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Offenwinkelglaukom: Risikofaktoren & Screening (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Allen Personen ab dem 40. Lebensjahr soll ein Glaukom-Screening angeboten werden.
  • Das Screening muss zwingend eine binokulare Papillenbeurteilung und eine Augeninnendruckmessung umfassen.
  • Hauptrisikofaktoren sind Alter, positive Familienanamnese, Myopie (ab -4 dpt), Pseudoexfoliatio lentis und okuläre Hypertension.
  • Ohne weitere Risikofaktoren beträgt das Screening-Intervall 5 Jahre (40-59 Jahre) bzw. 2-3 Jahre (ab 60 Jahren).
  • Bei Hochrisikopatienten (Pseudoexfoliatio lentis oder Tensio > 25 mmHg) muss mindestens jährlich kontrolliert werden.
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Hintergrund

Das Offenwinkelglaukom ist eine chronische, progrediente Optikusneuropathie, die zu irreversiblen Gesichtsfelddefekten führt. Da die Erkrankung oft lange asymptomatisch verläuft (26 % der Patienten mit Gesichtsfeldausfällen bemerken keine Symptome), ist die Früherkennung essenziell. Eingetretene Schäden sind unter Therapie allenfalls teilweise reversibel, ein Voranschreiten kann jedoch oft verzögert oder aufgehalten werden.

Risikofaktoren

Die Leitlinie identifiziert verschiedene Faktoren, die das Risiko für ein Offenwinkelglaukom signifikant erhöhen:

RisikofaktorRisikoerhöhung / Bemerkung
AlterRisiko verdoppelt sich pro Altersdekade ab 40 Jahren
Familienanamnese2- bis 3-fach erhöhtes Risiko bei Verwandten 1. Grades
Ethnizität3-fach erhöht bei dunkler Hautfarbe; früherer Erkrankungsbeginn
Augeninnendruck (IOD)Okuläre Hypertension (≥ 24 mmHg) birgt 9,5 % Risiko in 5 Jahren
Myopie2- bis 3-fach erhöht ab -4 Dioptrien
Pseudoexfoliatio lentis4- bis 6-fach erhöhtes Risiko
PapillenmorphologieRandblutung (7,5-fach), vertikale CDR ≥ 0,6, Seitendifferenz ≥ 0,2
SteroideSystemisch, lokal am Auge und intravitreal erhöhen den IOD

Hinweis: Für Diabetes mellitus und arterielle Hypertonie gibt es keine eindeutigen Hinweise als unabhängige Risikofaktoren. Intranasale Steroide haben keine Auswirkung auf den Augeninnendruck.

Screening-Diagnostik

  • Soll-Empfehlung (Grad A, ⇑⇑): Allen Personen ab dem 40. Lebensjahr soll ein Screening angeboten werden.
  • Soll-Empfehlung (Grad A, ⇑⇑): Das Screening muss zwingend die binokulare Untersuchung der Papille UND eine Augeninnendruckmessung umfassen.
  • Eine einmalige Tensiomessung reicht aufgrund von Tagesschwankungen nicht aus, um ein Glaukom sicher auszuschließen.
  • Patienten müssen über Nutzen, Risiken und mögliche falsch-positive Befunde aufgeklärt werden.

Screening-Intervalle

Die Intervalle richten sich nach dem Alter und dem Vorliegen definierter Risikofaktoren.

Relevante Risikofaktoren für die Intervallplanung:

  • Familiäre Belastung 1. Grades
  • Myopie ab -4 Dioptrien
  • Dunkle Hautfarbe oder lateinamerikanische Abstammung
  • Okuläre Hypertension (Tensio 22-25 mmHg, Pachymetrie-kontrolliert)
  • Grenzwertige Papillenexkavation (vertikale CDR ≥ 0,6)
  • Seitenunterschied der Papillenexkavation (vertikale CDR ≥ 0,2)
  • Längere Steroidtherapie (systemisch oder am Auge)
RisikoprofilAlter 40-59 JahreAlter ≥ 60 Jahre
Kein RisikofaktorAlle 5 JahreAlle 2-3 Jahre
1 RisikofaktorAlle 2-3 JahreJährlich
≥ 2 RisikofaktorenJährlichJährlich

Sonderfälle:

  • Alter < 40 Jahre: Bei 1 Risikofaktor alle 5 Jahre, bei 2 Faktoren alle 2-3 Jahre, bei ≥ 3 Faktoren jährlich. Bei dunkler Hautfarbe Screening ab 30 Jahren erwägen.
  • Hochrisiko (Grad A, ⇑⇑): Bei Pseudoexfoliatio lentis oder Tensio > 25 mmHg muss mindestens jährlich gescreent werden.

💡Praxis-Tipp

Verlassen Sie sich beim Glaukom-Screening niemals auf eine alleinige Tensiomessung. Kombinieren Sie diese immer mit einer binokularen Papillenbeurteilung, da auch Normaldruckglaukome existieren und der Augeninnendruck tageszeitlichen Schwankungen unterliegt.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt, allen Personen ab dem 40. Lebensjahr ein Screening auf ein Offenwinkelglaukom anzubieten.
Ein adäquates Screening muss mindestens eine binokulare Untersuchung der Papille kombiniert mit einer Augeninnendruckmessung umfassen.
Wenn außer dem Alter keine weiteren Risikofaktoren vorliegen, wird ein Screening-Intervall von 2 bis 3 Jahren empfohlen.
Systemische, lokal am Auge sowie intravitreal applizierte Steroide können den Augeninnendruck erhöhen. Intranasale Steroide haben hingegen keine Auswirkung.
Bei Vorliegen einer Pseudoexfoliatio lentis oder einer applanatorischen Tensio > 25 mmHg soll das Screening mindestens jährlich erfolgen.

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