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Chronischer Unterbauchschmerz der Frau: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Als chronischer Unterbauchschmerz gelten Beschwerden, die seit mindestens 6 Monaten bestehen.
  • Die Pathophysiologie umfasst periphere und zentrale Sensibilisierung sowie neurogene Inflammation.
  • Endometriose ist eine gesicherte Ursache, waehrend Adhaesionen keinen evidenzbasierten Zusammenhang aufweisen.
  • Bei begleitenden Blasensymptomen muss an eine Interstitielle Zystitis (IC/BPS) gedacht und zystoskopiert werden.
  • Psychosoziale Faktoren (Angst, Depression, Traumata) spielen eine hochrelevante Rolle bei der Chronifizierung.
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Hintergrund

Der chronische Unterbauchschmerz der Frau (Chronic Pelvic Pain, CPP) ist definiert durch eine Schmerzdauer von mindestens 6 Monaten. Er kann zyklisch, intermittierend-situativ oder nicht-zyklisch auftreten. Die Lebensqualitaet der betroffenen Patientinnen ist haeufig stark eingeschraenkt.

Die Pathophysiologie ist komplex und geht ueber rein organische Ursachen hinaus. Im Zentrum stehen Prozesse der peripheren und zentralen Sensibilisierung (Neuroplastizitaet). Entzuendungsmediatoren (Zytokine, Prostaglandine, Substanz P) und eine neurogene Inflammation fuehren zu einer Herabsetzung der Schmerzschwelle.

Risikofaktoren

Folgende Faktoren erhoehen das Risiko fuer die Entwicklung nicht-zyklischer chronischer Unterbauchschmerzen:

  • Lange Blutungsdauer
  • Gesicherte Endometriose oder Pelvic Inflammatory Disease (PID)
  • Z.n. Sectio caesarea oder Abort
  • Koerperliche oder sexuelle Gewalt (in Kindheit oder Erwachsenenalter)
  • Psychische Faktoren (Angst, Depression, Somatisierungsstoerungen)

Gynaekologische Ursachen und Befunde

Die Leitlinie bewertet den Zusammenhang verschiedener gynaekologischer Befunde mit dem chronischen Unterbauchschmerz wie folgt:

DiagnoseZusammenhang mit SchmerzBemerkung
Endometriose / AdenomyosisGesicherte UrsacheLeitsymptom oft Dysmenorrhoe. Histologische Abklaerung empfohlen.
Pelvine VarikosisMoegliche UrsacheVenenklappeninsuffizienz, oft linksseitig (V. ovarica).
AdhaesionenKein evidenzbasierter ZusammenhangOperative Adhaesiolyse zeigt oft nur kurzfristige Besserung.
Ovarian Remnant SyndromeUnklarer ZusammenhangSchmerzen durch belassenes Ovarialgewebe nach OP.
Vulvodynie / VestibulodynieSomatoforme SchmerzstoerungSchmerz an der Vulva >3 Monate ohne erkennbare organische Ursache.

Interdisziplinaere Differenzialdiagnosen

Da die Beckenorgane eng verschaltet sind, muessen zwingend interdisziplinaere Ursachen geprueft werden:

FachgebietRelevante DiagnosenLeitsymptome / Diagnostik
UrologieInterstitielle Zystitis (IC/BPS), rezidivierende HWIHarndrang, Blasenschmerz. Empfehlung: Zystoskopie bei Blasensymptomen!
GastroenterologieReizdarmsyndrom (RDS), chronisch entzuendliche DarmerkrankungenStuhlunregelmaessigkeiten, Blaehungen, Gewichtsverlust.
MuskuloskelettalFibromyalgie, myofasziale Schmerzen, TriggerpunkteDruckschmerz in Bauchwand/Beckenboden, oft nach OP-Trauma.

Psychosoziale Faktoren

Psychische Komorbiditaeten sind bei chronischem Unterbauchschmerz extrem haeufig. Studien zeigen bei betroffenen Frauen hohe Praevalenzen fuer:

  • Aengstlichkeit (bis zu 66 %)
  • Depressivitaet (bis zu 62 %)
  • Somatoforme Stoerungen (60-80 % der Patientinnen erfuellen die Kriterien)

Kernaussage der Leitlinie: Ein fruehzeitiges, interdisziplinaer abgestimmtes Vorgehen (inklusive psychosomatischer Evaluation) ist essenziell, um eine weitere Chronifizierung der Schmerzen zu vermeiden.

💡Praxis-Tipp

Fixieren Sie sich nicht ausschliesslich auf gynaekologische Pathologien. Fragen Sie aktiv nach Stuhlgangsveraenderungen und Miktionsbeschwerden. Bei begleitendem Harndrang sollte immer eine urologische Abklaerung (Zystoskopie) zum Ausschluss einer Interstitiellen Zystitis (IC/BPS) erfolgen.

Häufig gestellte Fragen

Wenn die Schmerzen (zyklisch oder azyklisch) seit mindestens 6 Monaten bestehen.
Nein. Laut Leitlinie gibt es keinen evidenzbasierten Zusammenhang zwischen Adhaesionen und chronischen Unterbauchschmerzen. Eine Adhaesiolyse bringt oft keine langfristige Besserung.
Endometriose und Adenomyosis uteri sind gesicherte und haeufige Ursachen fuer chronische Unterbauchschmerzen. Das Ausmass der Herde korreliert jedoch nicht zwingend mit der Schmerzstaerke.
Sehr haeufig. Bis zu 66 % der Patientinnen weisen Symptome von Aengstlichkeit auf, 62 % leiden unter Depressivitaet.

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