ClariMedClariMed

Soziale Teilhabe in der Altenhilfe bei Pandemien (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Gesundheits- und Palliativversorgung soll durch Telekonsultation externer Leistungserbringer gesichert werden.
  • Individuelle Behandlungspräferenzen (Advance Care Planning) müssen frühzeitig erhoben und dokumentiert werden.
  • Körperkontakt ist ein Grundbedürfnis und soll unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen ermöglicht werden.
  • Bewegungsförderung muss fester Bestandteil der täglichen Pflege- und Versorgungsroutine bleiben.
  • Sinnstiftende Alltagsgestaltung und kontaktlose Teilnahme an Veranstaltungen fördern die Lebensqualität bei Isolation.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die S2e-Leitlinie adressiert das Spannungsfeld zwischen Infektionsschutz und dem Erhalt der Lebensqualität sowie der sozialen Teilhabe von Bewohnern in der stationären Altenhilfe unter pandemischen Bedingungen. Isolierung, Quarantäne und Kontaktbeschränkungen bergen erhebliche Risiken für die physische und psychische Gesundheit, wie Depressionen, Einsamkeit und raschen funktionellen Abbau.

Medizinische und Palliative Versorgung

Die Aufrechterhaltung der ärztlichen und pflegerischen Versorgung ist auch in Krisenzeiten essenziell. Besonders bei multimorbiden Bewohnern muss vorausschauend geplant werden.

MaßnahmeUmsetzungZiel
TelekonsultationEinbindung von Geriatern, Palliativmedizinern und spezialisierten Pflegekräften via Video/AudioSicherstellung der Versorgung ohne zusätzliches Infektionsrisiko
Advance Care PlanningFrühzeitige Erhebung und Dokumentation des PatientenwillensVermeidung ungewollter Hospitalisierungen oder Intensivtherapien im Infektionsfall

Kernaussagen:

  • Die Gesundheitsversorgung sollte durch Telekonsultation unterstützt werden.
  • Individuelle Behandlungspräferenzen müssen frühzeitig erhoben und dokumentiert werden, idealerweise direkt nach Einzug.

Beziehungsgestaltung und soziale Kontakte

Soziale Isolation muss durch kreative und sichere Konzepte vermieden werden. Pauschale Besuchsverbote werden kritisch gesehen.

KontaktartUmsetzungsmöglichkeitenBemerkung
KörperkontaktBerührung bei der Pflege, angepasste Schutzausrüstung, strikte HandhygieneKörperkontakt ist ein Grundbedürfnis und soll nach Präferenz ermöglicht werden
BesucheSeparate Zugänge, spezielle Besuchszimmer, Treffen im AußenbereichEinrichtungsspezifische Besuchskonzepte statt pauschaler Verbote
Digitale KontakteVideotelefonie, Messenger, TelefonanrufeUnterstützung der Bewohner bei der Techniknutzung ist zwingend erforderlich

Alltagsgestaltung und Mobilität

Der pandemiebedingte Wegfall von Gruppenangeboten führt bei älteren Menschen rasch zu Funktionsverlusten. Ein Abbau, der sonst ein Jahr dauert, kann unter Isolationsbedingungen bereits nach drei Monaten eintreten.

BereichInterventionEvidenz/Nutzen
AlltagsgestaltungStrukturierte Reminiszenztherapie (Erinnerungsarbeit)Stärkt Copingkapazitäten, Kohärenzgefühl und Resilienz
VeranstaltungenKontaktlose Teilnahme (z.B. Balkonkonzerte, Gottesdienste vor dem Haus)Fördert soziale Teilhabe über mehrere Sinne (Hören, Sehen)
MobilitätIntegration von Balance- und Kraftübungen in die PflegeVerhindert raschen motorischen Funktionsverlust

Empfehlungen zur Mobilität:

  • Bewegungsförderung muss Bestandteil der täglichen Pflege- und Versorgungsroutine sein.
  • Spezifische Bewegungsprogramme (z.B. computergestützte Bewegungsspiele, Otago-Übungsprogramm) sollen angeboten werden.

Ernährung

Die Nahrungsaufnahme hat eine wichtige soziale Dimension, die bei Isolation in den Zimmern entfällt. Dies kann zu Mangelernährung und Dehydration führen.

  • Ursachenforschung: Bei mangelnder Nahrungsaufnahme Gründe evaluieren (z.B. Vereinsamung, fehlende Anreize, kognitive Beeinträchtigung).
  • Maßnahmen: Leicht zugängliche Speisen, adäquate Inkontinenzversorgung, häufige Angebote und eine möglichst motivierende Umgebungsgestaltung.

💡Praxis-Tipp

Integrieren Sie kurze Balance- und Bewegungsübungen direkt in die tägliche Grundpflege, um dem raschen Funktionsverlust bei isolierten Bewohnern entgegenzuwirken. Nutzen Sie zudem strukturierte Erinnerungsarbeit (Reminiszenztherapie), um die Resilienz der Bewohner zu stärken.

Häufig gestellte Fragen

Körperkontakt ist ein Grundbedürfnis und sollte entsprechend der individuellen Präferenzen ermöglicht werden. Dies kann durch den gezielten Einsatz von Schutzausrüstung oder durch strikte Handhygiene realisiert werden.
Nein. Es sollten einrichtungsspezifische Besuchskonzepte entwickelt werden, die individuelle Bedürfnisse priorisieren (z.B. durch separate Besuchszimmer oder Treffen im Außenbereich).
Die Leitlinie empfiehlt den verstärkten Einsatz von Telekonsultationen (Video/Audio) zur Einbindung externer Leistungserbringer wie Geriater oder Palliativmediziner.
Die individuellen Behandlungspräferenzen (z.B. bezüglich Hospitalisierung oder Beatmung im Falle einer schweren Infektion) sollten frühzeitig, idealerweise zeitnah nach dem Einzug, erhoben und dokumentiert werden.

Verwandte Leitlinien