Streptococcus Group B (GBS): StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Streptococcus agalactiae, auch bekannt als Streptokokken der Gruppe B (GBS), besiedelt asymptomatisch den Gastrointestinal- und Urogenitaltrakt bei bis zu einem Drittel der gesunden Frauen.
Während der Geburt kann der Erreger auf das Neugeborene übertragen werden und lebensbedrohliche Infektionen wie Sepsis, Pneumonie oder Meningitis verursachen. Man unterscheidet dabei eine Early-Onset-Erkrankung in den ersten 6 Lebenstagen von einer Late-Onset-Erkrankung zwischen Tag 7 und 89.
Auch bei Erwachsenen kann GBS invasive Infektionen auslösen. Dies betrifft laut Leitlinie insbesondere Schwangere, Personen über 65 Jahren oder Patienten mit Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus oder Malignomen.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Prävention und Behandlung von GBS-Infektionen:
Screening und intrapartale Prophylaxe (IAP)
Es wird ein routinemäßiges GBS-Screening bei allen Schwangeren zwischen der 36 0/7 und 37 6/7 Schwangerschaftswoche empfohlen.
Laut Leitlinie ist eine intrapartale Antibiotikaprophylaxe (IAP) in folgenden Fällen indiziert:
-
Positives GBS-Screening in der aktuellen Schwangerschaft
-
GBS-Bakteriurie zu einem beliebigen Zeitpunkt der aktuellen Schwangerschaft
-
Zustand nach Geburt eines Kindes mit invasiver GBS-Erkrankung
Bei unbekanntem GBS-Status wird eine IAP empfohlen, wenn Risikofaktoren vorliegen. Dazu zählen eine Frühgeburt vor 37 Wochen, ein Blasensprung vor über 18 Stunden, intrapartales Fieber ab 38,0 °C oder ein positiver intrapartaler NAAT-Test.
Diagnostik bei Neugeborenen
Zur definitiven Diagnosestellung wird die Anlage von Kulturen aus sterilen Körperkompartimenten empfohlen.
Die Leitlinie betont, dass bei Verdacht auf eine Early-Onset-GBS-Erkrankung eine Lumbalpunktion essenziell ist, um eine Meningitis zu bestätigen oder auszuschließen. Dies gilt auch bei negativen Blutkulturen, da bis zu 30 % der Neugeborenen mit Meningitis negative Blutkulturen aufweisen.
Therapie und Monitoring
Als empirische Initialtherapie bei Verdacht auf eine neonatale Sepsis wird die Kombination aus Ampicillin und einem Aminoglykosid (typischerweise Gentamicin) empfohlen.
Sobald GBS als Erreger bestätigt ist und die Sterilität von Blut und Liquor dokumentiert wurde, sollte die Therapie gemäß Leitlinie auf Penicillin G als Monotherapie umgestellt werden.
Bei einer GBS-Meningitis wird eine Kontroll-Lumbalpunktion 1 bis 2 Tage nach Therapiebeginn empfohlen, um die Sterilität des Liquors zu überprüfen. Zudem wird bei allen Säuglingen, die von einer GBS-Meningitis genesen, eine Überprüfung des Hörvermögens (z. B. BERA) empfohlen.
Dosierung
Die Leitlinie gibt folgende Dosierungen für die intrapartale Antibiotikaprophylaxe (IAP) vor. Die Gabe sollte mindestens 4 Stunden vor der Entbindung erfolgen:
| Medikament | Indikation | Dosierung (intravenös) |
|---|---|---|
| Penicillin G | Mittel der Wahl | 5 Millionen IE Initialdosis, dann 2,5 bis 3 Millionen IE alle 4 Stunden bis zur Entbindung |
| Ampicillin | Alternative | 2 g Initialdosis, dann 1 g alle 4 Stunden bis zur Entbindung |
| Cefazolin | Bei leichter Penicillinallergie | 2 g Initialdosis, dann 1 g alle 8 Stunden bis zur Entbindung |
| Clindamycin | Bei schwerer Penicillinallergie (nach Antibiogramm) | 900 mg alle 8 Stunden bis zur Entbindung |
| Vancomycin | Bei schwerer Penicillinallergie (nach Antibiogramm) | 1 g alle 12 Stunden bis zur Entbindung |
Für die Therapie der Bakteriämie ohne Fokus bei Neugeborenen wird eine 10-tägige intravenöse Antibiotikagabe empfohlen. Bei einer Meningitis mit negativem Kontroll-Liquor wird eine Therapiedauer von mindestens 14 Tagen mit Penicillin G empfohlen.
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt davor, Clindamycin oder Vancomycin zur intrapartalen Prophylaxe ohne vorherige Resistenztestung des GBS-Isolats einzusetzen. Zudem wird betont, dass eine orale Antibiotikatherapie bei invasiven GBS-Erkrankungen unzureichend ist und nicht angewendet werden sollte.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie weist darauf hin, dass eine intrapartale Antibiotikaprophylaxe nur dann als adäquat gilt, wenn Penicillin, Ampicillin oder Cefazolin mindestens 4 Stunden vor der Entbindung verabreicht wurden. Es wird betont, dass alternative Medikamente, abweichende Dosierungen oder eine kürzere Einwirkzeit für das Management des Neugeborenen als unzureichend betrachtet werden.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt das routinemäßige Screening mittels Kultur zwischen der 36 0/7 und 37 6/7 Schwangerschaftswoche.
Laut Leitlinie wird initial eine Kombinationstherapie aus Ampicillin und einem Aminoglykosid, meist Gentamicin, empfohlen. Nach Bestätigung des Erregers und klinischer Besserung sollte auf Penicillin G umgestellt werden.
Bei einer leichten Allergie ohne Anaphylaxie-Historie wird Cefazolin empfohlen. Bei einer schweren Allergie rät die Leitlinie zu Clindamycin oder Vancomycin, abhängig von der vorherigen Resistenztestung des Isolats.
Nein, die Leitlinie stellt klar, dass die intrapartale Antibiotikaprophylaxe die Inzidenz der Early-Onset-Erkrankung drastisch senkt, jedoch keinen Einfluss auf die Häufigkeit der Late-Onset-Erkrankung hat.
Es wird eine Lumbalpunktion dringend empfohlen, da die klinischen Zeichen einer Meningitis von einer Bakteriämie nicht zu unterscheiden sind. Die Leitlinie merkt an, dass bis zu 30 % der Neugeborenen mit Meningitis negative Blutkulturen aufweisen.
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Quelle: StatPearls: Streptococcus Group B (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.