IQWiG2021Neurologie

Migräneprophylaxe mit Erenumab: IQWiG-Nutzenbewertung

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der IQWiG-Bericht A21-58 bewertet den Zusatznutzen des Wirkstoffs Erenumab zur Migräneprophylaxe. Die Bewertung bezieht sich auf erwachsene Personen mit mindestens vier Migränetagen pro Monat.

Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) unter anderem Topiramat festgelegt. Die Datengrundlage der Bewertung bildet die randomisierte, doppelblinde HER-MES-Studie.

In dieser Studie wurden therapienaive sowie vorbehandelte Personen untersucht. Eine wesentliche Einschränkung der Studie war das Verbot einer Dosisreduktion bei Nebenwirkungen, was die Abbruchraten beeinflusst haben könnte.

Empfehlungen

Die Nutzenbewertung kommt zu folgenden zentralen Ergebnissen bezüglich der Wirksamkeit und Sicherheit im Vergleich zu Topiramat:

Wirksamkeit und Symptomkontrolle

Laut Bericht zeigt sich ein statistisch signifikanter Vorteil für Erenumab bei der Reduktion der Migränetage. Zudem wird eine geringere allgemeine Beeinträchtigung durch Kopfschmerzen, gemessen mit dem HIT-6-Score, beobachtet.

Für die gesundheitsbezogene Lebensqualität (SF-36v2) lässt sich dem Bericht zufolge kein Zusatznutzen belegen.

Nebenwirkungen und Therapieabbrüche

Die Bewertung stellt fest, dass Therapieabbrüche wegen unerwünschter Ereignisse unter Erenumab seltener auftreten. Dies wird als Hinweis auf einen geringeren Schaden gewertet.

Bei spezifischen Nebenwirkungen zeigt die Auswertung folgende Vorteile für Erenumab:

  • Weniger Erkrankungen des Nervensystems (wie Parästhesien und Schwindel)

  • Geringeres Auftreten von Übelkeit und Ermüdung

  • Seltener verminderter Appetit

Ein höherer Schaden unter Erenumab wird laut Bericht lediglich für das Auftreten von Obstipation festgestellt.

Gesamtaussage zum Zusatznutzen

In der Gesamtschau leitet das IQWiG einen Hinweis auf einen nicht quantifizierbaren, aber mindestens beträchtlichen Zusatznutzen ab. Die Übertragbarkeit auf den Versorgungsalltag wird jedoch aufgrund des Studiendesigns als eingeschränkt bewertet.

Dosierung

Die der Bewertung zugrunde liegende HER-MES-Studie untersuchte folgende Dosierungsschemata für die Studienmedikation:

MedikamentDosierungApplikationswegBesonderheiten in der Studie
Erenumab70 mg oder 140 mg alle 4 WochensubkutanDosissteigerung bei unzureichendem Ansprechen möglich
Topiramat50-100 mg zweimal täglichoral6-wöchige Titrationsphase, keine Dosisreduktion erlaubt
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

💡Praxis-Tipp

Der Bericht weist darauf hin, dass die hohe Abbruchrate unter Topiramat in der Zulassungsstudie teilweise durch das strikte Verbot einer Dosisreduktion bedingt sein könnte. Im klinischen Versorgungsalltag wird eine flexible Dosisanpassung bei unerwünschten Ereignissen als relevanter Faktor für die Therapieadhärenz betrachtet.

Häufig gestellte Fragen

Laut IQWiG-Bericht gilt der Zusatznutzen für Erwachsene mit mindestens vier Migränetagen pro Monat. Voraussetzung ist, dass für diese Personen eine konventionelle Migräneprophylaxe infrage kommt.

Die Bewertung zeigt einen geringeren Schaden durch Erenumab bei neurologischen Nebenwirkungen, Übelkeit und Ermüdung. Allerdings wird ein höherer Schaden bezüglich des Auftretens von Obstipation festgestellt.

In der zugrunde liegenden Studie konnte kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Erenumab und Topiramat bezüglich der Lebensqualität nachgewiesen werden. Ein Zusatznutzen ist in diesem Bereich laut Bericht nicht belegt.

Der Bericht bemängelt, dass in der Studie bei Nebenwirkungen keine Dosisreduktion und nach einem Therapieabbruch keine Folgetherapie erlaubt waren. Dies entspricht nicht dem üblichen Vorgehen im deutschen Versorgungsalltag.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: IQWiG A21-58: Erenumab (Migräne) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (neue wissenschaftliche Erkenntnisse) (IQWiG, 2021). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien