Erster epileptischer Anfall: Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Ein epileptischer Anfall ist der klinische Ausdruck einer exzessiven oder synchronisierten neuronalen Hirnaktivität. Eine Epilepsie liegt vor, wenn ein signifikant erhöhtes Risiko für weitere unprovozierte Anfälle besteht.
Dies ist laut Definition meist nach zwei unprovozierten Anfällen der Fall. Auch nach einem einzelnen unprovozierten Anfall kann eine Epilepsie diagnostiziert werden, wenn durch Auffälligkeiten im EEG oder MRT ein hohes Rezidivrisiko von über 60 Prozent in den nächsten 10 Jahren besteht.
Akut-symptomatische Anfälle, die durch akute systemische Störungen oder Hirnschädigungen verursacht werden, haben ein geringeres langfristiges Rezidivrisiko. Sie müssen diagnostisch und therapeutisch von unprovozierten Anfällen abgegrenzt werden.
Ziel der Therapie ist die Anfallsfreiheit bei minimalen unerwünschten Wirkungen, um eine hohe Lebensqualität zu ermöglichen. Etwa zwei Drittel der Betroffenen werden durch eine medikamentöse Therapie anfallsfrei.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit der frühzeitigen Aufklärung über den plötzlichen, unerwarteten Tod bei Epilepsie (SUDEP). Es wird dargelegt, dass eine gute Anfallskontrolle, insbesondere die Verhinderung nächtlicher generalisierter tonisch-klonischer Anfälle, die wichtigste präventive Maßnahme darstellt. Zudem wird vor dem Einsatz von Valproinsäure bei Frauen im gebärfähigen Alter aufgrund des hohen teratogenen Risikos und möglicher kognitiver Defizite beim Kind gewarnt.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie richtet sich die Kraftfahreignung nach den gesetzlichen Begutachtungsleitlinien des jeweiligen Landes. Bei Unsicherheit über die Mindestdauer der fehlenden Kraftfahreignung wird eine fachneurologische Aufklärung empfohlen; bis dahin besteht keine Fahreignung.
Nach einem akut-symptomatischen Anfall wird langfristig kein Anfallssuppressivum empfohlen. Bei einem unprovozierten Anfall wird der Beginn einer medikamentösen Therapie empfohlen, wenn durch Auffälligkeiten im EEG oder MRT ein hohes Rezidivrisiko besteht und somit die Diagnose einer Epilepsie erfüllt ist.
Die Leitlinie empfiehlt Lamotrigin als Mittel der ersten Wahl in der Monotherapie bei neu aufgetretenen fokalen Epilepsien. Als Alternativen werden Lacosamid oder Levetiracetam genannt.
Eine Pharmakoresistenz liegt vor, wenn mit zwei adäquat ausgewählten und in ausreichender Dosis eingesetzten Anfallssuppressiva keine Anfallsfreiheit erreicht wird. In diesem Fall wird die Überweisung an ein epilepsiechirurgisches Zentrum zur weiteren Evaluation empfohlen.
Eine routinemäßige Bestimmung der Serumkonzentration wird nicht empfohlen. Die Leitlinie rät zur Spiegelbestimmung nur bei spezifischen Indikationen, wie etwa bei Verdacht auf mangelnde Adhärenz, in der Schwangerschaft oder bei Intoxikationszeichen.
Einige Anfallssuppressiva können die Wirksamkeit hormoneller Kontrazeptiva abschwächen. Die Leitlinie empfiehlt in diesen Fällen das Intrauterinpessar als sicherste anwenderunabhängige Verhütungsmethode oder die Nutzung zusätzlicher Barrieremaßnahmen.
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Quelle: Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter (AWMF, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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