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Dentale digitale Volumentomographie (DVT): Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die DVT ist zur routinemäßigen Karies- und Parodontaldiagnostik nicht indiziert.
  • Bei Kindern und Jugendlichen ist die Indikation aufgrund der erhöhten Strahlenempfindlichkeit besonders streng zu stellen (ALARA-Prinzip).
  • Vor Weisheitszahnentfernungen ist ein DVT nur indiziert, wenn die 2D-Bildgebung Hinweise auf Risikostrukturen zeigt.
  • In der Kiefergelenksdiagnostik eignet sich die DVT nur für knöcherne Veränderungen; für Weichteile und den Diskus ist ein MRT indiziert.
  • In der Implantologie ist die DVT bei komplexen anatomischen Verhältnissen oder speziellen Konzepten (z. B. navigierte Implantation) indiziert.
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Hintergrund

Die dentale digitale Volumentomographie (DVT), international als Cone Beam Computed Tomography (CBCT) bezeichnet, ist ein etabliertes 3D-Röntgenverfahren zur Hartgewebsdiagnostik im Zahn-, Mund- und Kieferbereich. Gegenüber der klassischen Computertomographie (CT) zeichnet sich die DVT durch ein dreidimensionales Nutzstrahlenbündel und einen flächigen Detektor aus.

Grundsätzlich gilt bei jeder DVT-Anwendung das ALARA-Prinzip (As low as reasonably achievable). Die rechtfertigende Indikation erfordert, dass der gesundheitliche Nutzen das Strahlenrisiko überwiegt. Die Befundung des gesamten abgebildeten Volumens ist gesetzlich verpflichtend.

Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche haben ein überproportional erhöhtes Risiko für strahleninduzierte Folgeschäden.

  • Die Indikation soll bei Kindern und Jugendlichen besonders streng gestellt werden.
  • Maßnahmen zur Dosisreduktion (z. B. Reduktion auf 180°-Umlauf, Einblendung des Field of View) sollen ausgeschöpft werden.
  • Für die kieferorthopädische Routinediagnostik besteht keine Indikation.

Indikationen nach Fachbereichen

Kariologie und Parodontologie

  • Kariesdiagnostik: Nach bisheriger Datenlage nicht indiziert. Artefakte durch Metallrestaurationen oder Zahnhartsubstanz schränken die Beurteilbarkeit stark ein.
  • Parodontologie: Nicht zur routinemäßigen Diagnostik indiziert. Kann in Einzelfällen bei unzureichender 2D-Bildgebung zur Darstellung von Knochentaschen oder Furkationsdefekten erwogen werden.

Endodontie und Traumatologie

Eine kleinvolumige DVT kann in spezifischen Fällen indiziert sein, wenn die 2D-Diagnostik nicht ausreicht:

IndikationBemerkung
Periapikale LäsionenWenn klinische Symptome bestehen, aber das 2D-Röntgen unauffällig ist
WurzelfrakturenBei unzureichender Absicherung durch klinische Befunde
PerforationenInsbesondere bei Stiftperforationen
Komplexe AnatomieZur Beurteilung des Wurzelkanalsystems oder bei Resorptionen
FremdkörperLagebestimmung frakturierter Wurzelkanalinstrumente

Implantologie und Prothetik

Vor einer Implantatinsertion ist primär eine klinische und 2D-radiologische Diagnostik erforderlich.

StufeDiagnostikIndikation
12D-Bildgebung (z.B. OPG)Standarddiagnostik zur orientierenden Beurteilung
2DVTBei anatomischen Besonderheiten (starke Atrophie, Kieferhöhlensepten)
3DVT + NavigationBei Sofortversorgung, navigationsgestützter Implantologie oder komplexen Fällen

Wichtig: Die DVT sollte aufgrund nicht standardisierter Grauwerte nicht zur quantitativen Bestimmung der Knochendichte verwendet werden.

Retinierte Zähne und Weisheitszähne

Die DVT hat die 2D-Bildgebung bei der operativen Zahnentfernung nicht routinemäßig abgelöst.

  • Keine Indikation: Wenn die 2D-Bildgebung keine Hinweise auf eine besondere Risikosituation zeigt.
  • Indikation: Wenn die 2D-Bildgebung Hinweise auf eine unmittelbare Lagebeziehung zu Risikostrukturen (z. B. Mandibularkanal) oder pathologischen Veränderungen zeigt und weitere räumliche Informationen für die OP-Planung zwingend erforderlich sind.

Kiefergelenkdiagnostik

Die Wahl des Bildgebungsverfahrens hängt strikt von der Fragestellung ab:

StrukturMethode der WahlBemerkung
Knöcherne VeränderungenDVTBei Verdacht auf Arthrose, Frakturen, Ankylosen oder Tumoren
Diskus articularisMRTDVT ist hierfür nicht indiziert
WeichteilpathologieMRTDVT ist hierfür nicht indiziert

Pathologische Veränderungen und Kieferhöhle

Zur Abklärung größerer pathologischer Veränderungen (Zysten, Tumoren, Osteomyelitis, Bisphosphonat-assoziierte Nekrosen) ist eine 3D-Bildgebung indiziert, um die räumliche Ausdehnung zu beurteilen. Bei Verdacht auf eine odontogene Sinusitis maxillaris ist primär ein 2D-Röntgenbild anzufertigen; bei erweitertem Abklärungsbedarf sollte ein DVT oder CT erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei jeder DVT-Aufnahme das kleinstmögliche Field of View (FOV), das für die Beantwortung der klinischen Fragestellung erforderlich ist. Dies reduziert die Strahlenbelastung für den Patienten signifikant und minimiert Streustrahlung.

Häufig gestellte Fragen

Nein, laut Leitlinie ist die DVT zur Kariesdiagnostik nach aktueller Datenlage nicht indiziert, da sie gegenüber 2D-Verfahren keinen diagnostischen Mehrwert bietet und anfällig für Artefakte ist.
Ein DVT ist nur dann indiziert, wenn das zweidimensionale Röntgenbild (OPG) konkrete Hinweise auf eine unmittelbare Lagebeziehung zu Risikostrukturen (wie dem Nervus alveolaris inferior) zeigt.
Nein. Die Grauwerte im DVT sind im Gegensatz zu den Hounsfield-Einheiten im CT nicht standardisiert. Eine quantitative Bestimmung der Knochendichte ist daher nicht empfohlen.
Bei Fragestellungen zum Diskus articularis oder zu Weichteilpathologien ist das DVT nicht indiziert. Hier muss ein MRT angefertigt werden.
Für die kieferorthopädische Routinediagnostik bei Kindern und Jugendlichen besteht aufgrund der erhöhten Strahlendosis und des fehlenden nachgewiesenen Nutzens keine Indikation.

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