Schilddrüsenszintigraphie: S1-Leitlinie (AWMF/DGN)
📋Auf einen Blick
- •Die Szintigraphie mit Tc-99m-Pertechnetat oder I-123-Natriumiodid dient der Beurteilung der Funktionstopographie der Schilddrüse.
- •Eine Untersuchung ist unter anderem bei Schilddrüsenknoten ≥ 1 cm und bei Verdacht auf Autonomie indiziert.
- •Vor der Untersuchung müssen T4-Präparate und iodhaltige Kontrastmittel für 4 Wochen pausiert werden.
- •Die Referenzaktivität liegt für Tc-99m bei 70 MBq und für I-123 bei 10 MBq.
- •Ein Suppressions-Uptake unter 0,5 % schließt eine stoffwechselrelevante Autonomie weitgehend aus.
Hintergrund
Die Schilddrüsenszintigraphie dient der Beurteilung der Funktionstopographie der Schilddrüse. Der Tc-99m-Uptake (TcU) oder der Radioiod-Uptake (RIU) korrelieren gut mit der Iodid-Clearance. Eine hohe Clearance spricht für Iodmangel oder eine pathologisch erhöhte Hormonproduktion. Eine niedrige Clearance deutet auf eine ausreichende Iodversorgung, mangelnden TSH-Stimulus, Iodexzess oder Thyreoiditiden hin.
Indikationen
Die Untersuchung mit Tc-99m-Pertechnetat oder I-123-Natriumiodid ist unter anderem in folgenden Fällen indiziert:
- Tastbare und/oder sonographisch abgrenzbare Knoten ≥ 1 cm
- Verdacht auf fokale oder diffuse Autonomie (in Euthyreose, latenter oder manifester Hyperthyreose)
- Diagnostisch unklare Fälle (z. B. M. Basedow vs. chronisch lymphozytäre Thyreoiditis)
- Dokumentation des Therapieerfolges (postoperativ, nach Radioiodtherapie)
- Nach Schilddrüsenoperation vor adjuvanter Radioiodtherapie
- Schilddrüsendysgenesien oder -dystopien (z. B. Zungengrundstruma)
- Konnatale Hypothyreose
Hinweis: Für Organifizierungsdefekte (Perchlorat-Test) besteht eine dezidierte Indikation für I-123.
Patientenvorbereitung
Eine korrekte Vorbereitung ist essenziell, da Medikamente und Iodexposition den Uptake maßgeblich beeinflussen:
| Substanz / Zustand | Karenzzeit / Maßnahme |
|---|---|
| T3-Präparate | 10 Tage vor Untersuchung absetzen |
| T4-Präparate | 4 Wochen vor Untersuchung absetzen |
| Iodhaltige Kontrastmittel | 4 Wochen pausieren (bei Amiodaron wesentlich länger) |
| Physiologische Iodid-Gabe | Bis 150 µg/Tag unbedenklich |
| Stillzeit | Bei Tc-99m: Stillkarenz für 12 Stunden empfohlen |
Radiopharmaka und Durchführung
| Eigenschaft | Tc-99m-Pertechnetat | I-123-Natriumiodid |
|---|---|---|
| Referenzaktivität | 70 MBq i.v. | 10 MBq i.v. |
| Aufnahmezeitpunkt | 5 - 25 Minuten p.i. | 2 - 4 Stunden p.i. |
| Vorteile | Preisgünstig, rasch verfügbar, kurze Untersuchungszeit | Bessere Erkennbarkeit von retrosternalem Gewebe |
| Nachteile | Keine Organifikation, Überlagerung durch Ösophagus/Gefäße | Höhere Kosten, längere Aufnahmezeit |
Hinweis: Die Szintigramme sollten im Normalfall mindestens 100.000 Impulse über der Schilddrüse enthalten.
Differenzialdiagnosen nach Uptake
| Uptake-Verhalten | Typische Krankheitsbilder |
|---|---|
| Normal oder erhöht | Morbus Basedow, Schilddrüsenautonomie, TSH-produzierendes Hypophysenadenom, Schilddrüsenhormonresistenz |
| Niedrig oder fehlend | Akute/Subakute/Hashimoto-Thyreoiditis, Amiodaron-induzierte Thyreoiditis, Iatrogene Thyreotoxikose, Struma ovarii |
Suppressionsszintigraphie
Die Suppressionsszintigraphie wird bei klinischem Verdacht auf Autonomie bei peripherer Euthyreose und nicht supprimiertem basalem TSH durchgeführt. Voraussetzung ist eine medikamentöse TSH-Suppression (z. B. mit Levothyroxin über 14 Tage bis 6 Wochen).
Beurteilung des Suppressions-Uptakes:
- TcU > 2,0 %: Kann für eine funktionell relevante Autonomie sprechen (kommt aber auch bei Gesunden vor).
- TcU < 1,0 %: Stoffwechselrelevante Autonomie wenig wahrscheinlich.
- TcU < 0,5 %: Stoffwechselrelevante Autonomie weitgehend ausgeschlossen.
💡Praxis-Tipp
Achten Sie bei der Terminvergabe zwingend auf die Karenzzeiten: T4-Präparate und iodhaltige Röntgenkontrastmittel müssen 4 Wochen vor der Szintigraphie pausiert werden.