ClariMedClariMed

Schlaganfall und Sinusvenenthrombose Neugeborene (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die transfontanelläre Sonografie ist die primäre Bildgebung, gefolgt vom MRT (Goldstandard) mit Diffusionswichtung.
  • CT-Untersuchungen sind aufgrund der Strahlenbelastung beim Neugeborenen kontraindiziert.
  • Krampfanfälle sind mit bis zu 94 % das häufigste Symptom und erfordern ein kontinuierliches aEEG-Monitoring.
  • Bei einer Sinusvenenthrombose (CSVT) wird eine Antikoagulation (initial Heparin) empfohlen.
  • Ein generelles Screening auf angeborene Gerinnungsstörungen wird nicht empfohlen.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Der akute Schlaganfall beim Neugeborenen ist charakterisiert durch eine neu aufgetretene neurologische Symptomatik innerhalb der ersten 28 Lebenstage. Die Inzidenz ist in der Neonatalperiode besonders hoch und vergleichbar mit der im höheren Erwachsenenalter. Es werden drei Hauptformen unterschieden:

FormHäufigkeitBesonderheiten
Arteriell ischämischer Schlaganfallca. 80%Häufig paradoxe Embolie; oft A. cerebri media betroffen
Hämorrhagischer SchlaganfallseltenerAssoziiert mit Koagulopathien oder Gefäßmalformationen
Cerebrale Sinusvenenthrombose (CSVT)seltenerHöchste Mortalität; unspezifische Symptomatik

Klinisches Erscheinungsbild

Die Symptome sind oft unspezifisch (Lethargie, Apnoen, Trinkschwäche). Krampfanfälle sind mit bis zu 94 % das häufigste Symptom und treten sehr viel häufiger auf als bei älteren Kindern. Bei Reifgeborenen zeigen sich oft einseitige, fokale Krampfanfälle bei erhaltenem Bewusstsein (meist am 1. bis 3. Lebenstag). Bei Frühgeborenen ist die Diagnose erschwert, da Auffälligkeiten wie Apnoen oft der Frühgeburtlichkeit zugeordnet werden.

Diagnostik

Eine schnelle und präzise Diagnostik ist essenziell. Ein CT ist aufgrund der Strahlenbelastung nicht indiziert (Konsens).

MethodeIndikation / StellenwertEmpfehlung
SonografiePrimäre BildgebungUnverzüglich bei Verdacht (B-Bild inkl. Doppler)
MRTGoldstandard / Erweiterte DiagnostikMethode der Wahl (mit Diffusionswichtung und Nativ-Angiografie)
aEEG / EEGAnfallsdiagnostikKontinuierliche bihemisphärische Überwachung bei Verdacht auf Krampfanfälle
EchokardiografieUrsachensucheZum Ausschluss kardialer Thromben oder Rechts-Links-Shunts
  • Gerinnungsdiagnostik: Ein routinemäßiges Screening auf thrombophile Gerinnungsstörungen wird nicht empfohlen (Starker Konsens). Es kann nur in Einzelfällen (z.B. bei Thromben oder auffälliger Familienanamnese) erwogen werden.

Therapie

Die primäre Behandlung ist überwiegend supportiv. Ziel ist die Vermeidung sekundärer Hirnschäden.

Supportive Basisversorgung

  • Ziele: Normothermie (36,5 - 37,5°C), Normoglykämie, Normovolämie, Normoxie und Normokapnie.
  • Lagerung bei CSVT: Positionierung, die eine okzipitale Kompression reduziert und den venösen Abfluss fördert.

Antithrombotische Therapie

IndikationTherapieBemerkung
CSVT (Akutphase)HeparinBei fehlenden Kontraindikationen (Starker Konsens)
CSVT (Langzeit)AntikoagulationMind. 5 Tage niedermolekulares Heparin; bei Reifgeborenen >2,5 kg ggf. Umstellung auf DOAK (z.B. Rivaroxaban)
Arterieller SchlaganfallKeine generelle AntikoagulationAntikoagulation nur bei embolischer Genese erwägen (Starker Konsens)
Thrombolyse / ThrombektomieKontraindiziertIn den meisten Fällen nicht empfohlen, da das Zeitfenster unklar ist

Nach 6 Wochen sollte die Notwendigkeit einer antikoagulatorischen Therapie individuell in Zusammenarbeit mit einer pädiatrisch-hämostaseologischen Spezialsprechstunde überprüft werden.

Langzeitentwicklung

Kinder mit einem neonatalen Schlaganfall haben ein hohes Risiko für neurologische Beeinträchtigungen. Dazu gehören Zerebralparesen (ca. 40 % bei arteriellen Infarkten), kognitive Einschränkungen und Epilepsie. Eine frühzeitige, interdisziplinäre Rehabilitation (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie) ist entscheidend. Zudem ist eine psychologische Betreuung der Eltern essenziell, da Schuldgefühle und Traumatisierungen häufig sind.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei unklaren Krampfanfällen oder Apnoen beim Neugeborenen frühzeitig eine Sonografie und ein aEEG-Monitoring durch. Verzichten Sie aufgrund der Strahlenbelastung zwingend auf ein CT.

Häufig gestellte Fragen

Zunächst sollte unverzüglich eine transfontanelläre Sonografie mit Doppler erfolgen, gefolgt von einem MRT (mit Diffusionswichtung und Nativ-Angiografie) als Methode der Wahl. Ein CT ist kontraindiziert.
Nein, ein routinemäßiges Screening auf thrombophile Gerinnungsstörungen wird bei Neugeborenen mit Schlaganfall nicht empfohlen. Es kann nur in Einzelfällen bei Thromben oder auffälliger Familienanamnese erwogen werden.
In der Akutphase sollte, sofern keine Kontraindikationen bestehen, eine Antikoagulation mit Heparin erfolgen. Bei Reifgeborenen über 2,5 kg kann im Verlauf eine Umstellung auf direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) erwogen werden.
Krampfanfälle sind mit bis zu 94 % das häufigste Symptom, oft begleitet von unspezifischen Zeichen wie Apnoen, Lethargie oder Trinkschwäche.

Verwandte Leitlinien