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Hypospadie-Operation: S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der optimale Operationszeitpunkt für eine Hypospadie-Korrektur liegt zwischen dem 11. und 18. Lebensmonat.
  • Eine isolierte Zirkumzision ist kontraindiziert, da die Vorhaut für die Rekonstruktion zwingend benötigt wird.
  • Bei isolierten distalen und mittleren Hypospadien ist kein routinemäßiger Ultraschall des Urogenitaltraktes erforderlich.
  • Der intraoperative Erektionstest ist obligat zur Beurteilung der Penisverkrümmung.
  • Bei proximalen Hypospadien muss eine Variante der Geschlechtsentwicklung (DSD) interdisziplinär ausgeschlossen werden.
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Hintergrund

Die Hypospadie ist eine häufige Fehlbildung bei Jungen (Inzidenz ca. 1:200 bis 1:300). Sie entsteht durch eine Hemmung der Verschmelzung der Urethralfalten, vermutlich bedingt durch einen intrauterinen Androgenmangel ab der 14. Schwangerschaftswoche sowie genetische und umweltbedingte Faktoren.

Klassifikation

Die Einteilung erfolgt nach kompletter Freilegung des Penis basierend auf der anatomischen Position der Harnröhrenöffnung:

KlassifikationLokalisation des MeatusHäufigkeit / Bemerkung
Distale-anteriore HypospadieGlans oder distaler PenisschaftHäufigste Form, meist isoliert
Mittlere HypospadieZwischen penoskrotalem Übergang und distalem Schaftdrittel-
Proximale-posteriore HypospadiePenoskrotal, skrotal oder perinealHäufiger mit Begleitanomalien (z. B. Kryptorchismus)
SonderformenOrthotop glandulärHypospadia sine Hypospadia (Vorhautschürze), Megalomeatus

Diagnostik

Die klinische Untersuchung erfasst Meatusposition, Glansgröße, Präputium, Penisschaftdeviation, Skrotumaspekt und Hodenposition.

  • Empfehlung: Bei isolierten distalen und mittleren Hypospadien sollte kein Routine-Ultraschall des Urogenitaltraktes erfolgen.
  • Statement: Bei proximalen Hypospadien ist ein Screening-Ultraschall abhängig von Begleitanomalien indiziert.
  • Empfehlung: Bei proximalen Hypospadien (besonders mit bilateralem Hodenhochstand) soll eine interdisziplinäre Abklärung zum Ausschluss einer Variante der Geschlechtsentwicklung (DSD) erfolgen (inkl. 17-OHP, Karyotyp).

Operationsindikation und Zeitpunkt

Eine isolierte Zirkumzision ist bei Hypospadie-Patienten unbedingt zu vermeiden, da die Vorhaut für die Rekonstruktion benötigt wird.

IndikationsstellungBefund
Eindeutige IndikationAlle mittleren und proximalen Formen; distale Formen mit Meatusstenose, Penisverkrümmung oder Penistorsion
Relative IndikationGering ausgeprägte Befunde (z. B. glandulär ohne Verkrümmung)
  • Statement: Der bevorzugte Operationszeitpunkt liegt zwischen dem 11. und 18. Lebensmonat.
  • Empfehlung: Bei kleinem Penis/Glans kann präoperativ eine lokale Androgenbehandlung (bevorzugt Dihydrotestosteron-Salbe) erfolgen.

Chirurgische Prinzipien und Techniken

Anästhesie und Vorbereitung

  • Empfehlung: Die Allgemeinanästhesie soll mit einer Regionalanästhesie (Standard: Kaudalanästhesie) kombiniert werden.
  • Empfehlung: Optische Vergrößerungen und Mikroinstrumentarium sollen verwendet werden.

Korrektur der Penisverkrümmung

Der intraoperative Erektionstest (ohne Tourniquet bei Kindern) ist obligat.

VerkrümmungEmpfohlene Maßnahme
Bis 30°Dorsales Plikationsverfahren mit Inzision der Tunica albuginea
Deutlich > 30°Durchtrennung der Urethralplatte, ventrale Corporoplastik zur Vermeidung einer Penisverkürzung

Urethralplastik

Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach dem individuell vorliegenden Befund:

  • MAGPI-Verfahren: Vorbehalten für glanduläre Formen ohne relevante Penisschaftverkrümmung.
  • TIP-Technik (Tubularized Incised Plate): Hat sich bei distalen Formen bei Kleinkindern weltweit bewährt (Statement).
  • Mathieu-Plastik: Wird heute seltener angewandt, da der Meatus quer konfiguriert resultiert.
  • Zweizeitiges Vorgehen: Bei proximalen Formen mit notwendiger Durchtrennung der Urethralplatte. Nutzung von innerem Vorhautblatt oder Mundschleimhaut.

Postoperative Versorgung und Komplikationen

Die Harnableitung erfolgt bei Windelträgern häufig über einen Dripping-Stent in eine Doppelwindel. Die Evidenz für eine prolongierte postoperative Antibiotikagabe ist gering und muss individuell kritisch gestellt werden.

Zu den häufigsten Komplikationen zählen:

  • Harnröhrenfisteln: Vor dem Verschluss muss eine distale Striktur ausgeschlossen werden.
  • Harnröhrenstrikturen: Können auch Jahre nach der Operation auftreten.
  • Harnröhrendivertikel: Symptomatische Divertikel sollen nach Ausschluss einer distalen Striktur korrigiert werden.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei Kindern mit Hypospadie niemals eine isolierte Zirkumzision durch, da das präputiale Gewebe für die spätere operative Rekonstruktion zwingend benötigt wird.

Häufig gestellte Fragen

Der bevorzugte Zeitpunkt liegt zwischen dem 11. und 18. Lebensmonat, da in diesem Zeitraum die psychologischen und emotionalen Konsequenzen am geringsten sind.
Nein. Bei isolierten distalen und mittleren Formen ist kein Routine-Ultraschall nötig. Bei proximalen Formen oder Begleitanomalien ist er jedoch indiziert.
Empfohlen wird eine Kombination aus Allgemeinanästhesie und Regionalanästhesie, wobei die Kaudalanästhesie als Standardverfahren gilt.
Bei einem kleinen Penis oder einer kleinen Glans sowie bei proximalen Hypospadien kann eine lokale Androgenbehandlung (vorzugsweise Dihydrotestosteron-Salbe) von Vorteil sein.

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