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Aphthen und aphthoide Läsionen: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Aphthen werden in drei klinische Varianten unterteilt: Minor-Typ (Mikulicz), Major-Typ (Sutton) und herpetiformer Typ (Cooke).
  • Bei Läsionen im Erwachsenenalter, die länger als 14 Tage anhalten, ist eine Biopsie zum Ausschluss eines Plattenepithelkarzinoms obligat.
  • Die Therapie habitueller Aphthen erfolgt primär topisch (z.B. mit filmbildenden Präparaten, Sucralfat oder Triamcinolonacetonid).
  • Systemische Therapien (wie Colchicin oder Apremilast) sind schweren, therapieresistenten Verläufen oder syndromalen Erkrankungen (z.B. Behçet-Syndrom) vorbehalten.
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Hintergrund

Rezidivierende Aphthen gehören zu den häufigsten Erkrankungen der Mund- und Rachenschleimhaut. Sie beginnen meist im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt und treten bei Frauen häufiger auf als bei Männern. Bei Kindern und Jugendlichen stellen sie die häufigste Läsion der Mundschleimhaut dar. Die Ätiologie ist weitestgehend unklar, vermutet wird ein multifaktorieller Hintergrund (genetische Prädisposition, Infektionen, Mangelerscheinungen, Stress).

Klinische Klassifikation

Das klinische Bild variiert erheblich. Es werden drei Hauptformen unterschieden:

TypGrößeAnzahlPräsenzdauerAbheilungBesonderheiten
Minor (Mikulicz)< 10 mm1-47-10 TagenarbenfreiHäufigste Form (ca. 85%), oberflächlich
Major (Sutton)≥ 10 mm1-22-4 WochennarbigTiefere Lage, sehr schmerzhaft, Gewebsdestruktion
Herpetiform (Cooke)1-2 mm50-100+7-10 TagenarbenfreiHerpetiforme Anordnung, kein Bläschenstadium

Diagnostik und Differenzialdiagnosen

Die Diagnose beruht primär auf Anamnese, klinischer Symptomatik und Morphologie. Eine umfassende intra- und extraorale Untersuchung ist Grundlage der Diagnostik.

Wichtige Differenzialdiagnosen:

  • Plattenepithelkarzinom und dessen Vorläuferläsionen
  • Infektionen (HSV-1, Coxsackie-Virus, HIV, Lues, Tuberkulose)
  • Autoimmun- und Hauterkrankungen (Pemphigus vulgaris, Schleimhautpemphigoid, Erythema exsudativum multiforme)
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Zöliakie)
  • Behçet-Syndrom

Empfehlung zur Biopsie: Im Erwachsenenalter soll bei Läsionen, die länger als 14 Tage anhalten, eine Biopsie durchgeführt werden, um ein Plattenepithelkarzinom auszuschließen. Im Kindesalter ist eine Biopsie nur in Ausnahmefällen indiziert.

Behçet-Syndrom

Bei rezidivierenden Aphthen muss an ein Behçet-Syndrom gedacht werden. Die Diagnose (nach ISG 1990) erfordert:

KriteriumSymptom
ObligatRezidivierende orale Aphthen (≥ 3 Mal/Jahr)
Zusätzlich (mind. 2)Rezidivierende genitale Aphthen
Augenbeteiligung (Iritis, Uveitis, retinale Vaskulitis)
Hautveränderungen (Erythema nodosum, Follikulitis, sterile Pusteln)
Positiver Pathergietest

Therapie

Die Therapie ist symptomatisch ausgerichtet. Ziele sind Schmerzlinderung, Verkürzung der Erkrankungsdauer und Reduktion der Rezidivhäufigkeit.

Bei habituellen Aphthen sollten Lokalpräparate als Erstlinientherapie zur Anwendung kommen.

StufeTherapieIndikation / Bemerkung
1Filmbildende Präparate, SucralfatHabituelle Aphthen
5% Tetracyclin-MundspülungSpeziell bei Aphthen vom Major-Typ
Lasertherapie (CO2, Nd:YAG, Diode)Zur Schmerzreduktion und Wundheilung
2Triamcinolonacetonid (0,1% Haftsalbe)Topische antiinflammatorische Therapie
3Colchicin (systemisch)Therapieresistente, schwere Aphthosen (Fachzentrum)
4Prednisolon (systemisch)Nur zur zeitlich begrenzten Akutintervention
Dapson oder ApremilastBei Nichtansprechen auf Colchicin

Therapie beim Behçet-Syndrom: Schwere Aphthen beim Behçet-Syndrom können bei Nichtansprechen auf andere Therapien mit Apremilast therapiert werden. In ausgewählten Fällen (Off-Label-Use) kommen Azathioprin, Ciclosporin A, Dapson, TNF-α-Inhibitoren oder Interferon α in Betracht.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei unklaren Mundschleimhautveränderungen bei Erwachsenen, die nach 14 Tagen Beobachtung oder Therapie keine Rückbildung zeigen, zwingend eine Biopsie durch, um ein Plattenepithelkarzinom nicht zu übersehen.

Häufig gestellte Fragen

Minor-Aphthen (Mikulicz) sind kleiner als 10 mm, oberflächlich und heilen nach 7-10 Tagen narbenfrei ab. Major-Aphthen (Sutton) sind 10 mm oder größer, dringen tiefer ins Gewebe ein, persistieren 2-4 Wochen und heilen unter Narbenbildung ab.
Bei Erwachsenen ist eine Biopsie obligat, wenn die Läsion länger als 14 Tage anhält. Dies dient dem sicheren Ausschluss eines Plattenepithelkarzinoms.
Obligat sind rezidivierende orale Aphthen (mindestens 3 Mal pro Jahr). Hinzu müssen mindestens zwei weitere Kriterien kommen: genitale Aphthen, Augenbeteiligung, typische Hautveränderungen oder ein positiver Pathergietest.
Die Erstlinientherapie erfolgt topisch, um systemische Nebenwirkungen zu vermeiden. Eingesetzt werden filmbildende Präparate, Sucralfat-Suspensionen oder lokal wirksame Kortikosteroide wie Triamcinolonacetonid-Haftsalbe.
Systemische Therapien (z.B. Colchicin, Prednisolon, Apremilast) sind extrem häufigen, die Lebensqualität stark einschränkenden Rezidiven, therapieresistenten schweren Aphthosen oder syndromalen Erkrankungen wie dem Behçet-Syndrom vorbehalten.

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