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Intrakranieller Druck (ICP): Leitlinie (AWMF/DGN)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Zielwerte in der Neurointensivmedizin liegen bei einem ICP < 20 mmHg und einem zerebralen Perfusionsdruck (CPP) > 60 mmHg.
  • Eine prophylaktische ICP-senkende Therapie ohne etabliertes Neuromonitoring wird nicht empfohlen.
  • Das Basismanagement bei einem GCS < 9 umfasst Intubation, Analgosedierung sowie strikte Normokapnie, Normothermie und Normoglykämie.
  • Osmotherapeutika (Mannitol oder hypertones NaCl) sollten nur als Bolus bei pathologischen ICP-Spitzen verabreicht werden.
  • Eine frühe Entlastungstrepanation (< 48h) senkt beim malignen Mediainfarkt signifikant die Mortalität.
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Hintergrund

Der intrakranielle Druck (ICP) ist der Druck, den der Schädelinhalt auf die Durahülle ausübt. Da das Schädelvolumen konstant ist, führt die Volumenzunahme eines Kompartiments (Hirngewebe, Blut, Liquor) ab einem bestimmten Punkt zu einem exponentiellen Druckanstieg (Monro-Kellie-Doktrin). Ein normaler ICP liegt bei Erwachsenen bei < 10 mmHg. Von einem pathologisch erhöhten ICP spricht man bei dauerhaften Werten > 20 mmHg.

Diagnostik und Monitoring

Eine invasive ICP-Messung ist grundsätzlich indiziert bei akut komatösen oder intubiert-sedierten Patienten (GCS < 9) mit Verdacht auf intrakranielle Druckerhöhung.

  • Goldstandard: Externe Ventrikeldrainage (EVD). Vorteil: Ermöglicht eine gleichzeitige therapeutische Liquordrainage. Nachteil: Höheres Infektionsrisiko (5-10 %).
  • Alternative: Intraparenchymatöse Sonden. Vorteil: Deutlich geringere Infektionsrate (< 1 %).
ParameterZielwertBemerkung
ICP< 20 mmHgPathologisch ab dauerhaft > 20 mmHg
CPP (Perfusionsdruck)> 60 mmHgBei SAB mit perfusionsrelevanten Vasospasmen > 80 mmHg

Basismanagement

Bei allen Neurointensivpatienten mit einem GCS < 9 sollte eine Intubation und Analgosedierung erfolgen. Eine prophylaktische ICP-senkende Therapie ohne Monitoring wird nicht empfohlen.

ParameterZielwert / Maßnahme
OxygenierungPaO2 75–95 mmHg
VentilationNormokapnie (PaCO2 35–45 mmHg)
BlutzuckerNormoglykämie (110–160 mg/dl)
TemperaturNormothermie (36,5–37,0 °C), ab 37,5 °C konsequent senken
LagerungOberkörperhochlagerung 15–30° (unter CPP-Kontrolle evaluieren)

Medikamentöse Therapie

Eine dauerhafte prophylaktische Osmotherapie wird nicht empfohlen. Die Gabe sollte gezielt bei pathologischen ICP-Erhöhungen erfolgen.

WirkstoffIndikationBemerkung
Mannitol (20%)Akute ICP-SpitzenBolusgabe; Ziel-Serum-Osmolalität 330 mOsmol/l
Hypertones NaClAkute ICP-SpitzenBolusgabe; Ziel-Natrium 155–160 mmol/l
BarbiturateRefraktäre ICP-KriseNur als Notfallmaßnahme vor drohender Herniation
SteroideTumor, bakt. MeningitisNicht empfohlen bei vaskulären Ursachen (SAB, ICB, Ischämie)

Hinweis zur Hyperventilation: Eine Hyperventilation (Ziel-PaCO2 28–35 mmHg) senkt den ICP rasch durch Vasokonstriktion, vermindert aber gleichzeitig die Hirndurchblutung. Sie sollte nur kurzfristig als Überbrückung (z.B. vor einer Notfall-OP) eingesetzt werden.

Operative Therapie

Bei raumfordernden Läsionen sollte frühzeitig eine operative Entlastung geprüft werden. Eine abwartende Haltung wird ausdrücklich nicht empfohlen.

ErkrankungIndikationBemerkung
Maligner MediainfarktFrühzeitig (< 48h)Signifikante Mortalitätssenkung, v.a. bei Alter ≤ 60 Jahre
Schweres SHTTherapierefraktärer ICP > 25 mmHgSekundäre Dekompression senkt Mortalität
KleinhirninfarktVor HirnstammkompressionSubokzipitale Entlastung empfohlen
Intrazerebrale BlutungRaumforderung / HydrozephalusEVD bei Ventrikelbeteiligung; Hämatomevakuation individualisiert

💡Praxis-Tipp

Vermeiden Sie eine prophylaktische Hyperventilation oder Osmotherapie ohne etabliertes ICP-Monitoring. Nutzen Sie die Hyperventilation ausschließlich als kurzfristige Überbrückung vor einer Notfall-Operation.

Häufig gestellte Fragen

Von einem pathologisch erhöhten ICP spricht man bei dauerhaften Werten von > 20 mmHg.
Eine Oberkörperhochlagerung von 15–30° erscheint sinnvoll, sollte aber individualisiert unter Kontrolle des zerebralen Perfusionsdrucks (CPP) erfolgen, da der Blutdruck hydrostatisch abfallen kann.
Steroide sind bei onkologischen Ursachen und in der Akutphase der bakteriellen Meningitis indiziert. Bei vaskulären Erkrankungen (Schlaganfall, ICB, SAB) oder Schädel-Hirn-Trauma werden sie nicht empfohlen.
Empfohlen wird die Bolusgabe von Mannitol (Ziel-Serum-Osmolalität 330 mOsmol/l) oder hypertoner Kochsalzlösung (Ziel-Natrium 155–160 mmol/l).

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