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Neugeborenen-Transport: S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Transportverantwortung obliegt einem Neonatologen oder einem erfahrenen, befugten Arzt.
  • Bei instabilen Neugeborenen muss das Team aus einem erfahrenen Arzt und einer neonatologischen Intensivpflegekraft bestehen.
  • Ein kontinuierliches Monitoring (mindestens Pulsoximetrie und Temperatur) ist bei jedem Transport obligatorisch.
  • Eine Stabilisierung der Vitalfunktionen vor dem Transport ist essenziell, da Interventionen währenddessen erschwert sind.
  • Die familienzentrierte Versorgung (z.B. Kontakt ermöglichen, Aufklärung) soll bei jedem Transport angestrebt werden.
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Hintergrund

Jeder Neugeborenentransport birgt Risiken für das Kind und bedeutet eine belastende Trennung von den Eltern. Daher ist, wann immer möglich, die risikoadaptierte antepartale Zuweisung von Schwangeren (In-utero-Transfer) in ein geeignetes Perinatalzentrum vorzuziehen. Lässt sich ein Transport nach der Geburt nicht vermeiden, definiert die S2k-Leitlinie klare Standards für die Durchführung.

Transport-Organisation und Verantwortung

Die Einstufung der Dringlichkeit erfolgt in Absprache zwischen der verlegenden und der aufnehmenden Abteilung:

  • Akut: Abfahrt des Transportteams so rasch wie möglich (angestrebt innerhalb von 30 Minuten).
  • Nicht dringlich: Planbarer Transport.

Die Verantwortung für den Transport (inklusive Teamzusammensetzung und Wahl des Transportmittels) liegt bei einem Facharzt mit Schwerpunkt Neonatologie oder einem Arzt mit ausgewiesener neonatologischer Erfahrung, dem diese Befugnis übertragen wurde.

Zusammensetzung des Transportteams

Die personelle Besetzung richtet sich nach dem klinischen Zustand des Neugeborenen:

PatientenstatusÄrztliche BegleitungPflegerische Begleitung
(Zu erwartende) Störung der VitalfunktionenFacharzt/Arzt mit Neonatologie-ErfahrungPflegekraft mit Erfahrung in neonatologischer Intensivpflege
Keine absehbaren StörungenNicht zwingend erforderlichPflegekraft mit Erfahrung in neonatologischer Intensivpflege
Besondere Bedingungen (z.B. soziale Indikation, Rückverlegung)KeineRettungsdienstfachkräfte möglich

Monitoring während des Transportes

Die klinische Beurteilung während des Transports (Lärm, Vibration, schlechte Lichtverhältnisse) ist erschwert. Daher gelten folgende Mindeststandards:

ParameterIndikationBemerkung
PulsoximetrieAlle NeugeborenenKontinuierliche Messung
TemperaturAlle NeugeborenenBei Inkubatortransport auch Inkubatortemperatur messen
EKGBei (zu erwartender) InstabilitätKontinuierliche Überwachung
BlutdruckBei (zu erwartender) InstabilitätInvasiv und/oder nicht-invasiv

Ausstattung und Transportmittel

Die Entscheidung zwischen boden- und luftgestütztem Transport wird individuell nach Dringlichkeit und Distanz getroffen. Prinzipiell sollte dem Inkubatortransport der Vorzug gegeben werden.

Zwingend mitzuführen sind unter anderem:

  • Manuelles Beatmungssystem (Beatmungsbeutel/Maske) für Neugeborene
  • Absaugsystem mit regelbarer Saugleistung
  • Sauerstoff und medizinische Druckluft (FiO2 0,21 bis 1,0 regelbar)
  • Beatmungsgerät (CPAP und mechanische Beatmung)
  • Ausreichende Stromversorgung (Redundanz zu Akkus)
  • Blutzuckermessgerät
  • Spezieller neonatologischer Notfallrucksack/-koffer

Stabilisierung vor dem Transport

Eine Stabilisierung der Vitalfunktionen soll vor dem Transport angestrebt werden, da der Zugang zum Patienten im Transportmittel bei einer Verschlechterung oft stark eingeschränkt ist. Bei respiratorischer Instabilität kann eine nicht-invasive Atemunterstützung (CPAP, High-Flow) genutzt werden. Eine Intubation muss jedoch durch Zwischenstopps jederzeit möglich sein.

Familienzentrierte Versorgung

Um die psychische Belastung der Eltern zu reduzieren, sollte eine familienzentrierte Versorgung angestrebt werden. Dazu gehören vor dem Transport:

  • Vorstellung des Teams und Information über Transportziel und -risiken
  • Kontakt mit dem Neugeborenen und Fotografieren ermöglichen
  • Austausch von Kontaktdaten
  • Mitnahme eines persönlichen Gegenstands

Sondertransporte: Hypothermie bei HIE

Bei hypoxisch-ischämischer Enzephalopathie (HIE) wird die Einleitung einer Hypothermiebehandlung innerhalb von 6 Stunden empfohlen. Diese kann bereits vor oder während des Transportes (passiv oder aktiv) begonnen werden. Essentiell ist dabei eine kontinuierliche (rektale oder ösophageale) Temperaturmessung, um Unterkühlung oder Hyperthermie strikt zu vermeiden.

💡Praxis-Tipp

Nehmen Sie sich die Zeit für eine bestmögliche Stabilisierung vor Abfahrt. Interventionen wie eine Intubation sind im fahrenden Rettungswagen oder Hubschrauber extrem fehleranfällig und gefährlich.

Häufig gestellte Fragen

Ein Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin mit Schwerpunkt Neonatologie oder ein Arzt mit entsprechender neonatologischer Erfahrung, dem die Befugnis explizit übertragen wurde.
Bei jedem Neugeborenen muss mindestens eine kontinuierliche Pulsoximetrie erfolgen und eine Temperaturmessung möglich sein. Bei instabilen Patienten kommen EKG und Blutdruckmessung hinzu.
Ja, eine passive oder aktive Kühlung kann vor oder während des Transports begonnen werden. Voraussetzung ist eine kontinuierliche rektale oder ösophageale Temperaturmessung.
Wenn bei dem Neugeborenen keine Störungen der Vitalfunktionen absehbar sind, kann der Transport durch eine Pflegekraft mit Erfahrung in der neonatologischen Intensivpflege (ohne Arzt) begleitet werden.

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