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Therapie der Lippen-Kiefer-Gaumen-Fehlbildungen (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Pränatale Ultraschalldiagnostik (bevorzugt 3D) wird bei erhöhtem Risiko im 2. oder 3. Trimester empfohlen.
  • Muttermilchernährung wird stark gefördert; nach Spaltverschluss kann die orale Nahrungsaufnahme unmittelbar postoperativ fortgesetzt werden.
  • Die sekundäre Kieferspaltosteoplastik mit autologem Knochen im Wechselgebiss gilt als Goldstandard.
  • Vor einer Kieferspaltosteoplastik sollte eine transversale Weitung des Oberkiefers erfolgen (mindestens 6 Monate vorher).
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Hintergrund

Lippen-Kiefer-Gaumen-Fehlbildungen (LKGF) gehören zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen. Die interdisziplinäre Therapie ist komplex und erfordert standardisierte Behandlungskonzepte zur Verbesserung von Langzeit-Outcome und Lebensqualität.

Pränataldiagnostik und Humangenetik

MaßnahmeIndikationEmpfehlungsgrad
Ultraschall (bevorzugt 3D)Erhöhtes Risiko im 2. oder 3. TrimesterStarker Konsens (↑↑)
MRT-DiagnostikVerdacht auf weitere kraniofaziale FehlbildungenStarker Konsens (↔)
Humangenetische DiagnostikWeitere Fehlbildungen im UltraschallStarker Konsens (↑)
Humangenetische BeratungIsolierte Spalte mit positiver FamilienanamneseStarker Konsens (↑)

Ernährung und Fütterung

Die Sicherstellung einer adäquaten Nahrungsaufnahme ist essenziell. Muttermilchernährung bietet große Vorteile, wie seltener auftretende Mittelohrentzündungen und das Training der orofazialen Muskulatur.

  • Ernährungshilfen: Wenn Stillen oder Flasche nicht ausreichen, sollten ergänzende Maßnahmen (Gaumenplatten, Spezialsauger) genutzt werden (Starker Konsens, ↑).
  • Professionelle Unterstützung: Pränatale Beratung und postnatale Betreuung durch geschultes Personal wird empfohlen (Starker Konsens, ↑).
  • Nach Lippenspaltverschluss: Unmittelbar postoperativ Stillen oder Flaschenernährung wieder beginnen (Konsens, ↑).
  • Nach Gaumenspaltverschluss: Unmittelbar postoperative orale Nahrungsaufnahme unter angepasster Analgesie anstreben (Starker Konsens, ↔).

Kieferorthopädische Therapie (KFO)

TherapiephaseMaßnahmeBemerkung / Empfehlung
PrächirurgischPassive KFO-Therapie (Gaumenplatte)Erleichtert chirurgische Rekonstruktion bei vollständigen LKGF (Starker Konsens, ↑)
PrächirurgischNAM-Apparatur (Nasoalveolar molding)Individuelle Entscheidung unter Abwägung der elterlichen Belastung (Starker Konsens, ↑)
Maxilläre RetrognathieAlt-RAMEC-Protokoll + maxilläre ProtraktionBevorzugte Methode bei transversaler Enge und Retrognathie (Konsens, ↑)

Kieferspaltosteoplastik

Der Verschluss der Kieferspalte ist ein zentraler chirurgischer Schritt zur knöchernen Rekonstruktion.

  • Transversale Weitung: Vor der Osteoplastik sollte eine kieferorthopädische Ausformung und transversale Weitung erfolgen (Starker Konsens, ↑). Diese sollte mindestens 6 Monate vor der OP beginnen (Konsens, ↑).
  • Zeitpunkt: Die sekundäre Kieferspaltosteoplastik soll im Wechselgebiss erfolgen (Starker Konsens, ↑↑). Optimal ist der Zeitpunkt, wenn der eingebrachte Knochen in 6-18 Monaten dental belastet wird.
  • Material: Autologer Knochen gilt weiterhin als Goldstandard (Starker Konsens, ↑).

Zahnärztliche Versorgung im Spaltbereich

Bei Nichtanlagen von Zähnen im Spaltbereich (oft seitliche Schneidezähne) gibt es zwei gleichwertige Optionen (Starker Konsens, ↔/↑):

  1. Kieferorthopädischer Lückenschluss (mit konservierender Umformung der mesialisierten Zähne).
  2. Lückenöffnung mit anschließender konventioneller oder implantatprothetischer Versorgung.

Die Entscheidung basiert auf individueller Anatomie, Ausprägung der Retrognathie und Patientenwunsch.

💡Praxis-Tipp

Beginnen Sie nach einem operativen Lippenspaltverschluss unmittelbar wieder mit dem Stillen oder der Flaschenernährung. Die Evidenz zeigt, dass dies das Risiko für Wunddehiszenzen nicht erhöht.

Häufig gestellte Fragen

Die sekundäre Kieferspaltosteoplastik sollte im Wechselgebiss erfolgen, idealerweise wenn absehbar ist, dass der eingebrachte Knochen in 6 bis 18 Monaten dental belastet wird.
Die Transplantation von autologem Knochen (meist vom Beckenkamm) gilt weiterhin als Goldstandard.
Ja, eine unmittelbare postoperative orale Nahrungsaufnahme unter angepasster Analgesie kann ohne negativen Einfluss auf das operative Ergebnis angestrebt werden.
Wenn im pränatalen Ultraschall neben der Spaltbildung weitere Fehlbildungen auffallen oder bei einer isolierten Spalte eine positive Familienanamnese besteht.

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