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Anaphylaxie Akuttherapie & Management: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Adrenalin intramuskulär ist das Medikament der ersten Wahl und sollte bei respiratorischen oder kardiovaskulären Symptomen sofort gegeben werden.
  • Die Schweregradeinteilung (Grad I-IV) richtet sich immer nach den schwersten aufgetretenen Symptomen.
  • Antihistaminika und Glukokortikoide sind zweitrangig und dürfen lebensrettende Sofortmaßnahmen nicht verzögern.
  • Eine forcierte Volumensubstitution mit balancierten Vollelektrolytlösungen ist bei Kreislaufreaktionen essenziell.
  • Nach einer schweren Anaphylaxie ist die Verordnung eines Notfallsets (inkl. Adrenalin-Autoinjektor) sowie eine Patientenschulung obligatorisch.
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Hintergrund

Die Anaphylaxie ist eine akute, potenziell lebensbedrohliche systemische Reaktion, die meist auf einer IgE-vermittelten Allergie basiert. Die häufigsten Auslöser unterscheiden sich je nach Altersgruppe deutlich:

AuslöserKinderErwachsene
Nahrungsmittel60 %16 %
Insektengifte22 %52 %
Arzneimittel7 %22 %

Zu den wichtigsten Risikofaktoren für schwere Verläufe zählen ein hohes Lebensalter, kardiovaskuläre Erkrankungen, ein schlecht eingestelltes Asthma bronchiale sowie die Einnahme von β-Blockern oder ACE-Hemmern.

Diagnostik und Schweregrade

Die klinische Diagnose erfolgt symptomorientiert. Die Einteilung der Schweregrade richtet sich stets nach den schwersten aufgetretenen Symptomen (modifiziert nach Ring/Meßmer):

GradHaut / AllgemeinAbdomenRespirationstraktHerz-Kreislauf
IJuckreiz, Flush, Urtikaria, Angioödem---
IIwie Grad INausea, Krämpfe, ErbrechenRhinorrhö, Heiserkeit, DyspnoeTachykardie (>20/min), Hypotonie (>20 mmHg systolisch), Arrhythmie
IIIwie Grad IErbrechen, DefäkationLarynxödem, Bronchospasmus, ZyanoseSchock
IVwie Grad IErbrechenAtemstillstandKreislaufstillstand

Akuttherapie

Die Therapie richtet sich nach dem führenden Leitsymptom. Adrenalin (Epinephrin) ist das wichtigste Medikament in der Akuttherapie und antagonisiert alle wesentlichen Pathomechanismen.

Basismaßnahmen

  • Allergenzufuhr stoppen: z. B. laufende Infusionen sofort abbrechen.
  • Hilfe anfordern: Notarzt und Rettungsdienst alarmieren.
  • Symptomorientierte Lagerung: Flachlagerung bei Kreislaufproblemen (ggf. Trendelenburg), sitzende Position bei Atemnot, stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit.
  • Sauerstoffgabe: 100 % Sauerstoff mit hohem Fluss (FiO2 > 0,5) über Maske mit Reservoir.

Medikamentöse Stufentherapie

WirkstoffIndikationDosierung / ApplikationBemerkung
Adrenalin i.m.Ab Grad II (Kreislauf/Atemwege)0,15 - 0,6 mg i.m. (Oberschenkel)Mittel der 1. Wahl! Wiederholung nach 5-10 Min. möglich.
VolumenRelative Hypovolämie, Schock500-1000 ml (Erwachsene) bzw. 20 ml/kg (Kinder) als BolusBalancierte Vollelektrolytlösung über großlumigen Zugang.
Adrenalin i.v.Reanimation / refraktärer Schock1 mg (Erwachsene) bzw. 0,01 mg/kg (Kinder)Nur unter Monitorkontrolle titrierend!
β2-MimetikaBronchiale Obstruktionz. B. Salbutamol 2-8 Hübe inhalativBei Bedarf zusätzlich zu Adrenalin i.m.
AntihistaminikaHautsymptome, Begleittherapiez. B. Dimetinden 0,1 mg/kg i.v.Erst nach Kreislaufstabilisierung!
GlukokortikoideBegleittherapie, Asthmaschutzz. B. Prednisolon 250-1000 mg i.v.Wirkeintritt erst nach 10-30 Minuten.

Hinweis: Antihistaminika und Glukokortikoide sind zweitrangig und dürfen die lebensrettende Adrenalingabe niemals verzögern!

Entlassmanagement und Selbstmedikation

Nach einer erfolgreich behandelten Anaphylaxie müssen Patienten ein Notfallset zur Soforthilfe verordnet bekommen und im Umgang damit geschult werden.

Bestandteile des Notfallsets

  • Adrenalin-Autoinjektor (gewichtsadaptiert: 150 µg, 300 µg oder 500/600 µg)
  • H1-Antihistaminikum (oral, z. B. Schmelztablette oder Tropfen)
  • Glukokortikoid (oral oder rektal, 50-100 mg Prednisolonäquivalent)
  • Optional: Inhalatives β2-Mimetikum (bei bekanntem Asthma)

Indikationen für einen zweiten Autoinjektor

  • Körpergewicht > 100 kg
  • Unkontrolliertes Asthma bronchiale
  • Besonders schwere Anaphylaxie in der Vorgeschichte
  • Mastozytose (bei Erwachsenen)
  • Schlechte Erreichbarkeit notfallmedizinischer Versorgung

💡Praxis-Tipp

Zögern Sie nicht mit der intramuskulären Adrenalingabe in den lateralen Oberschenkel – es gibt bei lebensbedrohlicher Anaphylaxie keine absolute Kontraindikation. Antihistaminika und Kortison wirken zu langsam und ersetzen Adrenalin nicht.

Häufig gestellte Fragen

Ab Schweregrad II, also sobald respiratorische (Dyspnoe, Stridor) oder kardiovaskuläre Symptome (Hypotonie, Tachykardie) auftreten. Es wird primär intramuskulär verabreicht.
Bei Erwachsenen 0,3 bis 0,6 mg i.m. in die Außenseite des Oberschenkels. Bei Kindern erfolgt die Gabe gewichtsadaptiert (meist 0,15 bis 0,3 mg).
Eine forcierte Volumensubstitution mit balancierten Vollelektrolytlösungen. Erwachsene erhalten initial 500 bis 1.000 ml als Bolus, Kinder 20 ml/kg Körpergewicht.
Erst nach der Stabilisierung der Vitalfunktionen und der Gabe von Adrenalin. Sie haben einen verzögerten Wirkeintritt und sind Medikamente der zweiten Wahl.
Patienten mit einem Körpergewicht über 100 kg, unkontrolliertem Asthma, Mastozytose oder nach besonders schweren anaphylaktischen Reaktionen in der Vergangenheit.

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