Diabetisches Fußsyndrom: IQWiG-Entscheidungshilfe
Hintergrund
Der Rapid Report des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) aus dem Jahr 2020 bietet eine Entscheidungshilfe zu Amputationen beim diabetischen Fußsyndrom. Ziel ist es, Betroffene und Behandelnde bei der Abwägung von Vor- und Nachteilen verschiedener Therapieoptionen zu unterstützen.
Ein diabetisches Fußsyndrom entsteht häufig durch eine Kombination aus Nervenschädigung (Neuropathie) und Durchblutungsstörungen. Dadurch werden Verletzungen oft nicht bemerkt, was in Verbindung mit wiederholter Druckbelastung zu chronischen Wunden führt.
Laut Bericht erfordert die Behandlung chronischer Wunden viel Geduld, kann aber auch nach Monaten noch zur Abheilung führen. Eine Amputation sollte grundsätzlich nur dann erfolgen, wenn sie unvermeidbar ist.
Empfehlungen
Die IQWiG-Entscheidungshilfe formuliert folgende Kernaspekte zur Vermeidung und Indikationsstellung von Amputationen:
Konservative Wundbehandlung
Um eine Amputation zu vermeiden, wird eine konsequente Wundbehandlung durch Fachpersonal empfohlen. Als wichtigste Maßnahme wird die Druckentlastung (z. B. durch Spezialschuhe, Gips oder Orthesen) hervorgehoben.
Zusätzlich umfasst die Basistherapie laut Bericht:
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Entfernung von abgestorbenem Gewebe und regelmäßige Verbandswechsel
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Behandlung von Infektionen durch Antibiotika oder chirurgische Entfernung entzündeter Knochenteile
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Optimale Blutzuckereinstellung und medizinische Fußpflege
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Regelmäßige ärztliche Kontrollen, auch bei Beschwerdefreiheit
Revaskularisation und operative Alternativen
Vor einer Amputation sollte laut Bericht immer geprüft werden, ob ein Eingriff zur Verbesserung der Durchblutung (Angioplastie oder Bypass) möglich ist. Eine ausreichende Durchblutung ist die Grundvoraussetzung für die Wundheilung.
In bestimmten Situationen können zudem operative Korrekturen von Fußfehlstellungen oder Haut- und Gewebetransplantationen (Lappenplastiken) zur Deckung tiefer Wunden erwogen werden.
Indikationen zur Amputation
Eine Amputation kommt gemäß dem Bericht nur infrage, wenn der Fuß oder die Zehe nicht mehr erhalten werden kann. Weitere Indikationen sind eine drohende, sich im Körper ausbreitende Infektion oder die Ermöglichung der Wundheilung durch die Entfernung kleinerer Fußteile.
Dabei wird betont, dass so wenig Gewebe wie möglich entfernt werden sollte. Eine große Amputation oberhalb des Sprunggelenks ist nur in Ausnahmefällen notwendig.
Vergleich operativer Eingriffe
Der Bericht vergleicht die wesentlichen operativen Behandlungsoptionen beim diabetischen Fußsyndrom:
| Eingriff | Ablauf | Zielsetzung | Mögliche Risiken | Indikation |
|---|---|---|---|---|
| Revaskularisation | Gefäßweitung (Angioplastie) oder Bypass | Verbesserung der Durchblutung zur Wundheilung | Blutergüsse, Gefäßverletzungen | Durchblutungsstörung, wenn Basistherapie nicht ausreicht |
| Haut-/Gewebetransplantation | Abdeckung durch Hauttransplantat oder Lappenplastik | Bessere Wundheilung zur Vermeidung einer Amputation | Wundinfektionen, Wundheilungsstörungen | Große/tiefe Wunden bei unzureichender Basistherapie |
| Kleine Amputation | Entfernung von Vorfußteilen (Zehen bis Knöchel) | Druckentlastung, Stoppen einer Infektionsausbreitung | Schmerzen, eingeschränkte Beweglichkeit, OP-Risiken | Zerstörte Knochen, unzureichende Vortherapie |
| Große Amputation | Entfernung oberhalb des Sprunggelenks | Stoppen einer lebensbedrohlichen Infektion | Enorme Alltagseinschränkung, Phantomschmerzen, erhöhte Mortalität | Fuß nicht erhaltbar, schwere systemische Entzündung droht |
Einholen einer Zweitmeinung
Es wird nachdrücklich empfohlen, vor einer geplanten Amputation eine zweite ärztliche Meinung einzuholen. Der Bericht weist darauf hin, dass hierauf ein Rechtsanspruch besteht.
💡Praxis-Tipp
Laut IQWiG-Bericht ist die konsequente Druckentlastung die wichtigste Maßnahme bei der Behandlung chronischer Wunden am diabetischen Fuß. Zudem wird betont, dass vor jeder Amputation zwingend geprüft werden sollte, ob stattdessen ein gefäßchirurgischer Eingriff zur Verbesserung der Durchblutung möglich ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG kommt eine Amputation nur infrage, wenn Gewebe nicht mehr erhalten werden kann oder sich eine gefährliche Entzündung im Körper ausbreitet. Zudem kann die Entfernung kleinerer Fußteile notwendig sein, um eine Wundheilung zu ermöglichen.
Der Bericht nennt als wichtigste Alternativen die konsequente Druckentlastung, professionelle Wundbehandlung und die Behandlung von Infektionen. Zudem sollte immer geprüft werden, ob die Durchblutung durch eine Angioplastie oder einen Bypass verbessert werden kann.
Bei einer kleinen Amputation werden lediglich Teile des Vorfußes, wie einzelne Zehen oder Fußabschnitte bis zum Knöchel, entfernt. Eine große Amputation erfolgt oberhalb des Sprunggelenks und ist laut Bericht nur in seltenen Ausnahmefällen erforderlich.
Ja, der IQWiG-Bericht betont ausdrücklich, dass vor einer Amputation ein Rechtsanspruch auf das Einholen einer zweiten ärztlichen Meinung besteht. Dies wird zur sicheren Entscheidungsfindung stark empfohlen.
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Quelle: IQWiG P20-02: Entscheidungshilfe zu Amputationen beim diabetischen Fußsyndrom - Rapid Report (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.