Migräneprophylaxe mit Erenumab: IQWiG-Nutzenbewertung
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A21-58 bewertet den Zusatznutzen des Wirkstoffs Erenumab zur Migräneprophylaxe. Die Bewertung bezieht sich auf erwachsene Personen mit mindestens vier Migränetagen pro Monat.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) unter anderem Topiramat festgelegt. Die Datengrundlage der Bewertung bildet die randomisierte, doppelblinde HER-MES-Studie.
In dieser Studie wurden therapienaive sowie vorbehandelte Personen untersucht. Eine wesentliche Einschränkung der Studie war das Verbot einer Dosisreduktion bei Nebenwirkungen, was die Abbruchraten beeinflusst haben könnte.
Empfehlungen
Die Nutzenbewertung kommt zu folgenden zentralen Ergebnissen bezüglich der Wirksamkeit und Sicherheit im Vergleich zu Topiramat:
Wirksamkeit und Symptomkontrolle
Laut Bericht zeigt sich ein statistisch signifikanter Vorteil für Erenumab bei der Reduktion der Migränetage. Zudem wird eine geringere allgemeine Beeinträchtigung durch Kopfschmerzen, gemessen mit dem HIT-6-Score, beobachtet.
Für die gesundheitsbezogene Lebensqualität (SF-36v2) lässt sich dem Bericht zufolge kein Zusatznutzen belegen.
Nebenwirkungen und Therapieabbrüche
Die Bewertung stellt fest, dass Therapieabbrüche wegen unerwünschter Ereignisse unter Erenumab seltener auftreten. Dies wird als Hinweis auf einen geringeren Schaden gewertet.
Bei spezifischen Nebenwirkungen zeigt die Auswertung folgende Vorteile für Erenumab:
-
Weniger Erkrankungen des Nervensystems (wie Parästhesien und Schwindel)
-
Geringeres Auftreten von Übelkeit und Ermüdung
-
Seltener verminderter Appetit
Ein höherer Schaden unter Erenumab wird laut Bericht lediglich für das Auftreten von Obstipation festgestellt.
Gesamtaussage zum Zusatznutzen
In der Gesamtschau leitet das IQWiG einen Hinweis auf einen nicht quantifizierbaren, aber mindestens beträchtlichen Zusatznutzen ab. Die Übertragbarkeit auf den Versorgungsalltag wird jedoch aufgrund des Studiendesigns als eingeschränkt bewertet.
Dosierung
Die der Bewertung zugrunde liegende HER-MES-Studie untersuchte folgende Dosierungsschemata für die Studienmedikation:
| Medikament | Dosierung | Applikationsweg | Besonderheiten in der Studie |
|---|---|---|---|
| Erenumab | 70 mg oder 140 mg alle 4 Wochen | subkutan | Dosissteigerung bei unzureichendem Ansprechen möglich |
| Topiramat | 50-100 mg zweimal täglich | oral | 6-wöchige Titrationsphase, keine Dosisreduktion erlaubt |
💡Praxis-Tipp
Der Bericht weist darauf hin, dass die hohe Abbruchrate unter Topiramat in der Zulassungsstudie teilweise durch das strikte Verbot einer Dosisreduktion bedingt sein könnte. Im klinischen Versorgungsalltag wird eine flexible Dosisanpassung bei unerwünschten Ereignissen als relevanter Faktor für die Therapieadhärenz betrachtet.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht gilt der Zusatznutzen für Erwachsene mit mindestens vier Migränetagen pro Monat. Voraussetzung ist, dass für diese Personen eine konventionelle Migräneprophylaxe infrage kommt.
Die Bewertung zeigt einen geringeren Schaden durch Erenumab bei neurologischen Nebenwirkungen, Übelkeit und Ermüdung. Allerdings wird ein höherer Schaden bezüglich des Auftretens von Obstipation festgestellt.
In der zugrunde liegenden Studie konnte kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Erenumab und Topiramat bezüglich der Lebensqualität nachgewiesen werden. Ein Zusatznutzen ist in diesem Bereich laut Bericht nicht belegt.
Der Bericht bemängelt, dass in der Studie bei Nebenwirkungen keine Dosisreduktion und nach einem Therapieabbruch keine Folgetherapie erlaubt waren. Dies entspricht nicht dem üblichen Vorgehen im deutschen Versorgungsalltag.
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Quelle: IQWiG A21-58: Erenumab (Migräne) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (neue wissenschaftliche Erkenntnisse) (IQWiG, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.