Polymyalgia rheumatica: Leitlinie (AWMF/DGRh)
📋Auf einen Blick
- •Glukokortikoide (15–25 mg Prednison-Äquivalent/Tag) sind die Therapie der ersten Wahl.
- •Initialdosen von ≤ 7,5 mg/d oder > 30 mg/d sollen nicht angewendet werden.
- •Die Glukokortikoid-Dosis soll kontinuierlich reduziert werden (Ziel: Monotherapie max. 1 Jahr).
- •IL-6-Rezeptor-Blocker werden bei rezidivierendem Verlauf oder hohem Risiko für Glukokortikoid-Nebenwirkungen empfohlen.
- •Methotrexat oder Rituximab können als alternative Glukokortikoid-sparende Therapien erwogen werden.
Hintergrund
Die Polymyalgia rheumatica (PMR) ist nach der Rheumatoiden Arthritis die zweithäufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung im höheren Lebensalter. Das Behandlungsziel ist das Erreichen und Erhalten einer Remission (Fehlen klinischer Symptome und Normalisierung der systemischen Entzündungszeichen).
Diagnostik und Zuweisung
Jeder Patient mit Verdacht auf PMR sollte schnellstmöglich zur Diagnosesicherung und Risikostratifizierung an einen Rheumatologen überwiesen werden. Die Weiterbehandlung unter einer unkomplizierten Glukokortikoid-Monotherapie kann durch den Hausarzt erfolgen. Vor Therapiebeginn müssen PMR-ähnliche Erkrankungen ausgeschlossen werden.
| Untersuchungsgruppe | Empfohlene Parameter (individuelle Auswahl) |
|---|---|
| Labor | CRP, BSG, Blutbild, Rheumafaktor, anti-CCP, Leberwerte, Kreatinin, TSH, CK, Urin-Status |
| Apparative Diagnostik | Röntgen-Thorax, Abdomen-Sonographie, Arthrosonographie, Gefäßultraschall |
Glukokortikoid-Therapie
Glukokortikoide (GC) sind die Therapie der ersten Wahl und sollen unmittelbar nach Diagnosestellung als morgendliche Einzeldosis begonnen werden.
| Therapiephase | Dosierung / Dauer | Wichtige Hinweise |
|---|---|---|
| Initialdosis | 15 – 25 mg/d (Prednison-Äquivalent) | Keine Dosen ≤ 7,5 mg/d oder > 30 mg/d anwenden. |
| Dosisreduktion | Auf 10 mg/d innerhalb von 4–8 Wochen | Danach Reduktion um ca. 1 mg alle 4 Wochen. |
| Rezidiv | Erhöhung auf Prä-Rezidiv-Dosis | Danach schrittweise Reduktion (4–8 Wochen) auf die Dosis bei Rezidiv-Eintritt. |
Empfohlene Therapiedauer der Glukokortikoide
- GC-Monotherapie: höchstens 1 Jahr
- Mit begleitender Biologika-Therapie: höchstens 16 Wochen
- Mit begleitender Methotrexat-Therapie: 6 – 8 Monate
Glukokortikoid-sparende und Biologika-Therapie
Um Glukokortikoide einzusparen, stehen verschiedene eskalierende Therapieoptionen zur Verfügung.
| Wirkstoffklasse | Indikation | Evidenz & Bemerkung |
|---|---|---|
| IL-6-Rezeptor-Blocker (z. B. Tocilizumab, Sarilumab) | Sollte bei rezidivierendem Verlauf angewandt werden. Kann bei hohem Risiko für GC-Nebenwirkungen erwogen werden. | Starker GC-sparender Effekt. Achtung: Aktuell Off-Label-Use bei isolierter PMR. |
| Methotrexat (MTX) | Alternative zu IL-6-Blockern. | Moderater GC-sparender Effekt. |
| Rituximab | Alternative zu IL-6-Blockern. | Wirksamkeit in Studien gezeigt, weitere Daten ausstehend. |
Monitoring und Verlaufskontrolle
Die Überprüfung des Behandlungsziels und der Therapie sollte in risikoadaptierten Intervallen erfolgen:
- Bis zum Erreichen der Remission: alle 1 – 4 Wochen
- Bei stabiler Remission: alle 3 – 6 Monate
- Nach erfolgreichem Absetzen: nach individueller Entscheidung
Nicht-medikamentöse Therapie
Insbesondere älteren und/oder gebrechlichen Patienten sollte zusätzlich zur medikamentösen Therapie ein individualisiertes Übungsprogramm (Physiotherapie) angeboten werden, um Muskelmasse zu erhalten und das Sturzrisiko unter Glukokortikoiden zu minimieren.
💡Praxis-Tipp
Beantragen Sie bei der Verordnung von IL-6-Rezeptor-Blockern (Tocilizumab, Sarilumab) vorab die Kostenübernahme, da diese für die isolierte PMR aktuell im Off-Label-Use eingesetzt werden.