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Handekzem: Leitlinie zu Diagnostik und Therapie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das Handekzem wird in ätiologische (z.B. irritativ, allergisch) und klinische Subtypen (z.B. hyperkeratotisch, vesikulär) unterteilt.
  • Ein Epikutantest ist indiziert bei über 3 Monaten bestehendem Ekzem, Therapieresistenz oder Verdacht auf Kontaktallergie.
  • Die Prävention am Arbeitsplatz folgt dem STOP-Prinzip (Substitution, Technische, Organisatorische, Personenbezogene Maßnahmen).
  • Die Erstlinientherapie besteht aus Basistherapeutika und topischen Glukokortikoiden (bevorzugt Klasse II-III).
  • Bei schwerem, chronischem Handekzem ist Alitretinoin die zugelassene systemische Therapie der Wahl.
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Hintergrund

Das Handekzem (HE) ist eine häufige entzündliche Hauterkrankung mit erheblichen sozioökonomischen Auswirkungen, insbesondere als Berufskrankheit (BK 5101). Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen eine atopische Dermatitis, Feuchtarbeit, Kontaktallergien sowie Nikotinkonsum.

Klassifikation

Das Handekzem wird nach ätiologischen und klinischen Subtypen klassifiziert. Mischformen sind häufig und können sich im Verlauf ändern.

Ätiologischer SubtypHäufigste Auslöser / Merkmale
Irritatives Kontaktekzem (IKE)Häufigste Form; Kontakt mit irritativen Substanzen (z.B. Feuchtarbeit)
Allergisches Kontaktekzem (AKE)Kontakt mit Allergenen; positiver Epikutantest
Atopisches HandekzemAssoziiert mit atopischer Dermatitis; oft Handinnenflächen/Handgelenke
ProteinkontaktdermatitisKontakt mit Proteinen (z.B. Lebensmittel); Soforttypsensibilisierung
Klinischer SubtypMorphologie / Klinik
Hyperkeratotisches HEKeine Bläschen, oft Männer, palmar, Rhagaden
Akut rezidivierendes vesikuläres HEStarke Bläschenbildung (früher: dyshidrotisches Ekzem)
Nummuläres HEMünzförmig, oft Handrücken
PulpitisAuf Fingerkuppen beschränkt

Diagnostik

Eine sorgfältige Anamnese (inkl. beruflicher Exposition) und klinische Untersuchung des gesamten Integuments sind essenziell.

  • Epikutantestung: Soll durchgeführt werden, wenn das HE länger als 3 Monate besteht, bei Nichtansprechen auf Therapie oder bei Verdacht auf Kontaktallergie. Die Standardreihe soll ggf. erweitert werden.
  • Repetitiver offener Applikationstest (ROAT): Kann zum Ausschluss falsch-positiver Reaktionen erwogen werden.
  • Abriss-Epikutantest: Sollte bei negativem/fraglichem Standardtest und anhaltendem Verdacht erfolgen.
  • Pricktest / Spezifisches IgE: Bei Verdacht auf Proteinkontaktdermatitis oder Kontakturtikaria (z.B. durch Latex oder Lebensmittel).

Prävention und Expositionsbewertung

Die Prävention richtet sich nach dem STOP-Prinzip zur Reduzierung gesundheitsgefährdender Expositionen:

StufeMaßnahmeBeispiel
SSubstitution/EliminationVerbot oder Umstellung auf sichere Alternativen (z.B. allergenfreie Handschuhe)
TTechnische MaßnahmenAutomatisierung, Absaugung
OOrganisatorische MaßnahmenWechsel zwischen Feucht- und Trockenarbeit
PPersonenbezogene MaßnahmenPersönliche Schutzausrüstung (PSA), Hautschutzschulung

Tipps zur Hautreinigung und Pflege:

  • Milde Reinigungsmittel verwenden, lauwarmes Wasser.
  • Händedesinfektion ist bei fehlender sichtbarer Verschmutzung dem Händewaschen vorzuziehen (weniger irritativ).
  • Die regelmäßige Anwendung von Basistherapeutika (Hautpflegemitteln) soll bei allen HE-Patienten erfolgen.

Stufentherapie

Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad (z.B. bewertet durch den HECSI-Score). Ursächliche exogene Faktoren sollen identifiziert und vermieden werden.

Topische Therapie

  • Topische Glukokortikoide: Sollen als kurzzeitige Erstlinientherapie eingesetzt werden.
    • Leichtes HE: bevorzugt Klasse II
    • Moderates HE: bevorzugt Klasse II-III
    • Schweres HE: bevorzugt Klasse III (kurzfristig IV)
    • Zur Erhaltungstherapie intermittierend (Klasse II/III). Es sollen Präparate mit geringem atrophogenem Potenzial verwendet werden.
  • Topische Calcineurin-Inhibitoren: Tacrolimus 0,1% Salbe (Off-Label bei nicht-atopischem HE) kann zur Kurzzeit- oder proaktiven Erhaltungstherapie eingesetzt werden.

Physikalische Therapie

  • Phototherapie: Sollte bei moderatem bis schwerem chronischem Handekzem (CHE), das refraktär auf topische Steroide ist, erfolgen (topische PUVA, Schmalband-UVB, UVA1). Wegen der kumulativen UV-Dosis soll sie nicht als Langzeittherapie dienen.

Systemische Therapie

WirkstoffIndikation / EmpfehlungBemerkung
AlitretinoinSoll bei mittelschwerem bis schwerem CHE eingesetzt werdenZugelassen; bei Versagen von Topika/UV; teratogen
Orale GlukokortikoideKann in Einzelfällen bei akuten Schüben eingesetzt werdenKurzzeitig als Stoßtherapie
CiclosporinSollte bei Refraktärität/Kontraindikation gegen Erst-/Zweitlinie eingesetzt werdenOff-Label (außer bei atopischem HE)
Azathioprin / MTX / AcitretinKann bei Refraktärität eingesetzt werdenOff-Label

💡Praxis-Tipp

Bevorzugen Sie bei fehlender sichtbarer Verschmutzung die alkoholische Händedesinfektion gegenüber dem Händewaschen mit Wasser und Seife, da diese die Hautbarriere deutlich weniger schädigt. Nutzen Sie zudem bei längeren Tragezeiten von flüssigkeitsdichten Schutzhandschuhen (ab 10 Minuten) Baumwollunterziehhandschuhe.

Häufig gestellte Fragen

Ein Epikutantest soll durchgeführt werden, wenn das Handekzem länger als 3 Monate besteht, nicht auf eine geeignete Therapie anspricht oder ein klinischer Verdacht auf eine Kontaktallergie vorliegt.
Es sollen bevorzugt topische Glukokortikoide mit geringem atrophogenem Potenzial und günstigem therapeutischem Index (Klasse II bis III) eingesetzt werden.
Alitretinoin soll bei Patienten mit mittelschwerem bis schwerem chronischem Handekzem (CHE) eingesetzt werden, wenn eine topische Therapie und/oder Phototherapie nicht ausreichend wirksam sind.
Wenn die Hände nicht sichtbar verschmutzt sind, sollte eine Händedesinfektion bevorzugt werden, da Desinfektionsmittel die Hautbarriere weniger schädigen als tensidhaltige Reinigungsprodukte.

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