Neugeborenen-Transport: S2k-Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die Transportverantwortung obliegt einem Neonatologen oder einem erfahrenen, befugten Arzt.
- •Bei instabilen Neugeborenen muss das Team aus einem erfahrenen Arzt und einer neonatologischen Intensivpflegekraft bestehen.
- •Ein kontinuierliches Monitoring (mindestens Pulsoximetrie und Temperatur) ist bei jedem Transport obligatorisch.
- •Eine Stabilisierung der Vitalfunktionen vor dem Transport ist essenziell, da Interventionen währenddessen erschwert sind.
- •Die familienzentrierte Versorgung (z.B. Kontakt ermöglichen, Aufklärung) soll bei jedem Transport angestrebt werden.
Hintergrund
Jeder Neugeborenentransport birgt Risiken für das Kind und bedeutet eine belastende Trennung von den Eltern. Daher ist, wann immer möglich, die risikoadaptierte antepartale Zuweisung von Schwangeren (In-utero-Transfer) in ein geeignetes Perinatalzentrum vorzuziehen. Lässt sich ein Transport nach der Geburt nicht vermeiden, definiert die S2k-Leitlinie klare Standards für die Durchführung.
Transport-Organisation und Verantwortung
Die Einstufung der Dringlichkeit erfolgt in Absprache zwischen der verlegenden und der aufnehmenden Abteilung:
- Akut: Abfahrt des Transportteams so rasch wie möglich (angestrebt innerhalb von 30 Minuten).
- Nicht dringlich: Planbarer Transport.
Die Verantwortung für den Transport (inklusive Teamzusammensetzung und Wahl des Transportmittels) liegt bei einem Facharzt mit Schwerpunkt Neonatologie oder einem Arzt mit ausgewiesener neonatologischer Erfahrung, dem diese Befugnis übertragen wurde.
Zusammensetzung des Transportteams
Die personelle Besetzung richtet sich nach dem klinischen Zustand des Neugeborenen:
| Patientenstatus | Ärztliche Begleitung | Pflegerische Begleitung |
|---|---|---|
| (Zu erwartende) Störung der Vitalfunktionen | Facharzt/Arzt mit Neonatologie-Erfahrung | Pflegekraft mit Erfahrung in neonatologischer Intensivpflege |
| Keine absehbaren Störungen | Nicht zwingend erforderlich | Pflegekraft mit Erfahrung in neonatologischer Intensivpflege |
| Besondere Bedingungen (z.B. soziale Indikation, Rückverlegung) | Keine | Rettungsdienstfachkräfte möglich |
Monitoring während des Transportes
Die klinische Beurteilung während des Transports (Lärm, Vibration, schlechte Lichtverhältnisse) ist erschwert. Daher gelten folgende Mindeststandards:
| Parameter | Indikation | Bemerkung |
|---|---|---|
| Pulsoximetrie | Alle Neugeborenen | Kontinuierliche Messung |
| Temperatur | Alle Neugeborenen | Bei Inkubatortransport auch Inkubatortemperatur messen |
| EKG | Bei (zu erwartender) Instabilität | Kontinuierliche Überwachung |
| Blutdruck | Bei (zu erwartender) Instabilität | Invasiv und/oder nicht-invasiv |
Ausstattung und Transportmittel
Die Entscheidung zwischen boden- und luftgestütztem Transport wird individuell nach Dringlichkeit und Distanz getroffen. Prinzipiell sollte dem Inkubatortransport der Vorzug gegeben werden.
Zwingend mitzuführen sind unter anderem:
- Manuelles Beatmungssystem (Beatmungsbeutel/Maske) für Neugeborene
- Absaugsystem mit regelbarer Saugleistung
- Sauerstoff und medizinische Druckluft (FiO2 0,21 bis 1,0 regelbar)
- Beatmungsgerät (CPAP und mechanische Beatmung)
- Ausreichende Stromversorgung (Redundanz zu Akkus)
- Blutzuckermessgerät
- Spezieller neonatologischer Notfallrucksack/-koffer
Stabilisierung vor dem Transport
Eine Stabilisierung der Vitalfunktionen soll vor dem Transport angestrebt werden, da der Zugang zum Patienten im Transportmittel bei einer Verschlechterung oft stark eingeschränkt ist. Bei respiratorischer Instabilität kann eine nicht-invasive Atemunterstützung (CPAP, High-Flow) genutzt werden. Eine Intubation muss jedoch durch Zwischenstopps jederzeit möglich sein.
Familienzentrierte Versorgung
Um die psychische Belastung der Eltern zu reduzieren, sollte eine familienzentrierte Versorgung angestrebt werden. Dazu gehören vor dem Transport:
- Vorstellung des Teams und Information über Transportziel und -risiken
- Kontakt mit dem Neugeborenen und Fotografieren ermöglichen
- Austausch von Kontaktdaten
- Mitnahme eines persönlichen Gegenstands
Sondertransporte: Hypothermie bei HIE
Bei hypoxisch-ischämischer Enzephalopathie (HIE) wird die Einleitung einer Hypothermiebehandlung innerhalb von 6 Stunden empfohlen. Diese kann bereits vor oder während des Transportes (passiv oder aktiv) begonnen werden. Essentiell ist dabei eine kontinuierliche (rektale oder ösophageale) Temperaturmessung, um Unterkühlung oder Hyperthermie strikt zu vermeiden.
💡Praxis-Tipp
Nehmen Sie sich die Zeit für eine bestmögliche Stabilisierung vor Abfahrt. Interventionen wie eine Intubation sind im fahrenden Rettungswagen oder Hubschrauber extrem fehleranfällig und gefährlich.