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Eingewachsener Nagel & Zangennagel: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der Unguis incarnatus betrifft meist junge Patienten, der Zangennagel tritt typischerweise ab dem 50. Lebensjahr auf.
  • Die Klassifikation des eingewachsenen Nagels erfolgt in drei Stadien: entzündlich, eitrig und mit Granulation.
  • Systemische oder topische Antibiotika sind ohne manifeste Weichteilinfektion (z.B. Phlegmone) nicht indiziert.
  • Die operative Therapie der Wahl ist die minimal-invasive Matrixverödung (z.B. Phenolkaustik) oder Matrixhornresektion.
  • Komplette Nagelplattenentfernungen oder Exzisionen des kompletten Nagelbettes gelten als obsolet.
  • Eine histopathologische Untersuchung von OP-Präparaten wird zum Ausschluss von Malignomen dringend empfohlen.
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Hintergrund

Der eingewachsene Nagel (Unguis incarnatus) und der Zangennagel sind häufige Erkrankungen des Nagelorgans, unterscheiden sich jedoch in Ätiologie und Patientenklientel. Der Unguis incarnatus betrifft meist Jugendliche und junge Erwachsene und entsteht durch das Eindringen der seitlichen Nagelkante in das Gewebe (Fremdkörperreaktion). Der Zangennagel tritt typischerweise ab dem 50. Lebensjahr auf und ist durch eine transversale Hyperkurvatur und Verdickung der Nagelplatte gekennzeichnet, meist ohne primäre Entzündungszeichen.

Klassifikation

Unguis incarnatus

Die Einteilung erfolgt nach Schweregrad und Symptomatik in drei Stadien:

StadiumBezeichnungKlinischer Befund
Grad IEntzündlichSeitliche Entzündungsreaktion von Nagelfalz/Nagelwall ohne Sekretion
Grad IIEitrigAuf Druck oder spontan entleert sich seröses oder purulentes Sekret/Eiter
Grad IIIMit GranulationZusätzliche Bildung von seitlichem Granulationsgewebe (Caro luxurians) über die Nagelplatte hinweg

Zangennagel

TypBezeichnungMorphologie
Typ 1Gewöhnlicher ZangennagelZunahme der Querkrümmung von proximal nach distal (Omega- oder Trompetenform)
Typ 2Gefalteter NagelScharf gebogene Seitenkanten (vertikale Blätter), die in die Furche drücken
Typ 3Kachelförmiger NagelStärkere Zunahme der Querkrümmung entlang der Längsachse (Fliesenform)

Diagnostik und Histologie

Beide Krankheitsbilder sind primär klinische Diagnosen. Eine bildgebende Diagnostik ist nur bei Verdacht auf ossäre oder kartilaginäre Tumoren (z.B. subunguale Exostose) indiziert.

  • Histopathologie: Alle Gewebepräparate, die bei einer operativen Versorgung anfallen, sollten histologisch untersucht werden. Dies dient dem Ausschluss von Malignomen (z.B. Plattenepithelkarzinom, Melanom), die sich klinisch als chronischer Unguis incarnatus maskieren können.

Konservative und Podologische Therapie

In allen Stadien des Unguis incarnatus sollen primär konservative Maßnahmen erfolgen. Ziel ist die Druckentlastung und Beseitigung von Triggerfaktoren (z.B. falsches Schuhwerk, falsche Nagelpflege).

  • Podologische Akutversorgung: Entlastungsschnitt, Tamponaden, Sulci-Protektoren oder Nagelfalz-Tapes.
  • Orthonyxie (Spangentherapie): Beim Zangennagel als Dauertherapie empfohlen. Beim Unguis incarnatus besteht ein Dissens über den Nutzen, die Indikation sollte individuell gestellt werden.
  • Medikamentöse Therapie: Orale und topische Antibiotika sollen in Abwesenheit einer manifesten Weichteilinfektion (z.B. Erysipel, Phlegmone) nicht angewendet werden. Fußbäder mit Schmierseife sollten vermieden werden (Mazerationsgefahr).

Operative Therapie

Führen konservative Maßnahmen nicht zum Erfolg oder besteht eine hohe Dringlichkeit, ist eine operative Therapie indiziert. Ziel ist ein minimal-invasives Vorgehen.

VerfahrenIndikationBemerkung
Matrixverödung (z.B. Phenolkaustik)Breite Nagelplatte (Standardverfahren)Niedriges Rezidivrisiko, minimal-invasiv, wenig Schmerzen
MatrixhornresektionBreite NagelplatteInvasiver als Verödung, raschere Abheilung
Nagelwallresektion (Vandenbos)Nicht-entzündliche Hypertrophie des NagelwallsBreite der Nagelplatte bleibt erhalten, lange Wundheilung

Obsolete Verfahren:

  • Exzision des kompletten Nagelbettes
  • Komplette Nagelplattenentfernung (Ausnahme: Retronychie)
  • (Teil-)Amputation der Zehe
  • Radikale Verfahren wie die Emmert-Plastik sollten zugunsten schonenderer Methoden vermieden werden.

Eine perioperative Antibiotikaprophylaxe soll nicht standardmäßig erfolgen, außer bei spezifischen kardiologischen Indikationen (Endokarditisprophylaxe).

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei einem unkomplizierten Unguis incarnatus auf die Verordnung von Antibiotika und führen Sie keine kompletten Nagelextraktionen durch. Bevorzugen Sie stattdessen minimal-invasive Verfahren wie die Phenolkaustik und senden Sie das OP-Präparat stets zur histologischen Untersuchung ein.

Häufig gestellte Fragen

Nur bei einer manifesten Weichteilinfektion wie einem Erysipel oder einer Phlegmone. Eine routinemäßige systemische oder topische Antibiose ist nicht empfohlen.
Die primäre operative Behandlung sollte minimal-invasiv durch eine seitliche Nagelteilextraktion mit anschließender Verödung (z.B. Phenolkaustik) oder mechanischer Resektion des proximalen Matrixhorns erfolgen.
Nein. Die alleinige, komplette Entfernung der Nagelplatte sowie die Exzision des kompletten Nagelbettes sollen nicht mehr angewandt werden, da sie hohe Rezidivraten und Nagelfehlwachstum verursachen.
Der Unguis incarnatus ist eine entzündliche Fremdkörperreaktion (meist bei Jüngeren), der Zangennagel eine nicht-entzündliche, schmerzhafte transversale Hyperkurvatur der Nagelplatte (meist ab 50 Jahren).
Um seltene Malignome (wie Plattenepithelkarzinome oder Melanome) auszuschließen, die sich klinisch als chronischer eingewachsener Nagel präsentieren können.

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