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Hitzebedingte Gesundheitsstörungen: Leitlinie (DEGAM)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein Hitzschlag ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der durch eine Körperkerntemperatur > 40°C und neurologische Symptome gekennzeichnet ist.
  • Kühlungsmaßnahmen müssen sofort vor Ort begonnen werden, jede Verzögerung erhöht die Mortalität.
  • Die aktive Kühlung muss bei Erreichen einer rektalen Körperkerntemperatur von 38,5–39,0°C pausiert werden, um eine Hypothermie zu vermeiden.
  • Bei älteren Patienten wird primär die Verdunstungskühlung (Besprühen mit Wasser plus Luftstrom) empfohlen.
  • Bei jungen Sportlern mit anstrengungsinduziertem Hitzschlag ist das Eintauchen in Leitungswasser (12–16°C) die Methode der Wahl.
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Hintergrund

Hitzebedingte Gesundheitsstörungen nehmen aufgrund zunehmender Hitzeperioden an Relevanz zu. Die Inzidenz steigt während Hitzewellen stark an, wobei eine hohe Dunkelziffer vermutet wird, da hitzebedingte Exazerbationen von Grundleiden oft nicht als solche erkannt werden. Besonders gefährdet sind ältere, chronisch kranke und sehr junge Patienten (klassisches Risiko) sowie junge Erwachsene bei exzessiver körperlicher Anstrengung (sportinduziertes Risiko).

Klassifikation und Klinik

Die DEGAM unterscheidet verschiedene hitzebedingte Gesundheitsstörungen, die von milden Verläufen bis hin zu lebensbedrohlichen Notfällen reichen:

ErkrankungSymptome / BefundTherapie
HitzeausschlagKleine rote juckende Papeln (oft bei Kindern)Schwitzen minimieren, leichte Kleidung, ggf. Zinkschüttelmixtur
HitzeödemeUnterschenkel-/KnöchelödemeKeine spezifische Therapie, Kühlung, Beine hochlagern
HitzeohnmachtKurze Synkope, DehydrierungKühler Ort, stabile Seitenlage/Beine hoch, ggf. NaCl 0,9 % i.v.
HitzekrämpfeSchmerzhafte Muskelkrämpfe nach AnstrengungRuhe, kühler Ort, Dehnung, Elektrolytlösung (oral/parenteral)
HitzeerschöpfungSchwäche, Schwindel, Hypotonie, Kerntemperatur < 40°CKühler Ort, Entkleiden, Kühlung, Rehydrierung
HitzschlagKerntemperatur > 40°C, Koma, Krämpfe, HypotonieGgf. Reanimation, sofortige Kühlung, i.v. Rehydrierung, Klinik

Hitzschlag: Klassisch vs. Sportinduziert

Der lebensbedrohliche Hitzschlag wird in zwei Entitäten unterteilt, die sich in ihrer Pathophysiologie und Patientengruppe unterscheiden:

MerkmalKlassischer HitzschlagSportinduzierter Hitzschlag
PatientengruppeKinder, Ältere, chronisch KrankeJugendliche, sportlich aktive Erwachsene
AuftretenEpidemisch (Hitzeperioden), sitzendSporadisch, bei sportlicher Aktivität
PathomechanismusAufnahme von Umgebungshitze, geringe AbgabeExzessive Hitzeproduktion, überforderte Abgabe
HautbefundSchwitzen kann fehlen (trockene Haut)Schwitzen normalerweise vorhanden (feuchte Haut)

Diagnostik

Leitsymptome für Hitzeerschöpfung und Hitzschlag sind die Trias aus Temperaturerhöhung, zerebralen Symptomen und Hitze/Belastung.

  • Die Körperkerntemperatur sollte nach Möglichkeit rektal gemessen werden.
  • Im Zweifelsfall sollte auch bei Temperaturen < 40°C ein Hitzschlag angenommen und entsprechend therapiert werden.
  • Differenzialdiagnose Hyponatriämie: Treten nach intensiver Belastung ausgeprägte neurologische Symptome (Sopor, Koma, Krämpfe) ohne starke Temperaturerhöhung auf, muss an eine schwere Hyponatriämie gedacht werden. Als Ultima ratio wird die Bolusgabe von 100 ml 3 %-iger NaCl-Lösung empfohlen (ggf. bis zu dreimal im Abstand von 10 Min.).

Therapie und Kühlungsmaßnahmen

Die Mortalität des Hitzschlags hängt dramatisch von der Dauer und Höhe der Hyperthermie ab. Kühlungsmaßnahmen müssen sofort begonnen werden und dürfen nicht für einen Transport in die Klinik verzögert werden.

  • Ziel: Rasche Senkung der Körperkerntemperatur.
  • Abbruchkriterium: Maßnahmen bei 39,0–38,5°C pausieren, um eine überschießende Hypothermie zu vermeiden.
MethodeDurchführungIndikation / Bemerkung
Eintauchen in WasserLeitungswasser (12-16°C)Bevorzugt bei jungen Sportlern. Eiswasser ist unkomfortabler und logistisch schwieriger.
VerdunstungskühlungBesprühen mit Wasser + LuftstromBevorzugt bei Älteren und klassischem Hitzschlag. Sehr effektiv.
KühlpacksNacken, Leisten, AchselnAls Monotherapie unterlegen, aber ideal als Kombination mit anderen Methoden.

Wichtig: Maßnahmen, die zu Kältezittern (Vasokonstriktion) führen, können die endogene Wärmeproduktion steigern und den Kühlungserfolg mindern.

💡Praxis-Tipp

Messen Sie die Körperkerntemperatur zwingend rektal und beenden Sie die aktive Kühlung bei Erreichen von 38,5–39,0 °C, um eine lebensgefährliche überschießende Hypothermie zu verhindern.

Häufig gestellte Fragen

Ein Hitzschlag geht typischerweise mit einer Körperkerntemperatur > 40°C und schweren neurologischen Symptomen (Bewusstseinsstörungen, Koma, Krämpfe) einher. Bei der Hitzeerschöpfung liegt die Temperatur meist < 40°C und es bestehen keine gravierenden neurologischen Ausfälle.
Bei älteren Patienten mit klassischem Hitzschlag wird primär die Verdunstungskühlung (Besprühen mit Wasser und Einsatz eines Luftstroms) empfohlen.
Bei ausgeprägten neurologischen Symptomen nach intensiver körperlicher Belastung ohne starke Temperaturerhöhung. Als Ultima ratio können 100 ml 3%-ige NaCl-Lösung als Bolus gegeben werden.
Nein, jede Minute zählt. Kühlungsmaßnahmen müssen sofort mit den vor Ort verfügbaren Ressourcen begonnen werden. Lediglich Reanimationsmaßnahmen haben Vorrang.

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