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Interstitielle Zystitis (IC/BPS): Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • IC/BPS wird in Hunner-Typ (HIC), Nicht-Hunner-Typ (NHIC) und das Blasenschmerzsyndrom (BPS) unterteilt.
  • Frauen sind etwa neunmal häufiger von der Erkrankung betroffen als Männer.
  • Patienten haben ein 6-fach höheres Risiko für ein Harnblasenkarzinom; regelmäßige Zystoskopien sind obligat.
  • Häufige Komorbiditäten umfassen Reizdarmsyndrom, Fibromyalgie, Endometriose und psychische Erkrankungen.
  • Die Ätiologie ist multifaktoriell und umfasst Urotheldefekte, neuronale Überaktivität und Beckenbodendysfunktionen.
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Hintergrund

Die Interstitielle Zystitis (IC) und das Blasenschmerzsyndrom (BPS) werden unter dem Überbegriff IC/BPS zusammengefasst. Es handelt sich um chronische Erkrankungen der Harnblase, die mit Schmerzen, Druckgefühl und Harndrang einhergehen. Während bei der IC entzündliche Veränderungen vorliegen, fehlen diese beim BPS.

Klassifikation und Histopathologie

Die Erkrankung wird anhand zystoskopischer und histopathologischer Befunde unterteilt:

MerkmalHunner-Typ IC (HIC)Nicht-Hunner-Typ IC (NHIC)Blasenschmerzsyndrom (BPS)
EndoskopieHunner-LäsionenEntzündungen, teils GlomerulationenKeine pathologischen Veränderungen
EntzündungVorhanden (Lymphozyten/Plasmazellen)Nur geringNicht vorhanden
UrothelHäufig denudiert/defektMeist erhaltenAlle Schichten erhalten
Lymphoide FollikelOft vorhandenSeltenNicht vorhanden

Epidemiologie und Lebensqualität

Frauen sind etwa neunmal häufiger betroffen als Männer. Die Erkrankung führt zu massiven Einschränkungen der Lebensqualität:

BereichPrävalenz bei Betroffenen
Gravierende Alltagsprobleme80%
Sexuelle Dysfunktionbis zu 90%
Existenzielle Probleme40%

Die Auswirkungen der IC/BPS sollen erfragt und bei der Therapie berücksichtigt werden.

Komorbiditäten

Patienten mit IC/BPS leiden signifikant häufiger an nichtharnblasenassoziierten Begleiterkrankungen. Bei Erstdiagnose und im Verlauf soll nach somatischen und psychosozialen Komorbiditäten gefragt werden.

Zu den häufigsten Komorbiditäten zählen:

  • Reizdarmsyndrom (ca. 35%)
  • Fibromyalgie (ca. 35%)
  • Allergien (20-60%)
  • Autoimmunerkrankungen (ca. 20%)
  • Endometriose (bis zu 48% bei chronischem Beckenschmerz)
  • Psychische Erkrankungen (Depressionen, Angststörungen)

Bei Frauen sollte im Verlauf eine kardiologische Abklärung erfolgen, da ein erhöhtes Risiko für eine koronare Herzkrankheit besteht.

Malignomrisiko

Patienten mit IC/BPS haben ein 6-fach höheres Risiko für die Entwicklung eines Harnblasenkarzinoms und ein 2-fach höheres Risiko für Urothelkarzinome des oberen Harntrakts.

  • Zum Ausschluss einer malignen Neoplasie soll zu Beginn und im Verlauf eine Zystoskopie (ggf. mit Biopsie) erfolgen.
  • Das erhöhte Risiko soll bei der Überwachung berücksichtigt werden.
  • Patienten sollen auf dieses Risiko hingewiesen werden.

Ätiopathogenese

Die genauen Ursachen der IC/BPS sind noch nicht vollständig geklärt. Die Leitlinie nennt mehrere zentrale Hypothesen und Faktoren:

  • Urotheldysfunktion: Ein defektes Urothel (besonders bei HIC) lässt toxische Urinbestandteile eindringen, was Schmerz und Entzündung auslöst.
  • Beckenbodendysfunktion: 50-87% der Patienten zeigen einen erhöhten Beckenbodentonus oder myofasziale Schmerzpunkte. Patienten sollen hinsichtlich dieser Dysfunktionen untersucht werden.
  • Neuronale Überaktivität: Eine Hyperexzitabilität des Nervensystems und eine Hyperinnervation (vermehrte C-Fasern) tragen zum neuropathischen Schmerz bei.
  • Entzündung und Mastzellen: Chronische Entzündungsinfiltrate sind typisch. Eine erhöhte Mastzellzahl im Detrusor allein ist kein sicheres Diagnosekriterium mehr, jedoch ist die subepitheliale Lokalisation charakteristisch für HIC.
  • Genetik und Inflammasome: Es gibt Hinweise auf familiäre Häufungen und eine Beteiligung von Inflammasomen (z.B. NLRP3) an der Aufrechterhaltung der Entzündung.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei Patientinnen mit chronischen Blasenbeschwerden aktiv auf Komorbiditäten wie Reizdarmsyndrom oder Fibromyalgie und führen Sie zum Malignomausschluss regelmäßig eine Zystoskopie durch.

Häufig gestellte Fragen

Bei der Hunner-Typ IC lassen sich zystoskopisch typische Hunner-Läsionen nachweisen und histologisch zeigt sich ein defektes Urothel mit starken Entzündungsinfiltraten. Bei der Nicht-Hunner-Typ IC fehlen diese Läsionen und das Urothel ist meist erhalten.
Nein, es ist eine somatische Erkrankung der Harnblase. Sie geht jedoch aufgrund des hohen Leidensdrucks sehr häufig mit psychischen Komorbiditäten wie Depressionen oder Angststörungen einher.
Ja, Patienten haben ein 6-fach höheres Risiko für ein Harnblasenkarzinom. Eine regelmäßige zystoskopische Überwachung wird daher dringend empfohlen.
Eine erhöhte Mastzellzahl im Detrusor allein ist kein ausreichendes Diagnosekriterium mehr. Charakteristisch für den Hunner-Typ ist jedoch die subepitheliale Lokalisation der Mastzellen.

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