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Radioiodtest (I-131/I-123): S1-Leitlinie (AWMF/DGN)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der Radioiodtest dient der prätherapeutischen Dosisabschätzung vor einer Radioiodtherapie (RIT) und ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben.
  • Thyreostatika müssen 2-3 Tage vor dem Test abgesetzt werden, stark iodhaltige Substanzen (z.B. Kontrastmittel) bereits 8 Wochen zuvor.
  • Für die Standard-Dosimetrie wird I-131 NaI oral verabreicht, für Kurz- oder Depletionstests I-123 NaI i.v.
  • Zur Bestimmung der effektiven Halbwertszeit sind mindestens zwei Messungen erforderlich (früh nach maximalem Uptake und nach 4-8 Tagen).
  • Bei kongenitaler Hypothyreose hilft der Depletionstest mit Perchlorat bei der Differenzialdiagnostik von Iodisationsstörungen.
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Hintergrund

Der Radioiodtest dient primär der prätherapeutischen Dosisabschätzung vor einer Radioiodtherapie (RIT) bei benignen Schilddrüsenerkrankungen. In Deutschland ist diese individuelle Aktivitätsermittlung gesetzlich vorgeschrieben, um die Strahlenexposition im Zielorgan und Restkörper zu optimieren.

Zentrale Begriffe der Leitlinie sind:

  • Radioiod-Uptake (RIU): Der Anteil des applizierten Radioiods, der sich zu einer definierten Zeit in der Schilddrüse befindet.
  • Radioiodkinetik: Der patientenindividuelle zeitliche Verlauf des RIU.
  • Effektive Halbwertszeit: Der Zeitraum, in dem die Hälfte des Radioiods durch physikalischen Zerfall und biologische Stoffwechselvorgänge aus der Schilddrüse entfernt wird.

Indikationen

  • Vor Radioiodtherapie benigner Schilddrüsenerkrankungen
  • Differenzialdiagnostik bei kongenitaler primärer Hypothyreose (Iod-Stoffwechselstudium inkl. Depletionstest)

Patientenvorbereitung

Um identische Kinetiken zwischen Test und Therapie zu gewährleisten, müssen die Bedingungen (z.B. Medikation, Iodversorgung) vergleichbar sein.

MaßnahmeZeitfensterBemerkung
Absetzen von Thyreostatika2-3 Tage vorherErhöht RIU und effektive Halbwertszeit.
Karenz stark iodhaltiger Stoffe8 Wochen vorherGilt für Kontrastmittel, Desinfektionsmittel, Iodid. Bei Amiodaron wesentlich länger (ggf. Iodurie messen).
Iodarme Diät2 Wochen vorherEmpfohlen zur Optimierung des Uptakes.
Nüchternheit4h vor bis 1h nach GabeVerhindert eine verminderte oder verzögerte Resorption.
HydratationErste 24h nach GabeReduziert die Strahlenexposition der Harnblase.

Wichtig: Eine Schwangerschaft muss ausgeschlossen sein. Das Stillen ist vor einer I-131-Applikation zu beenden.

Radiopharmaka

RadiopharmakonApplikationReferenzaktivitätIndikation
I-131 NaIoral (Kapsel)3 MBqStandard-Radioiodtest
I-123 NaIi.v.10 MBqKurztest, Depletionstest

Hinweis: Bei Kindern erfolgt eine gewichtsbezogene Reduktion der Aktivität.

Durchführung und Messzeitpunkte

Die Messung erfolgt meist mit einer Messsonde (Natrium-Iodid-Kristall) in mindestens 25 cm Abstand oder per Gammakamera.

MessstrategieZeitpunkteZielsetzung
EinzelmessungNach 5-8 TagenPrinzipiell ausreichend zur Berechnung der RIT-Aktivität.
ZweipunktmessungFrüh nach max. Uptake + nach 4-8 TagenBestimmung der effektiven Halbwertszeit.
DreipunktmessungZ.B. 1, 2-3 und 5-8 TageGenauere Bestimmung der Iodkinetik.
Kurztest (I-123/I-131)Nach 4-6h und 24hAusnahmefall, wenn späte Messungen organisatorisch nicht zumutbar sind.

Depletionstest

Bei kongenitaler Hypothyreose dient der Test der Erkennung von Iodisationsstörungen (z.B. Pendred-Syndrom).

  1. I-123 NaI i.v. applizieren.
  2. Quantitative Schilddrüsenszintigraphie bis 3h p.i.
  3. Orale Gabe von Natriumperchlorat (Erwachsene: 1 g).
  4. Erneute Quantifizierung 2h nach Perchloratgabe.

Ein Abfall der Zeit-Aktivitätskurve um mehr als 15-20 % spricht für eine Störung der Organifizierung.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie auf eine exakte sonographische Volumetrie der Schilddrüse, da Fehler bei der Bestimmung der Zielvolumen-Masse (oft bis zu 25 % Abweichung) linear in die Berechnung der zu applizierenden Therapieaktivität eingehen.

Häufig gestellte Fragen

Er ist gesetzlich vorgeschrieben zur individuellen Aktivitätsermittlung und Dosisoptimierung vor einer Radioiodtherapie.
Zwei bis drei Tage vor dem Test sowie auch zwei bis drei Tage vor der eigentlichen Radioiodtherapie.
In der Regel acht Wochen. Bei klinischer Dringlichkeit kann dieses Intervall jedoch verkürzt werden.
Nein, Patienten sollten vier Stunden vor sowie eine Stunde nach der oralen Radioiodapplikation nüchtern bleiben.
Ein Test mit I-123 und Natriumperchlorat zur Diagnostik von Iodisationsstörungen bei kongenitaler Hypothyreose.

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