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Hepatorenale Tyrosinämie Typ 1: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose der Tyrosinämie Typ 1 erfolgt primär über das Neugeborenenscreening mittels Bestimmung von Sukzinylazeton (SA).
  • Die Therapie besteht aus einer lebenslangen Kombination von Nitisinon und einer tyrosin- sowie phenylalaninarmen Diät.
  • Nitisinon wird initial mit 1-2 mg/kg Körpergewicht dosiert, mit dem Ziel, Sukzinylazeton unter die Nachweisgrenze zu senken.
  • Ein engmaschiges Monitoring des Alpha-Fetoproteins (AFP) und bildgebende Kontrollen sind zur Früherkennung eines hepatozellulären Karzinoms (HCC) essenziell.
  • Eine Lebertransplantation ist bei therapierefraktärem Leberversagen oder nachgewiesenem HCC indiziert.
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Hintergrund

Die hepatorenale Tyrosinämie Typ 1 (HT1) ist eine seltene, autosomal-rezessiv vererbte Stoffwechselerkrankung. Ursächlich ist ein Defekt der Fumarylazetoazetase (FAH), was zur Akkumulation toxischer Metabolite, insbesondere Sukzinylazeton (SA), führt. Unbehandelt verläuft die Erkrankung meist letal und führt zu Leberversagen, Nierentubulusfunktionsstörungen (Rachitis) und hepatozellulären Karzinomen (HCC).

Diagnostik

Die frühzeitige Diagnose ist für die Prognose entscheidend und erfolgt primär über das Neugeborenenscreening. Die alleinige Bestimmung von Tyrosin ist unzureichend.

Diagnostik-StufeParameter / MaßnahmeBemerkung
ScreeningSukzinylazeton (SA) im TrockenblutMittels Tandem-Massenspektrometrie (MS/MS)
KonfirmationsdiagnostikSA quantitativ (Urin/Blut), Aminosäuren, LeberwerteStarker Konsens für zeitnahe Bestätigung
GenetikFAH-GenanalyseBei unauffälligem FAH-Gen: GSTZ1-Gen prüfen
  • Starke Empfehlung: Die molekulargenetische Untersuchung zur Diagnosesicherung darf den Therapiebeginn nicht hinauszögern.

Therapie

Die Behandlung ruht auf zwei Säulen: der pharmakologischen Therapie mit Nitisinon und einer strengen Ernährungstherapie.

Medikamentöse Therapie

Nitisinon hemmt den Tyrosinabbau und verhindert so die Bildung toxischer Metabolite.

WirkstoffInitialdosisGabeTherapieziel
Nitisinon1-2 mg/kg KG/TagAuf 2 Dosen verteilt (ab 20 kg 1x tgl. möglich)Sukzinylazeton unter Nachweisgrenze
  • Starke Empfehlung: Die Therapie muss umgehend bei dringendem Verdacht begonnen werden. Ein abruptes Absetzen von Nitisinon ist streng zu vermeiden, da dies Porphyriekrisen auslösen kann.

Ernährungstherapie

Da Nitisinon den Abbau blockiert, steigen Tyrosin und Phenylalanin an. Eine diätetische Restriktion ist zwingend erforderlich.

ParameterZielbereichMaßnahmen bei Abweichung
Tyrosin (Plasma)200-600 µMStrenge eiweißarme Diät, tyrosinfreie Aminosäurenmischung
Phenylalanin (Plasma)Unterer ReferenzbereichBei <30 µM: Eiweißzufuhr steigern oder Phenylalanin substituieren

Langzeit-Monitoring und Komplikationen

Patienten benötigen eine lebenslange, multidisziplinäre Betreuung in einem Stoffwechselzentrum.

  • Labor: Regelmäßige Kontrolle von Aminosäuren, SA, Leber- und Nierenparametern.
  • HCC-Screening: Das Risiko für ein hepatozelluläres Karzinom ist erhöht. Starke Empfehlung: Regelmäßige Bestimmung von Alpha-Fetoprotein (AFP). Bei ausbleibender Normalisierung oder sekundärem Anstieg muss eine Bildgebung (bevorzugt MRT) erfolgen. Auf Leberbiopsien soll wegen der Gefahr der Tumorzellstreuung verzichtet werden.

Lebertransplantation

Eine Lebertransplantation hat bei HT1 eine gute Prognose und ist in folgenden Situationen indiziert:

IndikationBemerkung
Akutes LeberversagenTherapierefraktär unter Nitisinon
Hepatozelluläres Karzinom (HCC)Ohne Nachweis von Metastasen
Chronisches Leberversagen / ZirrhoseTrotz adäquater medikamentöser und diätetischer Therapie
  • Konsens: Nach einer erfolgreichen Lebertransplantation ist die Fortführung der Nitisinontherapie nicht mehr erforderlich.

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie bei Verdacht auf Tyrosinämie Typ 1 immer Sukzinylazeton (SA) und nicht nur Tyrosin, da eine isolierte Tyrosin-Erhöhung nicht pathognomonisch ist. Setzen Sie Nitisinon niemals abrupt ab, um lebensgefährliche Porphyriekrisen zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Durch die Bestimmung von Sukzinylazeton (SA) im Trockenblut. Die alleinige Messung von Tyrosin ist nicht ausreichend sensitiv.
Die Initialdosis beträgt 1 bis 2 mg/kg Körpergewicht täglich. Die Dosis wird im Verlauf so angepasst, dass Sukzinylazeton im Blut oder Urin unter der Nachweisgrenze bleibt.
Die Tyrosinkonzentration im Plasma sollte zwischen 200 und 600 µM liegen. Phenylalanin sollte im unteren Referenzbereich liegen; fällt es unter 30 µM, muss es über die Nahrung oder als Einzelsubstanz substituiert werden.
Durch regelmäßige Bestimmung des Alpha-Fetoproteins (AFP) und Ultraschall oder MRT des Abdomens alle 6 bis 12 Monate. Leberbiopsien sollten wegen der Gefahr der Tumorzellstreuung vermieden werden.
Nein, nach einer erfolgreichen Lebertransplantation ist eine Nitisinontherapie nicht mehr erforderlich, auch wenn Sukzinylazeton noch geringfügig erhöht sein kann.

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