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AWMF / DGKJP / DGPPNA2018PsychiatriePädiatrieAllgemeinmedizin

ADHS-Leitlinie: Diagnostik & Therapie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF / DGKJP / DGPPN Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die weltweite Prävalenz liegt bei Kindern bei 5,3 % und bei Erwachsenen bei 2,5 %.
  • Symptome verändern sich altersabhängig: Hyperaktivität wandelt sich oft zu innerer Unruhe.
  • Für die Diagnose müssen funktionelle Beeinträchtigungen in mehreren Lebensbereichen vorliegen.
  • Nach DSM-5 reicht ab 17 Jahren das Vorliegen von 5 statt 6 Symptomen für die Diagnose.
  • Bis zu 85 % der Patienten weisen komorbide psychische Erkrankungen auf.
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Hintergrund

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine der häufigsten psychischen Störungen. Die weltweite Prävalenz liegt im Kindes- und Jugendalter bei 5,3 % und im Erwachsenenalter bei 2,5 %. Die Ätiologie ist multifaktoriell: Neben einer hohen Heritabilität (76 %) spielen Umweltfaktoren wie pränatale Nikotin- oder Alkoholexposition, Frühgeburtlichkeit und frühe psychosoziale Deprivation eine Rolle.

Altersabhängige Symptomatik

Die Kernsymptome verändern sich im Laufe der Entwicklung. Bei 50 bis 80 % der im Kindesalter Betroffenen persistieren die Symptome bis ins Erwachsenenalter.

  • Vorschulalter: Ausgeprägte Bewegungsunruhe und Hyperaktivität stehen im Vordergrund.
  • Schulalter: Unaufmerksamkeit fällt besonders im Unterricht auf.
  • Jugend- und Erwachsenenalter: Hyperaktivität wandelt sich oft in innere Unruhe oder Fahrigkeit. Impulsivität geht zurück, verursacht aber weiterhin Alltagseinschränkungen.

Diagnostik und Klassifikation

Für die Diagnose müssen funktionelle Beeinträchtigungen in mehreren Lebensbereichen (z. B. Familie und Schule/Beruf) vorliegen. Die Klassifikationssysteme unterscheiden sich in wesentlichen Punkten:

MerkmalICD-10 (Hyperkinetische Störung)DSM-5 (ADHS)
Symptom-VoraussetzungAlle 3 Kernsymptome (Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität) müssen vorliegenSubtypen möglich (vorwiegend unaufmerksam, hyperaktiv-impulsiv oder gemischt)
Symptomanzahl6 (Unaufmerksamkeit), 3 (Hyperaktivität), 1 (Impulsivität)6 Symptome (ab 17 Jahren genügen 5 Symptome)
Beginn der StörungVor dem 7. LebensjahrVor dem 12. Lebensjahr
Autismus-SpektrumGilt als AusschlusskriteriumDarf komorbid diagnostiziert werden

Komorbiditäten

Bei bis zu 85 % der Betroffenen liegt mindestens eine komorbide psychische Erkrankung vor.

AltersgruppeHäufigste Komorbiditäten
KinderOppositionelle Störung des Sozialverhaltens (50 %), Störung des Sozialverhaltens (30-50 %), Tic-Störungen (bis 30 %), Angststörungen (bis 25 %), Umschriebene Lernstörungen (10-25 %)
ErwachseneSubstanzabhängigkeit (Alkohol, Drogen, Nikotin), Affektive Störungen (Depression 10-78 %, Bipolar 3-14 %), Essstörungen, Adipositas

Leitlinien-Empfehlung zur Diagnostik

  • Empfehlungsgrad B (↑): Bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Entwicklungs-, Lern-, Leistungs- oder Verhaltensproblemen und Hinweisen auf Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit, Konzentration, Unruhe oder Impulsivität sollte die Möglichkeit einer ADHS in Betracht gezogen und eine entsprechende Abklärung veranlasst werden.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei der Diagnostik darauf, dass die Symptome in mehr als einem Lebensbereich (z. B. Schule und Elternhaus) auftreten müssen. Bei Erwachsenen reicht nach DSM-5 bereits das Vorliegen von 5 statt 6 Symptomen für die Diagnosestellung.

Häufig gestellte Fragen

Nach DSM-5 müssen mehrere Symptome bereits vor dem 12. Lebensjahr aufgetreten sein (im Gegensatz zum 7. Lebensjahr nach ICD-10).
Die motorische Hyperaktivität nimmt meist ab und wandelt sich bei Jugendlichen und Erwachsenen häufig in ein subjektives Gefühl der inneren Unruhe oder Fahrigkeit.
Sehr häufig. Bis zu 85 % der Betroffenen haben eine zusätzliche psychische Erkrankung, bei 60 % liegen sogar multiple Komorbiditäten vor.
Nach ICD-10 ja, nach den neueren DSM-5-Kriterien ist Autismus jedoch kein Ausschlusskriterium mehr und beide Diagnosen können nebeneinander gestellt werden.

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