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Lagerung & Mobilisation Intensivstation: S3-Leitlinie AWMF

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Frühmobilisation sollte innerhalb von 72 Stunden nach Intensivaufnahme gestartet werden.
  • Bauchlagerung (≥ 12-16h) ist bei ARDS mit PaO2/FiO2 < 150 mmHg stark empfohlen.
  • Intubierte Patienten sollten zur VAP-Prophylaxe eine Oberkörperhochlagerung von ≥ 40° erhalten.
  • Von der kontinuierlichen lateralen Rotationstherapie (KLRT) wird abgeraten.
  • Mobilisation ist auch unter ECMO und Nierenersatzverfahren (CRRT) nach Teamabsprache indiziert.
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Hintergrund

Die S3-Leitlinie "Lagerungstherapie und Mobilisation von kritisch Erkrankten auf Intensivstationen" (AWMF) definiert evidenzbasierte Standards für die Positionierung und Frühmobilisation. Ziel ist die Reduktion von Komplikationen wie der beatmungsassoziierten Pneumonie (VAP) und die Verbesserung des klinischen Outcomes.

Lagerungstherapie

Die Wahl der richtigen Lagerung hat signifikante Auswirkungen auf die pulmonale und hämodynamische Situation des Patienten.

LagerungsformEmpfehlungBemerkung
Oberkörperhochlagerung (≥ 40°)Stark empfohlenBei intubierten Patienten zur VAP-Prophylaxe. Dekubitusrisiko beachten.
Flache RückenlageStark abgeratenRegelmäßige Modifikation der Lagerung erforderlich.
Kontinuierliche laterale Rotation (KLRT)Schwach abgeratenFührt zu mehr Agitation und längerer Beatmungsdauer.
Seitenlagerung (90°)Schwach empfohlenBei unilateraler Lungenschädigung: gesunde Seite nach unten ("good lung down").
  • Erhöhter intrakranieller Druck (ICP): Oberkörper so lagern, dass der günstigste Effekt auf den zerebralen Perfusionsdruck entsteht.
  • Erhöhter intraabdomineller Druck: Anti-Trendelenburg-Lagerung bevorzugen, um eine weitere Druckerhöhung durch Beugung der Hüfte zu vermeiden.

Bauchlagerung beim ARDS

Die Bauchlagerung ist eine zentrale Säule der lungenprotektiven Beatmung beim schweren ARDS.

ParameterKriterium / Empfehlung
IndikationInvasiv beatmete Patienten mit ARDS und PaO2/FiO2 < 150 mmHg
ZeitpunktFrühzeitig erwägen und unverzüglich umsetzen
DauerMindestens 12 h, vorzugsweise 16 h
BeendigungBei anhaltender Besserung in Rückenlage (4h nach Rücklagerung: PaO2/FiO2 ≥ 150, PEEP ≤ 10, FiO2 ≤ 0,6)
Awake ProningStark empfohlen bei nicht-invasiv beatmeten COVID-19 Patienten
  • Komplette Bauchlagerung (180°) ist der inkompletten vorzuziehen.
  • Risiken: Gefährdete Stellen für Druckulzera (z.B. Jochbein, Kinn, Thorax) müssen sorgfältig geprüft werden.
  • Hämodynamik: Der Einsatz von Katecholaminen ist keine Kontraindikation für die Bauchlagerung.

Frühmobilisation

Die Mobilisation sollte so früh wie möglich beginnen, um funktionellen Einbußen vorzubeugen.

  • Start: Innerhalb von 72 Stunden nach Aufnahme auf die Intensivstation.
  • Intensität: Starke Empfehlung für eine schrittweise Mobilisierung auf die höchstmögliche Stufe.
  • Spezielle Patientengruppen: Auch Patienten mit kontinuierlicher Nierenersatztherapie (CRRT) oder ECMO-Therapie sollen nach Absprache im interprofessionellen Team mobilisiert werden.
  • Zusatzmaßnahmen: Neuromuskuläre Elektrostimulation (NMES) kann im Rahmen der Frühmobilisation erwogen werden.
  • Integration: Einbindung in ein Maßnahmenbündel (z.B. ABCDEF-Bundle) wird stark empfohlen.

Abbruchkriterien der Mobilisation

Eine Mobilisierungseinheit sollte pausiert oder abgebrochen werden, wenn eine Gefährdung auftritt:

ParameterGrenzwert für Pausierung/Abbruch
SpO2Abfall < 86%
HerzfrequenzAnstieg > 30 % vom Ausgangswert
Systolischer BlutdruckAnstieg ≥ 40 mmHg
Diastolischer BlutdruckAnstieg ≥ 20 mmHg
Mittlerer arterieller Druck (MAP)< 60 mmHg
Klinische ZeichenNeu aufgetretene Rhythmusstörungen, Bewusstseinsverschlechterung, unkontrollierbare Schmerzen

💡Praxis-Tipp

Integrieren Sie die Frühmobilisation in ein tägliches Maßnahmenbündel (z.B. ABCDEF-Bundle) und mobilisieren Sie Patienten nach interprofessioneller Absprache auch unter laufender ECMO- oder CRRT-Therapie.

Häufig gestellte Fragen

Die Mobilisation sollte innerhalb von 72 Stunden nach Aufnahme auf die Intensivstation gestartet werden.
Ja, nach Absprache im interprofessionellen Team und bei Fehlen von Kontraindikationen wird die Mobilisation auch unter ECMO und Nierenersatztherapie stark empfohlen.
Die Bauchlagerung sollte mindestens 12 Stunden, vorzugsweise 16 Stunden pro Tag durchgeführt werden.
Nein, die aktuelle Leitlinie rät von der Anwendung der KLRT ab, da sie keinen Überlebensvorteil bietet und mit längerer Beatmungsdauer assoziiert ist.
Bei intubierten Patienten wird eine Hochlagerung von ≥ 40° zur Pneumonieprophylaxe empfohlen, jedoch müssen hämodynamische Nebenwirkungen und das erhöhte Dekubitusrisiko abgewogen werden.

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