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Kontaktekzem: S1-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Kontaktekzeme werden primär in irritative und allergische Formen unterteilt, wobei irritative Ekzeme etwa 80 % der Fälle ausmachen.
  • Die Diagnosesicherung eines allergischen Kontaktekzems erfolgt durch den Epikutantest.
  • Die strikte Meidung der identifizierten Noxe (Irritans oder Allergen) ist der wichtigste therapeutische Schritt.
  • Topische Glukokortikoide (bevorzugt TIX ≥ 2) gelten als First-Line-Therapie.
  • Eine konsequente topische Basistherapie ist essenziell zur Wiederherstellung der Hautbarriere.
  • Systemische Therapien (z. B. Alitretinoin) sind bei schweren, chronischen Verläufen wie dem Handekzem indiziert.
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Hintergrund

Das Kontaktekzem ist eine durch äußere Einwirkungen ausgelöste Entzündung der Epidermis und Dermis. Es gehört zu den häufigsten Hauterkrankungen und betrifft alle Altersgruppen. Etwa 80 % aller Fälle sind irritativer Natur, während das allergische Kontaktekzem seltener auftritt. Ungefähr jeder Fünfte in der Bevölkerung weist eine Kontaktsensibilisierung auf.

Klassifikation und Klinik

Kontaktekzeme lassen sich anhand ihrer Auslöser und klinischen Charakteristika einteilen:

(Verdachts-)DiagnoseAuslöserKlinische Charakteristika
Irritatives KontaktekzemIrritanzien (Wasser, Seife, Chemikalien)Scharf begrenzte Läsionen an Kontaktstellen, keine Streureaktionen
Allergisches KontaktekzemHaptene (Kontaktallergene)Meist unscharf begrenzte Läsionen, Streureaktionen auf andere Hautareale häufig
Aerogenes KontaktekzemAerogen übertragene AllergenePrädilektionsstellen: Gesicht, Dekolleté
Phototoxisches KontaktekzemChromophore + UV-LichtManifestation nur an lichtexponierter Haut, meist scharfe Begrenzung
Photoallergisches KontaktekzemPhotoallergene + UV-LichtManifestation nur an lichtexponierter Haut, meist unscharfe Begrenzung
ProteinkontaktdermatitisProteineOft vorausgehende Soforttypsymptome (Juckreiz, Urticae)

Diagnostik

Die Diagnostik basiert primär auf der Anamnese (Expositionsanamnese beruflich/privat) und dem klinischen Bild.

  • Epikutantest: Goldstandard zur Diagnose des allergischen Kontaktekzems. Dient dem Nachweis einer Typ-IV-Sensibilisierung.
  • Pricktest/IgE-Bestimmung: Bei Verdacht auf Proteinkontaktdermatitis.
  • In-vitro-Diagnostik: Der Lymphozytentransformationstest (LTT) hat im klinischen Alltag keinen routinemäßigen Stellenwert und bleibt speziellen Fragestellungen vorbehalten.
  • Histopathologie: Bei klinisch untypischen Verläufen zur Abgrenzung von Differenzialdiagnosen (z. B. Psoriasis, Mykose, kutanes T-Zell-Lymphom).

Therapie

Der wichtigste Schritt für den therapeutischen Erfolg ist das Erkennen und die strikte Vermeidung der auslösenden Noxe.

Topische Therapie

  • Basistherapie: Schlüsselkomponente zur Wiederherstellung der Hautbarriere. Die Grundlage (hydrophil vs. lipophil) muss dem Ekzemstadium angepasst werden.
  • Glukokortikoide: Gelten als First-Line-Therapie. Bevorzugt sollten Präparate der Gruppe 2 mit einem therapeutischen Index (TIX) ≥ 2 eingesetzt werden. Bei chronischen Ekzemen mit Hyperkeratose sind hochpotente Glukokortikoide indiziert.
  • Calcineurininhibitoren: (Off-Label) Alternative zu Glukokortikoiden, insbesondere zur Vermeidung von Hautatrophien bei Langzeitanwendung.

Systemische Therapie

Eine systemische Therapie kommt in Betracht, wenn topische Maßnahmen nicht ausreichen.

WirkstoffIndikationBemerkung
GlukokortikoideAusgedehnte, schwere akute SchübeKurzfristig (max. 2 Wochen), z. B. 0,5–1 mg/kg KG Prednisolonäquivalent
AlitretinoinSchweres chronisches HandekzemHöchster Evidenzgrad, Standarddosis 30 mg/Tag, streng teratogen
CyclosporinTherapieresistentes HandekzemOff-Label (außer bei atopischem Handekzem), Erhaltungsdosis 3 mg/kg KG
DupilumabAtopisches HandekzemIn-Label für atopisches Ekzem, Off-Label für rein allergisches Kontaktekzem

Prävention

Die Prävention umfasst den Hautschutz (z. B. Schutzhandschuhe, Hautschutzcremes vor der Arbeit), die Hautpflege (nach der Arbeit) sowie eine schonende Händereinigung (milde Syndets, alkoholische Desinfektion statt Waschen).

💡Praxis-Tipp

Passen Sie die topische Basistherapie stets dem Ekzemstadium an: Nutzen Sie hydrophile Grundlagen (Cremes, Gele) bei akuten, nässenden Läsionen und lipophile Grundlagen (Salben) bei chronischen, trockenen und hyperkeratotischen Stadien.

Häufig gestellte Fragen

Irritative Kontaktekzeme sind meist scharf auf die Kontaktstelle begrenzt. Allergische Kontaktekzeme sind hingegen oft unscharf begrenzt und neigen zu Streureaktionen auf andere Hautareale.
Der Epikutantest ist bei Verdacht auf ein allergisches Kontaktekzem indiziert, um die auslösenden Kontaktallergene (Haptene) zu identifizieren.
Alitretinoin (ein Retinoid) hat den höchsten Evidenzgrad und ist für schwere chronische Handekzeme zugelassen, die auf Standardtherapien nicht ansprechen.
Nein, der LTT hat für klinische Fragestellungen zu epikutanen Kontaktallergien nur selten eine Indikation und sollte wissenschaftlichen oder sehr speziellen Fragestellungen vorbehalten bleiben.

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