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Lagerungsschaeden Gynaekologie: S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Lagerung ist eine interdisziplinaere Aufgabe (Anaesthesie prae-/postoperativ, Operateur intraoperativ).
  • Bei absehbar langen Eingriffen in Steinschnittlage muss ueber spezifische Lagerungsschaeden aufgeklaert werden.
  • Die Armabduktion sollte maximal 90 Grad betragen, idealerweise bis 60 Grad in Neutralstellung.
  • In Steinschnittlage ist die Beugung im Hueftgelenk ueber 90 Grad bei laengeren Eingriffen zu vermeiden.
  • Zur Dekubitusprophylaxe sollen druckentlastende OP-Tischauflagen verwendet werden.
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Hintergrund

Lagerungsbedingte Schaeden sind haeufige und forensisch hoch relevante Komplikationen nach gynaekologischen Operationen. Die Inzidenz von Lagerungsschaeden liegt generell bei ca. 5 Promille, wobei Eingriffe in Steinschnittlage oder extremer Trendelenburg-Lagerung ein besonderes Risiko bergen. Die korrekte Lagerung ist eine gemeinsame interdisziplinaere und interprofessionelle Aufgabe.

PhaseVerantwortlichkeit
Praeoperativ (Einleitung)Anaesthesist
IntraoperativOperateur
Bewusste intraoperative AenderungOperateur
Postoperativ (bis Ende Ueberwachung)Anaesthesist

Aufklaerung und Dokumentation

Bei Vorliegen patientenspezifischer Risikofaktoren oder bei absehbar langdauernden Eingriffen in Steinschnittlage sollte ueber spezifische moegliche Lagerungsschaeden (z. B. Kompartmentsyndrom) aerztlich aufgeklaert werden. Die Dokumentation kann durch Verweis auf hausinterne, verbindliche Lagerungsstandards erfolgen. Abweichungen sind zu dokumentieren.

Allgemeine Lagerungsempfehlungen

Fuer alle Lagerungsformen gelten folgende Expertenkonsens-Empfehlungen:

  • Umlagerung: Mit geeigneten Hilfen (Rutschbretter) reibungsarm bewegen, nicht ziehen.
  • Unterlagen: Trocken und faltenfrei.
  • Koerperteile: Duerfen nicht ueber den Tischrand haengen (insbesondere das knoecherne Gesaess).
  • Kopf: Unterpolsterung zur Neutralposition der Halswirbelsaeule.
  • Arme: Abduktion bis ca. 60 Grad in Neutralstellung, darueber hinaus in Supinationsstellung. Die Abduktion soll keinesfalls >90 Grad betragen.
  • Schwangere: Ab dem spaeteren zweiten Trimenon kann eine 15% Linksseitenlage oder ein rechts-lumbaler Keil zur Vermeidung eines Vena-Cava-Kompressionssyndroms verwendet werden.

Besonderheiten der Steinschnittlage

Die modifizierte Steinschnittlage birgt besondere Risiken, insbesondere bei einer OP-Dauer von ueber 4 Stunden.

  • Beide Beinhalter sollen gepolstert und auf gleicher Hoehe sein.
  • Beine sollen von ausreichend Helfern simultan bewegt werden, um lumbosacrale Verletzungen zu vermeiden.
  • Die Zeit in Steinschnittlage soll so kurz wie moeglich gehalten werden.
  • Auf die Position der Finger soll geachtet werden (Quetschgefahr beim Bewegen der Beinstuetzen).

Praevention von Neuropathien

Neuropathien entstehen meist durch Dehnung, Ischaemie und Druck. Risikofaktoren sind u.a. BMI <20 oder >30, Alter >70 Jahre, pAVK, Rauchen und lange OP-Dauer.

NervGefaehrdung / MechanismusPraevention
Plexus brachialisTrendelenburg-Lagerung, Schulterstuetzen, ArmabduktionTrendelenburg minimieren; Schulterstuetzen polstern (Kontakt am AC-Gelenk); Rutschen verhindern (Vakuummatratze)
N. ulnarisDruck am Ellenbogen, PronationsstellungArm in Supinationsstellung auslagern; Ellenbogen beugen und polstern
N. peronaeusDruck am Fibulakoepfchen durch BeinhalterFibulakoepfchen druckentlastend lagern; kein Kontakt zu Metallstangen
N. ischiadicusUeberdehnung in SteinschnittlageHueftbeugung moeglichst nicht >90 Grad; Ueberdehnung der ischio-cruralen Muskulatur vermeiden
N. femoralisExtreme Hueftbeugung/Abduktion, WundsperrerHueftbeugung >90 Grad bei langen Eingriffen vermeiden; keine extreme Abduktion/Aussenrotation
N. obturatoriusAbduktion ohne HueftbeugungAbduktion >30 Grad nur mit Hueftbeugung; max. Abduktionswinkel 45 Grad

Schaeden durch Hochfrequenzchirurgie (HF)

Zur Vermeidung von Verbrennungen durch HF-Chirurgie gelten folgende Empfehlungen:

  • Patientin soll trocken und isoliert gelagert werden (keine Pfuetzen durch Desinfektionsmittel).
  • Neutralelektrode soll vollflaechig und nah am OP-Feld platziert werden (ggf. rasieren).
  • Kein Kontakt zu elektrisch leitfaehigem Material.
  • Schmuck soll entfernt oder isoliert abgeklebt werden.

Dekubitusprophylaxe

Ein Dekubitus entsteht durch Druck und Scherkraefte. Zu den perioperativen Risikofaktoren zaehlen OP-Dauer, Hypotonie und Hypothermie.

  • Es sollten druckentlastende OP-Tischauflagen verwendet werden.
  • Die Auflageflaeche des Koerpers soll moeglichst gross sein.
  • Fersen freilagern, ohne den Druck im Sakralbereich zu erhoehen.
  • Knie leicht anwinkeln zur Thromboseprophylaxe.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei extremer Trendelenburg-Lagerung bevorzugt Vakuummatratzen statt reiner Schulterstuetzen, um ein Verrutschen der Patientin zu verhindern und den Plexus brachialis zu schuetzen.

Häufig gestellte Fragen

Die Verantwortung ist geteilt: Der Anaesthesist ist fuer die prae- und postoperative Phase zustaendig, der Operateur fuer die intraoperative Lagerung und bewusste Lageaenderungen.
Die Abduktion soll keinesfalls ueber 90 Grad betragen. Empfohlen wird eine Abduktion bis ca. 60 Grad in Neutralstellung, darueber hinaus in Supinationsstellung.
Das Fibulakoepfchen muss zwingend druckentlastend gelagert werden und darf keinen direkten Kontakt zu den Stangen der Beinhalterung haben.
Eine OP-Dauer von ueber 4 Stunden gilt als wesentlicher Risikofaktor fuer Neuropathien, Dekubitus und das Kompartmentsyndrom.

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