ClariMedClariMed

Schädel-Hirn-Trauma (SHT): Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Bewusstlose Patienten (GCS ≤ 8) sollen präklinisch intubiert werden.
  • Hypoxie (SpO2 < 90 %) und arterielle Hypotension (RRsyst < 90 mmHg) sind strikt zu vermeiden.
  • Die kraniale CT ist der Goldstandard in der Akutdiagnostik.
  • Glukokortikoide sind aufgrund einer erhöhten Letalität absolut kontraindiziert.
  • Raumfordernde intrakranielle Verletzungen erfordern eine sofortige operative Entlastung.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Das Schädel-Hirn-Trauma (SHT) ist eine der häufigsten Todesursachen bis zum frühen Erwachsenenalter. Die primäre Schädigung entsteht im Moment der Gewalteinwirkung. Ziel der medizinischen Behandlung ist es, die Kaskade der sekundären Hirnschädigung durch schnelle und wirksame Therapie zu minimieren.

Präklinische Versorgung und Sofortmaßnahmen

Absolute Priorität hat die Erkennung und Beseitigung von Zuständen, die zu Hypoxie oder Blutdruckabfall führen (ABC-Regel).

  • Empfehlungsgrad A: Bewusstlose Patienten (Anhaltsgröße GCS ≤ 8) sollen intubiert und ausreichend beatmet werden.
  • Empfehlungsgrad B: Ein Absinken der arteriellen Sauerstoffsättigung unter 90 % sollte vermieden werden.
  • Empfehlungsgrad B: Der systolische Blutdruck sollte nicht unter 90 mmHg sinken.

Neurologische Beurteilung

Folgende Parameter sollen erfasst werden (Empfehlungsgrad A):

  • Bewusstseinslage (Klarheit, Trübung, Bewusstlosigkeit)
  • Pupillenfunktion
  • Motorische Funktionen (seitendifferent an Armen und Beinen)

Diagnostik im Krankenhaus

Die kraniale Computertomographie (cCT) gilt als Goldstandard.

IndikationsartKriterien für cCT
Absolute Indikation (Soll)Koma, Amnesie, neurologische Störungen, mehrfaches Erbrechen, Krampfanfall, Schädelfraktur-Zeichen, Verdacht auf Liquorfistel, Gerinnungsstörung/Antikoagulation
Fakultative Indikation (Sollte)Unklare Unfallanamnese, starke Kopfschmerzen, Intoxikation (Alkohol/Drogen), Hochenergietrauma

Operative Therapie

Raumfordernde, intrakranielle Verletzungen (z. B. Epidural-, Subdural-, Intrazerebralhämatome) stellen eine absolut dringliche Operationsindikation dar und sollen operativ entlastet werden (Empfehlungsgrad A). Bei Zeichen einer transtentoriellen Herniation entscheiden oft Minuten über das klinische Ergebnis.

Operationen mit aufgeschobener Dringlichkeit (Empfehlungsgrad B):

  • Impressionsfrakturen ohne Verlagerung der Mittellinienstrukturen
  • Penetrierende Verletzungen
  • Basale Frakturen mit Liquorrhoe

Konservative und Intensivmedizinische Therapie

Ziel ist die Aufrechterhaltung eines adäquaten zerebralen Perfusionsdrucks (CPP) und die Kontrolle des intrakraniellen Drucks (ICP).

MaßnahmeIndikation / BemerkungEmpfehlungsgrad
GlukokortikoideKontraindiziert! Führen zu signifikant erhöhter 14-Tage-Letalität.A (Soll nicht)
MydriatikaKontraindiziert! Verhindern die Beurteilung der Pupillen (Einklemmungszeichen).A (Soll nicht)
ThromboseprophylaxePhysikalische Maßnahmen anwenden (sofern keine Kontraindikation).A (Soll)
OsmodiuretikaMannitol oder hypertone NaCl-Lösung zur kurzzeitigen ICP-Senkung bei Herniationsverdacht.0 (Kann)
HyperventilationNur kurzzeitig bei akuter Gefahr einer transtentoriellen Herniation.0 (Kann)
AntikonvulsivaZur Vermeidung von Anfällen in der ersten Woche nach Trauma.0 (Kann)
Oberkörperhochlagerung30°-Lagerung zur Senkung extrem hoher ICP-Werte.0 (Kann)

Hirndruckmessung (ICP-Monitoring)

  • Eine ICP-Messung sollte aus pathophysiologischen Überlegungen erfolgen (Empfehlungsgrad B).
  • Der CPP sollte nicht unter 50 mmHg sinken, aber auch nicht durch aggressive Therapie über 70 mmHg angehoben werden (Empfehlungsgrad B).
  • Die Messung sollte bevorzugt über eine Ventrikeldrainage erfolgen, da diese therapeutisch (Liquorablass) genutzt werden kann.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei bewusstlosen SHT-Patienten strikt auf Mydriatika, da diese die Beurteilung einer Anisokorie als Einklemmungszeichen unmöglich machen. Glukokortikoide sind absolut kontraindiziert.

Häufig gestellte Fragen

Bei Bewusstlosigkeit. Als Anhaltsgröße gilt hierfür ein GCS-Wert von ≤ 8.
Der systolische Blutdruck sollte nicht unter 90 mmHg und die Sauerstoffsättigung nicht unter 90 % sinken.
Nein, auf Glukokortikoide soll aufgrund einer signifikant erhöhten 14-Tage-Letalität verzichtet werden.
Unter anderem bei Koma, Amnesie, neurologischen Ausfällen, mehrfachem Erbrechen, Krampfanfällen oder Hinweisen auf eine Gerinnungsstörung.
Zur kurzzeitigen Senkung können Osmodiuretika (Mannitol, hypertone Kochsalzlösung) oder eine kurzzeitige Hyperventilation eingesetzt werden.

Verwandte Leitlinien