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Normaldruckhydrozephalus (NPH): Leitlinie (AWMF/DGN)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die klinische Trias des iNPH besteht aus Gangstörung, kognitiven Defiziten und Harninkontinenz.
  • Der Spinal-Tap-Test (30–50 ml Liquorablass) ist der diagnostische Standardtest; die maximale Besserung tritt nach 24–48 Stunden ein.
  • Ein positiver Spinal-Tap-Test stützt die Shunt-Indikation, ein negativer schließt sie jedoch nicht aus.
  • Therapie der Wahl ist die Implantation eines ventrikuloperitonealen Shunts mit einem gravitationsabhängigen Ventil zur Vermeidung von Überdrainage.
  • Höheres Lebensalter oder vaskuläre Marklagerveränderungen im MRT sind keine generellen Ausschlusskriterien für eine Operation.
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Hintergrund

Der primäre oder idiopathische Normaldruckhydrozephalus (iNPH) manifestiert sich typischerweise ab der sechsten Lebensdekade. Er ist durch einen kommunizierenden Hydrozephalus mit Ventrikelerweiterung gekennzeichnet. Der bei einer Routine-Lumbalpunktion gemessene Eröffnungsdruck ist üblicherweise normal (< 20 cm H2O).

Klinische Symptomatik

Die Diagnose erfordert eine Gangstörung sowie mindestens ein weiteres Leitsymptom. Kein einzelnes Symptom ist beweisend für einen iNPH.

SymptomCharakteristikaHäufigkeit
GangstörungBreitbasig, kleinschrittig, vermindertes Abheben ("Bügeleisengang"), Starthemmung, Fallneigung nach hintenNahe 100%
Kognitive DefizitePsychomotorische Verlangsamung, Aufmerksamkeitsstörung, exekutive Dysfunktion, ApathieBis zu 100%
BlasenstörungUrge-Symptomatik, Pollakisurie, Nykturie, Urininkontinenz (Überaktivität des M. detrusor vesicae)45–90%

Bildgebende Diagnostik (cCT/cMRT)

Die Bildgebung zeigt eine überproportionale Seitenventrikelvergrößerung. Eine globale Hirnatrophie darf nicht die Hauptursache der Ventrikelerweiterung sein.

KriteriumDefinition / Pathologischer Wert beim NPH
Evans-IndexVerhältnis max. Weite der Vorderhörner zum max. inneren Schädeldurchmesser. Wert > 0,3
Corpus-callosum-WinkelGemessen im koronaren Schnitt auf Höhe der hinteren Kommissur. Werte zwischen 50° und 80° (Norm: 100-120°)
DESHDisproportionately Enlarged Subarachnoid space Hydrocephalus (erweiterte Sylvische Fissur bei engen hochkonvexen Räumen)

Diagnostische Tests

Der Spinal-Tap-Test (Liquorablassversuch) ist aufgrund seiner Einfachheit der diagnostische Standardtest.

  • Entnahme von 30–50 ml Liquor.
  • Beurteilung der Gangverbesserung (z.B. Ganggeschwindigkeit +20%) idealerweise nach 24 bis 48 Stunden.
  • Positiver Test: Stützt die Indikation zur Shunt-Implantation.
  • Negativer Test: Ist nicht verwertbar und schließt einen NPH nicht aus!

Bei differenzialdiagnostisch weniger eindeutigen Fällen oder negativem Spinal-Tap-Test können weiterführende Tests erfolgen:

  • Mehrtägige lumbale Liquordrainage: 150–300 ml/Tag über 3 Tage.
  • Liquorinfusionstests: Messung des Liquorabflusswiderstands (Rout). Werte > 18 mmHg/ml/min bei älteren Patienten gelten als Prädiktor für ein gutes OP-Ergebnis.

Therapie

Es gibt keine effiziente Pharmakotherapie des NPH. Die operative Ableitung ist die Therapie der Wahl.

TherapieformEmpfehlung / Bemerkung
VP-ShuntVentrikuloperitonealer Shunt ist der Standard.
VentilwahlGravitationsabhängige Ventile werden empfohlen. Sie führen bei gleichem klinischem Effekt signifikant seltener zu Überdrainage-Komplikationen (Subduralhämatome/Hygrome) als Differenzialdruckventile.
ETVDie endoskopische Ventrikulostomie des dritten Ventrikels ist beim iNPH nicht indiziert.
KonservativIntermittierende therapeutische Liquorpunktionen nur bei Patienten mit zu hohem Operationsrisiko.

Prädiktoren für ein positives postoperatives Outcome:

  • Gangstörung steht im Vordergrund und trat vor kognitiven Defiziten auf.
  • Kurze Vorgeschichte.
  • Kleiner Corpus-callosum-Winkel (50° bis 80°) und hoher DESH-Index.
  • Wesentliche Besserung nach Liquorablassversuch oder lumbaler Liquordrainage.

💡Praxis-Tipp

Beurteilen Sie den Effekt des Spinal-Tap-Tests nicht nur unmittelbar, sondern standardisiert nach 24 bis 48 Stunden, da in diesem Zeitfenster die größte Gangverbesserung zu erwarten ist.

Häufig gestellte Fragen

Die klinische Trias besteht aus einer Gangstörung (obligat), kognitiven Defiziten (Demenz) und einer neurogenen Blasenstörung (Urininkontinenz).
Es werden einmalig 30–50 ml Liquor lumbal entnommen. Eine objektive Gangverbesserung nach 24 bis 48 Stunden gilt als positiver Prädiktor für eine Shunt-Operation.
Nein, ein negativer Test ist nicht verwertbar und schließt einen Therapieerfolg durch eine Shunt-Implantation nicht aus.
Es sollten gravitationsabhängige Ventile implantiert werden, da sie im Vergleich zu Differenzialdruckventilen signifikant seltener zu Überdrainage-Komplikationen führen.
Nein, ein höheres Lebensalter vermindert laut Leitlinie nicht die Chance auf eine erfolgreiche Behandlung des Normaldruckhydrozephalus.

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