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Topische Therapie & Dermatika: S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Wahl der galenischen Grundlage ist essenziell und beeinflusst die kutane Bioverfügbarkeit sowie den therapeutischen Effekt maßgeblich.
  • Rezepturarzneimittel sind indiziert, wenn kein adäquates Fertigarzneimittel verfügbar ist oder Allergien gegen Inhaltsstoffe bestehen.
  • Der Bedarf an Topika lässt sich über die Finger-Tip-Unit (FTU = 0,5 g für 2 % Körperoberfläche) berechnen.
  • Bei chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen ist eine konsequente Basistherapie zur Normalisierung der Barrierefunktion obligatorisch.
  • Zwischen der Applikation einer Pharmakotherapie und einer Basistherapie sollten mindestens 30 Minuten Abstand liegen.
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Hintergrund

Die topische Therapie ist eine Kernkompetenz der Dermatologie. Die Pharmakokinetik eines topischen Wirkstoffs wird durch drei funktionell überlappende Phasen bestimmt:

  • Liberation: Freisetzung des Wirkstoffs aus der Grundlage
  • Penetration: Eindringen in die Hautkompartimente
  • Permeation: Durchdringen des gesamten Hautorgans

Die kutane Bioverfügbarkeit hängt maßgeblich von den physikochemischen Eigenschaften des Wirkstoffs, der galenischen Grundlage und dem Zustand der Haut am Applikationsort ab.

Regulatorische Kategorien und Verordnung

Topika werden in Arzneimittel (Fertig- und Rezepturarzneimittel), Medizinprodukte und kosmetische Mittel unterteilt. Eine Substitution in der Apotheke (aut-idem-Regelung) rein nach Wirkstoffgleichheit unter Missachtung der galenischen Grundlage wird nicht empfohlen, da die Grundlage den therapeutischen Effekt wesentlich mitbestimmt.

Indikationen für Rezepturarzneimittel

EmpfehlungKriteriumBemerkung
Wird empfohlenFehlendes FertigpräparatWenn kein Fertigarzneimittel in geeigneter Form/Dosis verfügbar ist
Wird empfohlenUnverträglichkeitenBei Allergien gegen Inhaltsstoffe von Fertigpräparaten
Wird empfohlenIndividualisierungZur Erhöhung der Adhärenz bei chronisch Kranken
Wird nicht empfohlenWirtschaftlichkeitWenn ein vergleichbares, wirtschaftliches Fertigpräparat existiert
Wird nicht empfohlenAkuter BedarfWenn der Hautzustand einen sofortigen Therapiebeginn erfordert

Dosierung und Mengenberechnung

Um eine Unterversorgung zu vermeiden, muss die verordnete Menge exakt kalkuliert werden. Der Patient sollte über die aufzutragende Menge instruiert werden.

MaßstabEntsprechungBenötigte Menge Topikum
1 % KOF (Körperoberfläche)1 Handinnenfläche inkl. Finger0,25 g
2 % KOF2 Handinnenflächen0,5 g = 1 Finger Tip Unit (FTU)

Galenische Grundlagen

Die Grundlage dient nicht nur als Vehikel, sondern besitzt eine therapeutische Eigenwirkung. Die Auswahl muss den Hautzustand (inkl. Pathogenese), die Lokalisation und die Akuität der Dermatose berücksichtigen.

GrundlageEigenschaftenBeispiele
SalbenWasserfrei, lipophil oder hydrophilVaseline, Macrogolsalbe
CremesMehrphasig (Wasser + Öl + Emulgator)Basiscreme DAC, Kühlcreme
GeleQuellfähige Matrixbildner, viskösHydroxyethylcellulosegel
PastenHalbfest mit unlöslichem PartikelanteilWeiche Zinkpaste DAB

Basistherapie

Bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen (z. B. atopische Dermatitis, Psoriasis, Ichthyosen) wird eine Basistherapie als fester Bestandteil empfohlen.

  • Ziel ist die Normalisierung der Barrierefunktion.
  • Wasserfreie Salben sind für trockene Haut ungeeignet (Gefahr der negativen Wasserbilanz).
  • Empfohlen werden an den Hautzustand angepasste Wasseranteile mit wasserbindenden Stoffen (z. B. Urea, Glycerol).
  • Zwischen der Applikation von Pharmakotherapie und Basistherapie sollten mindestens 30 Minuten liegen.

Allergien und Unverträglichkeiten

Ein irritativ vorgeschädigtes Stratum corneum begünstigt Kontaktekzeme. Bei sogenannten "Problemallergenen" (z. B. Wollwachsalkohole, Propylenglycol, Cocamidopropylbetain) sind schwach positive Epikutantestbefunde oft irritativer und nicht allergischer Genese.

  • Parabene: Gelten allergologisch als unbedenklich (Sensibilisierung < 1 %). Das "Paraben-Paradox" beschreibt, dass Patienten mit Ulcus cruris lokal auf Parabene reagieren können, diese aber auf intakter Haut problemlos vertragen.
  • Bei nachgewiesener Sensibilisierung wird empfohlen, eine Grundlage zu wählen, die das Allergen nicht enthält (z. B. Macrogolsalbe DAC oder Kühlcreme DAB bei diversen Allergien).

Besondere Patientengruppen

  • Kinder: Die kindliche Haut hat eine erhöhte Permeabilität und geringere Reservoirfunktion. Es resultieren höhere kutane Maximalkonzentrationen. Salizylsäure, bestimmte Antiseptika (PVP-Jod, Triclosan) und Antibiotika (Gentamycin, Neomycin) sollten nur streng indiziert eingesetzt werden.
  • Schwangere: Bei Behandlung von > 10 % der Körperoberfläche kann eine potenziell risikoträchtige systemische Bioverfügbarkeit resultieren.
  • Alter: Atrophie von Epidermis und Korium erfordert oft eine Reduktion der Applikationshäufigkeit.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie zur Mengenberechnung die Finger-Tip-Unit (FTU): 1 FTU entspricht 0,5 g und reicht für 2 % der Körperoberfläche (zwei Handinnenflächen). Lassen Sie zwischen der Applikation eines wirkstoffhaltigen Topikums und der Basistherapie mindestens 30 Minuten Abstand.

Häufig gestellte Fragen

Wenn kein geeignetes Fertigarzneimittel existiert, Allergien gegen Hilfsstoffe bestehen oder eine individuelle Wirkstoffkombination nötig ist.
1 % der Körperoberfläche (eine Handinnenfläche) benötigt 0,25 g Topikum. Eine Finger-Tip-Unit (FTU) entspricht 0,5 g für 2 % der Körperoberfläche.
Nein, sie sind allergologisch unbedenklich (Sensibilisierungsrate < 1 %). Bei Ulcus cruris kann es lokal zu Reaktionen kommen, auf intakter Haut werden sie jedoch meist vertragen (Paraben-Paradox).
Bei der sequenziellen Anwendung verschiedener Topika (z. B. Wirkstoff und Basistherapie) sollten mindestens 30 Minuten Abstand eingehalten werden.

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