asymptomatischen Personen (z. B. nur wegen positiver Familienanamnese oder ApoE4-Status)
Kontraindikationen:
- Schwangerschaft
- Offenkundige Unfähigkeit zur Kooperation
Radiopharmaka
Für die klinische Routine stehen verschiedene Tracer zur Verfügung. Die 18F-markierten Radiopharmaka sind in Deutschland zugelassen.
| Radiopharmakon | Typische Aktivität | Startaufnahme (p.i.) | Aufnahmedauer | Effektive Dosis |
|---|---|---|---|---|
| [11C]PIB | 370 MBq | 40-50 min | 20 min | 2 mSv |
| [18F]Florbetapir | 370 MBq | 30-50 min | 10 min | 7 mSv |
| [18F]Florbetaben | 300 MBq | 90 min | 20 min | 6 mSv |
| [18F]Flutemetamol | 185 MBq | 90 min | 20 min | 6 mSv |
Durchführung und Vorbereitung
- Patientenvorbereitung: Keine spezielle Vorbereitung nötig. Antidementiva müssen nicht abgesetzt werden.
- Harnblase: Entleerung vor und nach der PET-Akquisition zur Minimierung der Strahlenexposition.
- Sedierung: Falls nötig, so kurz wie möglich vor der Akquisition, um Effekte auf die Hirndurchblutung zu vermeiden.
- Überwachung: Kontinuierliche Überwachung ist bei kognitiv eingeschränkten Patienten zwingend erforderlich.
Bildauswertung und Befundung
Ziel der Bildauswertung ist ein binäres Ergebnis ("Aβ-positiv" oder "Aβ-negativ").
Visuelle Auswertung:
- Tracer reichern sich physiologisch unspezifisch in der weißen Hirnsubstanz an.
- Ein Befund ist Aβ-positiv, wenn der physiologische Kontrast zwischen intensiverer Anreicherung in der weißen Substanz und geringerer Anreicherung im Kortex aufgehoben ist (Mehranreicherung in der grauen Substanz).
- Wichtige Regionen: frontaler Kortex, posteriorer zingulärer Kortex/Präkuneus, lateraler temporaler, parietaler und okzipitaler Kortex.
- Der sensorimotorische und primäre visuelle Kortex bleiben bei der AK typischerweise ausgespart.
Quantitative Auswertung:
- Semiquantitative Analysen (z. B. SUVR - Standardized Uptake Value Ratio) mit dem Zerebellum als Referenzregion können die visuelle Befundung unterstützen.
- Sie werden insbesondere für Verlaufskontrollen empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie die Beta-Amyloid-PET primär zum Ausschluss einer Alzheimer-Krankheit bei unklaren Fällen. Bedenken Sie, dass 25-35 % der kognitiv gesunden älteren Menschen ebenfalls Amyloid-Plaques aufweisen.