Diagnostik und Therapie des Analekzems: Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Das Analekzem wird in drei Hauptformen unterteilt: irritativ-toxisch, atopisch und kontaktallergisch.
- •Die Basisdiagnostik umfasst zwingend Anamnese, Inspektion, digital-rektale Untersuchung und Proktoskopie.
- •Die Therapie stützt sich primär auf die Beseitigung der Auslöser und eine optimierte Analhygiene (nur Wasser, keine Seife).
- •Zur topischen antientzündlichen Akuttherapie werden niedrig- bis mittelpotente Kortikosteroide für maximal 1 bis 4 Wochen empfohlen.
- •Bei bakteriellen Superinfektionen sind Antiseptika topischen Antibiotika vorzuziehen, um Sensibilisierungen zu vermeiden.
Hintergrund
Das Analekzem (perianale Dermatitis) gehört zu den häufigsten proktologischen Erkrankungen und geht meist mit Pruritus, Brennen und nässenden Hautläsionen einher. Pathophysiologisch liegt dem Ekzem eine dysfunktionale epidermale Barriere zugrunde, die durch das feuchte Mikroklima der Analspalte ("feuchte Kammer") begünstigt wird.
Einteilung und Ätiologie
Es werden drei Hauptformen unterschieden, wobei auch Überlappungsphänomene (Mischbilder) auftreten können:
| Ekzemform | Ursachen und Trigger | Klinische Besonderheiten |
|---|---|---|
| Irritativ-toxisch | Stuhl, Anal-/Wundsekret, Hämorrhoiden, mechanische Reize (Reiben) | Häufigste Form; oft rhagadiforme Beteiligung des Analkanals bei flüssigem Stuhl. |
| Atopisch | Atopische Diathese, gestörte Hautbarriere | Unilaterale Ekzemfelderung, Lichenifizierung bei chronischem Verlauf, oft starker Juckreiz. |
| Kontaktallergisch | Typ-IV-Reaktion (Duftstoffe, Lokalanästhetika, Konservierungsmittel) | Streuphänomene im Randbereich, zeitlicher Zusammenhang zur Allergenexposition zwingend. |
Diagnostik
Die Diagnosestellung erfordert eine strukturierte klinische und instrumentelle Untersuchung:
- Körperliche Untersuchung: Inspektion der Anogenitalregion, Pressversuch, Prüfung des anokutanen Reflexes sowie eine digital-rektale Untersuchung (Ruhe-/Aktivierungstonus, Austastung der Rektumampulle).
- Instrumentell: Eine Proktoskopie ist obligat. Bei unklaren Blutungen oder Stuhlunregelmäßigkeiten ist eine Endoskopie (Rekto-, Kolo-, Gastroduodenoskopie) indiziert.
Weiterführende Diagnostik
| Maßnahme | Indikation |
|---|---|
| Abstriche (bakteriell/mykologisch) | Verdacht auf Superinfektion, perianale Mykosen oder Streptokokkendermatitis. |
| Epikutantestung (Patchtest) | Verdacht auf kontaktallergisches Analekzem (Testung von Pflegeprodukten, Topika etc.). |
| Histopathologie | Klinische Unsicherheit, Therapieresistenz (>4 Wochen) oder Ausschluss von Neoplasien. |
Differenzialdiagnosen
Zahlreiche Erkrankungen können ein Analekzem imitieren. Die wichtigsten Differenzialdiagnosen umfassen:
| Kategorie | Erkrankungen | Wegweisende Diagnostik |
|---|---|---|
| Infektionen | Streptokokken-Dermatitis, Impetigo, Candidose, Tinea, Oxyuriasis | Abstrich, Pilzkultur, Klebestreifen (Madenwürmer) |
| Entzündlich | Psoriasis inversa, Lichen ruber/sclerosus, CED, Akne inversa | Klinik, Histopathologie, Endoskopie |
| Neoplasien | Morbus Paget, anale intraepitheliale Neoplasie (AIN), Karzinome | Histopathologie |
Therapiegrundsätze und Basismaßnahmen
Die Behandlung stützt sich primär auf die Beseitigung ätiologischer Faktoren (z. B. Therapie eines Hämorrhoidalleidens, Allergenkarenz) und nichtmedikamentöse Maßnahmen:
- Optimierte Analhygiene: Reinigung nur mit lauwarmem Wasser (ohne Detergentien/Seifen). Sanftes Trockentupfen, kein Reiben.
- Stuhlregulation: Ernährungsumstellung oder Quellstoffe (z. B. Flohsamenschalen) mit dem Ziel eines geformten Stuhlgangs.
- Hautpflege: Anwendung von hydrophilen O/W-Zubereitungen. Zinkoxidpaste dient als physikalische Barriere zum Schutz vor Stuhl und Sekret.
Topische medikamentöse Therapie
Die Wahl der Grundlage richtet sich nach der Akuität: Cremes/Lotionen bei akuten/nässenden Befunden, Pasten bei chronischen Ekzemen.
| Wirkstoffgruppe | Indikation | Anwendungshinweise |
|---|---|---|
| Kortikosteroide | Akute Entzündung, rasche Symptomlinderung | Niedrig- bis mittelpotent. Maximal 1 bis 4 Wochen (1-2x täglich). |
| Calcineurin-Inhibitoren | Atopisches Analekzem (Erhaltungstherapie) | Proaktive intermittierende Therapie (1-2x wöchentlich). Off-Label bei anderen Ekzemformen. |
| Antiseptika | Bakterielle Superinfektion | Bevorzugt einzusetzen (z. B. Chlorhexidin, Octenidin). Topische Antibiotika meiden (Allergie-/Resistenzrisiko). |
| Antimykotika | Mykologische Superinfektion | Als Monotherapie oder bei starker Entzündung kombiniert mit Kortikosteroiden. |
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei der Reinigung strikt auf Seifen und feuchtes Toilettenpapier. Bei bakteriellen Superinfektionen sollten Antiseptika (z. B. Octenidin, Chlorhexidin) topischen Antibiotika vorgezogen werden, um Sensibilisierungen zu vermeiden.